Über Jahrhunderte hinweg war der Wein eines der wichtigsten landwirtschaftlichen Produkte in Rhön und Grabfeld. In nicht weniger als 88 Gemeinden im Landkreis wurde im Laufe der vergangenen 1000 Jahre Wein angebaut. Bis Ende des 19. Jahrhunderts die letzten Wingerte aufgegeben wurden.

Im Rahmen einer Weinprobe mit Strahlunger Wein hat Kreisheimat- und Archivpfleger Reinhold Albert nun sein neues Buch zum Weinbau in Rhön und Grabfeld vorgestellt. Darin arbeitet er nicht nur die Geschichte des Weins auf, sondern wirft auch einen Ausblick auf die zukünftige Weindestination im Landkreis, ausgehend vom neuen Strahlunger Weinberg.

In Bad Königshofen wie in Heustreu, besonders eifrig in Hollstadt sowie rund um die Salzburg über Bad Neustadt, in Fladungen und sogar in Oberelsbach - Weinbau wurde in beinahe allen Gemeinden, die über einen Südhang verfügen, über Jahrhunderte hinweg betrieben. Straußwirtschaften, in denen man auf Reisen kurz anhalten und sich ein Gläschen einschenken lassen konnte, gab es in der Region allerorten. Das Wissen rund um den Wein, der über Jahrhunderte in Rhön und Grabfeld an- und ausgebaut wurde, ist jedoch heute in der Region beinahe vollkommen verloren.

Wein aus Strahlungen

Reinhold Albert hat nun auf 128 Seiten viel Historisches zum Thema Weinbau im Landkreis zusammengefasst und das Büchlein als vierten Band in der Schriftenreihe der Kulturagentur veröffentlicht. Der Spruch auf dem Titel "Du edler Saft der Beeren, bring' uns're Rhön zu Ehren!" ist ein Zitat des Wechterswinkler Heimatforschers Georg Trost, das der Autor in seinem Buch aufführt. Ein großes Weinfest im Strahlunger Wingert wäre dem Kreisheimatpfleger als Rahmen für die Buchvorstellung noch lieber gewesen. Doch auch die kleine Feier nun im Kloster Wechterswinkel geriet dem neuen Buch von Reinhold Albert zur Ehre.

Nach der Vorstellung konnte mit Wein aus Strahlungen, genauer einem Solaris aus dem Jahre 2018, angestoßen werden. Schließlich, und das wurde vom handverlesenen und auf Abstand sitzenden Publikum in Wechterswinkel besonders hervorgehoben, knüpft das sich entwickelnde "Weindorf" Strahlungen mit seinem neuen Weinberg als erste Gemeinde im Landkreis wieder an die alte Tradition des Weinbaus an. Und macht damit Rhön-Grabfeld nach mehr als 100-jähriger Pause wieder zu einem Weinanbaugebiet. Johannes Hümpfner, Bürgermeister der Gemeinde Strahlungen, stellte den Wein vor und erläuterte die Beweggründe zum Anbau von Wein in der Bürgerschaft.

500 Nachweise gefunden

Für Landrat Thomas Habermann ist das neue Buch von Reinhold Albert ein "kompaktes Kompendium zum Weinbau einst bis Strahlungen heute". Nicht weniger als 500 historische Nachweise des Weinbaus hat Albert in den Archiven gefunden und zusammengetragen. Welch enorme Bedeutung der Wein bis vor circa 150 Jahren in Franken hatte, spiegelt die geschätzte frühere Anbaufläche wider: Diese wird auf 40 000 Hektar in ganz Franken beziffert. Wohlgemerkt im 16. Jahrhundert, als der Weinbau in Franken seine größte Verbreitung fand.

In erster Linie haben in der Region die Klöster Maria Bildhausen und Wechterswinkel den Weinbau forciert. Der älteste Nachweis, den Albert vorliegen hat, stammt aus dem Jahre 1158 aus Löhrieth. Um 1840 standen rund um die Salzburg über Bad Neustadt noch Weinberge, genauso wie am Altenberg am nördlichen Ende der Stadt.

Noch um die Wende zum Jahr 1900 fanden Kinder in den Herbstmonaten Trauben am Altenberg. Das Ende des Weinbaus in Rhön-Grabfeld haben Klimaveränderungen, die Reblaus sowie die säkularisierten Klöster eingeleitet. Heute zeugen Reste von Terrassen an manchen Südhängen noch vom Weinbau, an so manchem alten Haus ist noch ein Weinstock zu finden. Stefan Kritzer