Die Absicht des ehemaligen Landtagsabgeordneten Günther Felbinger, wieder in Ausschüssen des Stadtrats Gemünden aktiv zu werden, hat eine große Mehrheit des Gremiums am Montag vereitelt. Der 57-Jährige fehlte in der Sitzung und hat sich zu dem höchst ungewöhnlichen Vorgehen der Kollegen und zu möglichen persönlichen Konsequenzen bis jetzt nicht geäußert, zahlreiche Anfragen der Redaktion ließ er unbeantwortet.

OB in Dinkelsbühl?

Unterdessen haben Recherchen ergeben, dass Felbinger zwischenzeitlich weit hochfliegendere Pläne hatte, als in Gemünden weiter nur ehrenamtlicher Stadtrat zu sein: Er wollte in Dinkelsbühl Oberbürgermeister werden.

Auch zu diesen Ambitionen hat sich Günther Felbinger trotz Anfrage noch nicht geäußert. Im September hatte die Ankündigung der Freien Wählergemeinschaft (FWG) Gemünden und ihres neuen Mitglieds Günther Felbinger hohe Wellen geschlagen, den noch bis Juli 2021 unter Bewährung stehenden, wegen Betrugs verurteilten früheren Landtagsabgeordneten in Ausschüsse (darunter den Rechnungsprüfungsausschuss) zu bringen.

"Das kann gut sein"

Auf die Frage der Redaktion, ob der Eintritt in die FWG bedeute, dass er bei der Kommunalwahl im März 2020 wieder für den Stadtrat Gemünden kandidieren werde, sagte Felbinger damals: "Das kann gut sein. Es gibt keinen Grund, nicht wieder anzutreten. Die Bürger wünschen sich, dass ich wieder antrete."

Im mittelfränkischen Dinkelsbühl wird es definitiv keine Entscheidung über Felbinger geben. Dort hatten die Freien Wähler Ende 2018 einen Kandidaten für die Oberbürgermeisterwahl im März 2020 gesucht - Günther Felbinger bewarb sich, neun Monate, nachdem er vom Landgericht München zu einer 17-monatigen Freiheitsstrafe auf Bewährung verurteilt worden war. Doch die Dinkelsbühler winkten ab.

Warnung vom Landesvorstand

"Da hat sich ein älterer Landtagsabgeordneter gemeldet, der aber keinen guten Leumund hat", erinnert sich ein Mitglied der Dinkelsbühler Freien Wähler auf Anfrage der Redaktion. Ein anderes Mitglied berichtet, kaum sei der Name bekannt geworden, habe es umgehend vom Landesvorstand der Freien Wähler in München eine Warnung gegeben. Ein Krimineller als OB-Kandidat - das überstieg das Vorstellungsvermögen in Dinkelsbühl. Die Freien Wähler dort haben einen Bewerber aus Nördlingen nominiert.

Nach der Absage aus Mittelfranken hat sich Günther Felbinger politisch wieder auf seinen Heimatort Gemünden konzentriert. Bisher fraktionslos, trat er im September in die Freie Wählergemeinschaft ein.

Ambitionen, im kommenden Jahr als Bürgermeister in Gemünden zu kandidieren, haben auf Anfrage bisher weder er noch der Chef seiner neuen Wählergruppierung Freie Wählergemeinschaft, Gerhard Thumes, dementiert. Michael Fillies