Melanie Berry wohnt mit den beiden Kindern und den Schwiegereltern in einem ruhigen Vorort von Schweinfurt. Der venezuelanische Machtkampf wirkt von dort aus gesehen so undurchsichtig wie der Dschungel im Nationalpark rund um Chuao. Gegenpräsident Guaido soll ebenso verwickelt sein wie manch geschasster Militär.

Von einer versprochenen 100 000-Dollar-Prämie ist die Rede, aber auch von idealistischen Motiven der Infiltranten. US-Präsident Donald Trump hat jede Beteiligung abgestritten.

Skeptiker sagen, der "Staatsstreich", der durch das Sicherheitsunternehmen Silvercorp USA inszeniert worden sei, wäre von vorneherein unterwandert, Berry ebenso wie Denman nur ein Bauernopfer auf dem Schachbrett der "großen Politik" gewesen.

Wollte den Vater besuchen

Was genau da im Mai bei der desaströsen "Operacion Gedeon" passiert ist, bleibt im Dunklen. Denman, Berry und der umtriebige Silvercorp-Chef Jordan Goudreau kannten sich wohl vom Dienst bei den "Green Berets" in Stuttgart. Für Berry seien in der Zeit als Elitekämpfer verdeckte Auslandseinsätze nichts Ungewöhnliches gewesen. Das bekräftigt die Familie beim zweiten Treffen mit der Zeitung, ebenso, dass er nie als "Söldner" tätig war. Im Januar, vor dem weltweiten Corona-Lockdown, wollte der Zivilist seinen Vater in Texas besuchen. Alles andere haben seine deutschen Angehörigen aus den Nachrichten erfahren.