Reiner Jesse hatte viele Talente. Als er sich einmal kurz selbst beschreiben sollte, berichtete er von drei Leben. Das erste, als Arzt, hatte er der Kardiologie gewidmet, sein zweites der Malerei und sein drittes dem Schreiben von Romanen und Erzählungen. Geboren wurde Jesse am 15. Dezember 1941 in Oberhof. Gestorben ist er am 1. Oktober in Suhl. Seinen Namen machte er sich in den Jahren dazwischen auf dem Gebiet der medizinischen Wissenschaft an der Universitätsklinik in Würzburg und danach als niedergelassener Arzt in Bad Kissingen.

Ihn den Kissingern in Erinnerung zu rufen, ist ein großes Anliegen von Prof Dr. Dr. Peter Deeg. Jesse habe die moderne Kardiologie durch seine Arbeit an der Universität Würzburg in den frühen Siebzigerjahren und danach in seiner Praxis in Bad Kissingen entscheidend mit vorangebracht. Auf diese Weise habe er "einen wichtigen Beitrag dafür geleistet, dass Bad Kissingen als moderner Gesundheitsstandort innerhalb der Kurorte Deutschlands" wahrgenommen werde.

Aus Thüringen nach Bad Kissingen gebracht hat die Familie nach dem Zweiten Weltkrieg Jesses Mutter, die aus der Kurstadt stammte. Jesse selbst besuchte hier das Gymnasium, legte 1962 das Abitur ab, studierte in Würzburg Medizin und trat nach Examen und Promotion 1970 dort auch als Assistent in die Medizinische Universitätsklinik ein. An der Universität, berichtet Deeg, habe Jesse wichtige wissenschaftliche Arbeit auf dem Gebiet der Herz-Kreislauf-Forschung geleistet.