• Kommunen werden mit Flut von Anträgen für Bau von Photovoltaikanlagen konfrontiert
  • Ländlicher Raum anders zu bewerten als Ballungsräume
  • Planungsausschuss stellt Kriterienkatalog auf

Mit einer Flut von Anträgen für den Bau von Freiflächen-Photovoltaikanlagen sehen sich derzeit die Kommunen konfrontiert. Augenblicklich wird mit einem Vorhaben meist eine emotional stark belastete öffentliche Diskussion ausgelöst. Doch wie soll mit solchen Projekten umgegangen werden, fragen sich die Verantwortlichen in den Rathäusern.

Flut von Anträgen für Photovoltaikanlagen: Planungsausschuss stellt Kriterienkatalog auf

Den Versuch zur Aufstellung eines einheitlichen Kriterienkatalogs unternahm der Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands bei einer Zusammenkunft in Bad Neustadt. Als Vorsitzender des Planungsverbands umriss Bad Kissingens Landrat Thomas Bold zunächst die Themen, mit denen sich der Verband seit der vorhergehenden Zusammenkunft beschäftigt hatte. Ein Schwerpunkt wird dabei in Zukunft der sorgsame Umgang mit Flächen und die Reaktivierung von Wohnflächen in den Innenräumen sein. Landrat Thomas Habermann machte darauf aufmerksam, dass der ländliche Raum in dieser Hinsicht anders zu bewerten sei als Ballungszentren. Insbesondere müssten zentrale Orte in den Landkreisen besonders in den Fokus rücken.

Zum Thema Freiflächenanlagen machte Bold aufmerksam, dass solche Einrichtungen grundsätzlich in die Planungshoheit der Kommunen fallen. Die Verantwortlichen stehen allerdings oft mit der Bewertung vor einer Herausforderung, weil unterschiedlichste Interessen und Aspekte berücksichtigt werden müssen.

Es sei nicht Absicht, wie bei der Windenergie Vorrangflächen im Regionalplan auszuweisen, betonte Bold. Die formulierten Leitlinien sollen auch nur als Entscheidungshilfe dienen. Darüber hinaus gilt die Überlegung, die Entwicklung zu lenken, damit Fehlplanungen von vornherein vermieden werden. Dazu wurde zum Beispiel ein Ausschlusskatalog erstellt, der die unterschiedlichsten Bereiche berücksichtigt, und von Stefanie Mattern vorgestellt wurde.

Photovoltaik-Anlagen: Kriterien für Bau sind Bodenqualität, Landschaftsbild und Naturschutz

Unter anderem werden als Kriterien zur Beurteilung die landwirtschaftliche Bodenqualität genannt, Beeinträchtigungen des Landschaftsbildes, die Bedeutung der betroffenen Fläche für Freizeit und Erholung sowie Gesichtspunkte des Naturschutzes.

Unterschieden wird dabei außerdem zwischen Ausschlusskriterien und eingeschränkter Nutzbarkeit. Angewendet auf den Gesamtbezirk seien etwa ein Drittel der Flächen für Großanlagen ungeeignet. Mehrere Vertreter der Kommunen reagierten etwas empfindlich auf mögliche Einflussnahmen in den Entscheidungsprozess.

Hassfurts Bürgermeister Günther Werner machte darauf aufmerksam, dass in den Bebauungsplänen der Kommunen auch das Potential an Dachflächen noch längst nicht ausgeschöpft sei. Bold beteuerte jedoch mehrfach, dass der Katalog lediglich als Unterstützung diene. Die Kommunen seien nach wie vor angehalten, die einzelnen Projekte selbst zu bewerten. Mit Einverständnis des gesamten Gremiums sollen die Leitlinien nun noch bei den Bürgemeisterdienstbesprechungen in den einzelnen Landkreisen vorgestellt werden.

Im weiteren Verlauf befasste sich das Gremium mit einem Vorstoß des Landkreises Haßberge, der den Ausbau von Windenergie weiter vorantreiben möchte und dazu weitere Vorrangflächen im Regionalplan ausweise möchte. Landrat Wilhelm Schneider erklärte, dass noch etwa knapp ein Dutzend Windräder benötigt würden, damit der Landkreis seinen Strombedarf gemeinsamen mit den Erträgen aus der Photovoltaik nahezu vollständig aus erneuerbaren Energien decken kann.

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