Technologietransferzentren (TTZ) sind in Bayern stark im Kommen. Unter den 17 bayerischen Einrichtungen hat sich das TTZ Elektromobilität in Bad Neustadt seit seinem Entstehen 2012 bereits einen Namen gemacht. In den unterfränkischen Landkreisen Kitzingen, Main-Spessart und Haßberge wird derzeit ebenfalls eifrig an der Umsetzung eines solchen Entwicklungs- und Forschungsstandorts gefeilt. Auch der Landkreis Bad Kissingen hat soeben seinen Projektantrag zu einem TTZ beim Bayerischen Wissenschaftsministerium eingereicht. Es gab sogar schon ein Gespräch mit Staatsminister Markus Blume, weist Landkreis-Geschäftsleiter Jürgen Metz im Gespräch mit dieser Redaktion auf erste positive Signale hin.

Cluster Medizintechnik hat Priorität

Die Technologietransferzentren sind jeweils an regionale Hochschulen angegliedert. Die Kreise in der Region Main-Rhön arbeiten diesbezüglich mit der Hochschule für angewandte Wissenschaften Würzburg-Schweinfurt (FHWS) zusammen. "Von dem Wissen und den Forschungsergebnissen der FHWS sollen Wirtschaftsunternehmen in unserem Landkreis profitieren", versucht Metz sich ganz bewusst in einer einfachen Erklärung des Begriffs TTZ.

Die fachlichen Schwerpunkte der bereits bestehenden TTZ in Bayern orientieren sich an der Struktur der Wirtschaftsunternehmen in der jeweiligen Region. "In unserem Landkreis bilden Firmen der Labor- und Medizintechnik ein großes Cluster", sagt Metz. "Wir haben also zu entsprechenden Firmen und zur Hochschule Kontakte geknüpft und schließlich alle zusammen an einen Tisch geholt", schildert der Abteilungsleiter die intensiven Bemühungen seit 2020.

Welche Firmen mit dabei sind

In diesem Konsortium sind künftig dabei das Labor LS (Großenbrach), die Laboklin GmbH & Co. KG (Bad Kissingen), das Institut Dr. Nuss (Bad Kissingen), die Firma Psilkon (Motten), das Chemische Labor Dr. Graser (Schonungen), Dental Trading & Shop (Großenbrach) und das Helios St. Elisabeth Krankenhaus (Bad Kissingen).

Im Vorfeld wichtig: Man musste ein gemeinsames Thema finden, sagt Metz. "Nachhaltige Digitale Transformation" (NDT) haben sich nun alle auf die Fahnen geschrieben. Was das genau ist, erklärt Metz an einem Beispiel: Ein Laborunternehmen könnte überlegen, wie es den Eingang und die Aufarbeitung von Proben nachhaltiger und kostensparender gestalten kann, sagt Metz.

Wie kann man bestimmte Prozesse verbessern? Muss man die Software vielleicht erneuern? Wie kann man Strom sparen? Und kann man Produkte nicht ökologischer verpacken als bisher? Alles Fragen, die dann in Zusammenarbeit mit dem TTZ bearbeitet werden könnten.

An solchen Problemstellungen könnten Studentinnen und Studenten der Hochschule tüfteln, Forschungsarbeiten darüber schreiben und so den Firmen vor Ort praktische Vorschläge zur Optimierung machen, erklärt Metz den Zusammenhang.

Er sieht dieses Projekt auch als Chance an, Fachkräfte in den Landkreis zu vermitteln. "Denn wer einmal hier gearbeitet hat, bleibt dann vielleicht auch hier hängen." Schließlich braucht jede Firma auch Spezialisten.

Doch zunächst gilt es, die Rahmenbedingungen für dieses wissenschaftliche Institut in Bad Kissingen zu schaffen, das im Rhön-Saale Gründer- und Innovationszentrum (RSG) angesiedelt werden soll. Eine Hürde ist dabei, laut Metz, schon genommen: Die Finanzierung einer Stiftungsprofessur - das sind 150.000 Euro - ist bereits gesichert: Stadt und Landkreis Bad Kissingen, die Industrie- und Handelskammer Würzburg-Schweinfurt, die Sparkasse sowie die beteiligten Firmen wollen diesen Betrag jährlich - und das fünf Jahre lang - stemmen.

Nach Metz‘ Angaben hat die FHWS den Antrag fürs TTZ nach München auf den Weg gebracht. "Der Freistaat muss jetzt grünes Licht geben." Denn mit der Zustimmung verpflichtet er sich dazu, nach fünf Jahren die Kosten für die Stiftungsprofessur zu übernehmen und zusätzlich einen Festzuschuss von 300.000 Euro zu gewähren. Isolde Krapf