Oberthulba
Engagement

Emil (11) sammelt für kranke Kinder

Der Verkauf der Kronkorken soll die Station Regenbogen in Würzburg unterstützen.
Der elfjährige Emil Wagenbrenner aus Oberthulba sammelt Kronkorken für die Elterninitiative Regenbogen.
Der elfjährige Emil Wagenbrenner aus Oberthulba sammelt Kronkorken für die Elterninitiative Regenbogen. Foto: Wagenbrenner

Wer würde vermuten, dass achtlos in der Natur entsorgter Abfall noch Gutes bewirken kann. Während seines Familienurlaubs auf dem Karlstadter Campingplatz hat Emil Wagenbrenner aus Oberthulba zusammen mit seinem Kumpel Lukas entlang des Mains seinen Hund Gassi geführt. Dabei entdeckten der Elfjährige und sein Freund ganz viele Kronkorken auf dem Boden - und nahmen diese mit. Da erinnerte sich Emil, dass es doch diese Aktion gibt, bei der Kronkorken gesammelt werden.

Zu Gast auf Erlebnisbauernhof

Das Geld aus dem Verkauf der Flaschenverschlüsse an einen Schrotthändler soll an die Elterninitiative Regenbogen für leukämie- und tumorkranke Kinder in Würzburg gehen. So beschloss der frischgebackene Fünftklässler, die Aktion tatkräftig zu unterstützen. "Es ist wichtig, kranken Kindern ein bisschen zu helfen", sagt Emil gegenüber dieser Redaktion. Wie er darauf kam? Seine Mutter Anja Wagenbrenner berichtet, dass die Kinder der Station Regenbogen vor dem Sommerurlaub zu Gast auf dem Erlebnisbauernhof der Familie waren. Dadurch haben die Wagenbrenners die Einrichtung und ihre Arbeit näher kennengelernt. "Irgendwie hat mich das im Herzen berührt", so Emil. Außerdem sei der Sohn eines Bekannten an Krebs gestorben, erzählt Anja Wagenbrenner. Dieser machte die Familie auch auf die Kronkorken-Sammelaktion aufmerksam. Als Emil auf dem Campingplatz dann sein Vorhaben verkündete, habe ihm gleich eine andere Urlauberin ihre Unterstützung angeboten. Gemeinsam gestalteten sie einen Aushang mit Text und Fotos. "Mein Name ist Emil, ich wohne auf Platz 13 hier auf dem Campingplatz und ich sammle für die Station Regenbogen", heißt es darauf. "Ich freue mich über jeden einzelnen Deckel, denn . . . jeder Deckel zählt und Kleinvieh macht auch Mist!" Dieser Zettel hängt nun am Toilettenhäuschen, darunter steht eine Kiste, in der die Camperinnen und Camper ihre Verschlüsse abgeben können.

Schnell habe das Vorhaben ihres Sohns seine Kreise gezogen auf dem Platz, so Wagenbrenner. "Man kennt sich schon. Da sind viele Wiederholungstäter. Wir selbst fahren jedes Jahr zweimal dorthin, zu Pfingsten und in den Sommerferien." Kinder und Erwachsene haben daher alle zusammengeholfen. Doch mit der Abreise der Wagenbrenners in der letzten Ferienwoche endete die Aktion noch nicht. Sie wollen die Kiste stehen lassen, bis der Campingplatz im Oktober schließt. Dann will die Familie noch einmal nach Karlstadt fahren und die Flaschenverschlüsse abholen.

Aktion laufe "wahnsinnig gut"

Initiator der Sammelaktion ist Stefan Rambacher aus Zell am Ebersberg (Lkr. Haßberge), dessen eigene Tochter vor drei Jahren an Krebs erkrankt ist. Als Angehöriger weiß er, was die Elterninitiative Regenbogen alles leistet. Er wollte etwas zurückgeben. "Ich habe mich gefragt, was ich tun kann." Anfang des Jahres hat sich Rambacher auf die Fahne geschrieben, bis Dezember fünf Tonnen Flaschendeckel zu sammeln. Dieses Ziel habe er bereits im Mai erreicht. "Es läuft wahnsinnig gut." Nun hofft er darauf, dass er bis Ende des Jahres zwischen 18 und 20 Tonnen zusammenbekommt. Mittlerweile gebe es rund 90 Annahmestellen in Franken, aber auch eine in Österreich und eine im Allgäu. Nicht nur Privatleute spenden, sondern auch Feuerwehren, Hotels oder Kindergärten. Wie viel Geld Rambacher letztlich für eine Tonne der Deckel bekommt, möchte er nicht öffentlich machen. Es lohne sich aber auf jeden Fall und es werde "ein ganz schöner Betrag" sein. Und er betont: Das Geld komme 100 Prozent den Kindern zu Gute. Wichtig für den Vater ist aber auch, für Krebserkrankungen bei Kindern zu sensibilisieren. "Oft redet keiner darüber, der nicht selbst betroffen ist." Rambacher hofft, das zu ändern.

Geplant ist erneuter Besuch

In Oberthulba und in Karlstadt ist ihm das auf jeden Fall gelungen. Die Arbeit der Station Regenbogen in Würzburg sei "wahnsinnig wertvoll", findet Anja Wagenbrenner. Auch zu Hause auf ihrem Hof sammele sie deshalb nun Kronkorken. Und im Winter besucht die Einrichtung erneut den landwirtschaftlichen Betrieb. "Das ist mir eine Herzensangelegenheit." Und vielleicht kann Emil den Kindern dann auch von seiner Aktion berichten. Corbinian Wildmeister