Elfershausen
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Elfershausen: Erneut Abfuhr für Lebensmittelmarkt

Wieder scheitert die Ansiedlung eines Lebensmittelmarktes am Widerstand der Langendorfer. Warum Bürgermeister Johannes Krumm von einer traurigen Geschichte sprach.
In Langendorf diskutierten Gegner eines Lebensmittelmarktes am Montag sehr emotional mit Bürgermeister Johannes Krumm. Foto: Wolfgang Dünnebier
In Langendorf diskutierten Gegner eines Lebensmittelmarktes am Montag sehr emotional mit Bürgermeister Johannes Krumm. Foto: Wolfgang Dünnebier

Mit einer Demonstration brachten geschätzt rund 120 Ortsbürger überwiegend aus Langendorf ihr Missfallen gegen Pläne zum Ausdruck, am Rand der Gemeinde einen Lebensmittelmarkt zu errichten. Sie versammelten sich vor der Schulturnhalle, wo der Gemeinderat am Montagabend das weitere Vorgehen beraten wollte.

Mit Transparenten und lauten Paukenschlägen warnten sie vor einem Aus des örtlichen Bäckers, der Selbstvermarkter in der Großgemeinde und einer zusätzlichen Verkehrsbelastung. Das Thema hatte in den zurückliegenden Jahren schon drei Mal für Emotionen gesorgt, zuletzt 2015.

Unter den Demonstranten wurde der Vorwurf laut, die Gemeinde sei bereits Vorverträge für die Errichtung eines Marktes eingegangen. Dem widersprach Bürgermeister Johannes Krumm, der sich den teils emotional vorgetragenen Positionen vor der Halle stellte. Es sei lediglich Übereinstimmung mit Grundstückseigentümern erzielt worden Flächen bereit zu stellen, versicherte Krumm. Dieses Vorgehen sei üblich, bedeute aber noch keine Festlegung auf das Vorhaben.

Irritation um Tagesordnung

Für Irritationen sorgte in der anschließenden Sitzung die Tagesordnung. Darin war ein zu fassender Beschluss angekündigt, während es in einem weiteren Punkt um eine mögliche Bürgerbefragung gehen sollte. Bürgermeister Krumm sprach von einem Fehler in der Einladung, es sei an diesem Abend kein endgültiger Beschluss geplant. Vielmehr warb er für eine ortsteilbezogene Bürgerbefragung. Gemeinderatsmitglied Volker Partsch plädierte hingegen für eine sofortige Ablehnung des Vorhabens. "Machen wir doch gleich den Sack zu", forderte er. Mit 8:7 Stimmen sprach sich der Gemeinderat schließlich nach längerer Debatte dafür aus, die vorgelegte Planung nicht mehr weiter zu verfolgen.

Es handele sich um ein Angebot für die Gemeinde, versicherte Goran Poy vom Projektentwickler Kutter (Memmingen). "Wir haben in den vergangenen sechs Monaten acht Standorte in der Großgemeinde untersucht, die potenziell in Frage kommen", sagte Poy. Dabei sei man mit der Regierung von Unterfranken in engem Austausch gewesen. Geplant war ein Lebensmittelmarkt mit 1200 Quadtratmetern Verkaufsfläche und einem zusätzlichen Getränkemarkt, wie er laut bayrischem Baugesetz in jedem Ort möglich sei. Dazu sollten rund 100 Parkplätze kommen.

Der Kernort Elfershausen war schnell ausgeschieden, weil die Einwohnerzahl zu gering sei, um einen wirtschaftlichen Betrieb zu ermöglichen. Anders die Lage an Bundesstraße und Autobahn. Zwei mögliche Standorte kristallisierten sich laut Poy deshalb am Ende heraus: Bei Langendorf zwischen der Kreisstraße und der Schule unterhalb des Sportplatzes mit Überbauung des dortigen Grabens, oder nahe der Kreuzkapelle bei Machtilshausen.

"An der Kapelle ist alles zu eng", bilanzierte Poy seine Untersuchungen. Beliefernde Lastwagen müssten beim Verlassen die Linksabbiegerspur auf der Bundessstraße schneiden. Da spiele die Verkehrsbehörde nicht mit. Also blieb nur noch das Grundstück an der Langendorfer Schule mit rund 7700 Quadratmetern. Über den künftigen Kreisel an der Autobahnabfahrt wäre das Gelände leicht zu erreichen, so Poy. Der von ihm vorgestellt Entwurf sah vor, den Lebensmittelmarkt samt Parkplätzen davor mit dem Rücken zur Schule zu stellen. Im Ort sei keine erhöhte Verkehrsbelastung zu erwarten.

"Ich bin fassungslos", kommentierte Volker Partsch die Pläne, den vorhandenen Graben an der Schule zu überbauen. Das Saaletal habe andere Sorgen als die um fehlende Lebensmittelmärkte, ging er auf anstehendes Hochwassermanagment ein. Das Vorhaben dürfte kaum die Zustimmung des Wasserwirtschaftsamtes finden. Den Bachlauf als wichtige Retentionsfläche brachte auch Alfons Hausmann ins Gespräch. Zudem sei noch nicht mit Sportverein und Schule in der Nachbarschaft gesprochen worden. "Die Rahmenbedingungen sind noch nicht abgeklopft", folgerte er. Der Bürgermeister erinnerte an sein Wahlversprechen, bei strittigen Themen Bürgerbefragungen abzuhalten. Die Argumentation der Lebensmittelmarkt-Kritiker gegen eine Bürgerbefragung habe einen Grund, argumentierte Jürgen Englert für ein eventuell anderes Meinungsbild in der Bevölkerung.

Gleichzeitig warnte er davor, jedes Thema zur Abstimmung zu stellen. Ein knappes Ergebnis sei keine klare Handlungsempfehlung, pflichtete Alfons Hausmann bei. Simone Berned sieht in Bürgerbefragungen die Chance, Bürger mitzunehmen und dem Eindruck entgegen zu wirken, dass nach dem Gusto der Gemeinderäte entschieden werde.

Nach der knappen Ablehnung des Lebensmittelmarktes sprach Krumm von einer traurigen Geschichte für Demokratie und Bürger. Damit sei das Thema Lebensmittelmarkt für die Großgemeinde wohl endgültig vom Tisch.Wolfgang Dünnebier