Eine Weile trägt die Welle, auf der Trong Hieu Nguyen seit vergangenem August schwebt, bestimmt noch. Doch langsam muss sich der 23-jährige Tänzer und Sänger auch Gedanken machen, was nach den Fernsehauftritten, Konzertreisen und Werbeterminen kommt, die ihm durch seinen Sieg bei der Castingshow "Vietnam Idol" zuflogen. Am liebsten wäre dem gebürtigen Bad Kissinger, der in dem Land, aus dem seine Eltern einst flohen, zum Vorbild junger Leute wurde, wenn es am Ende
seiner aktuellen Erfolgsgeschichte einfach hieße: Fortsetzung folgt. Gerne auch in Deutschland.

Frage: Dein Erfolg bei Vietnam Idol ist bald ein Jahr her, Trong. Was hat der Sieg bei der Castingshow in deinem Leben verändert?
Trong Hieu Nguyen: Er hat mein Leben um 180 Grad gedreht. Das war wirklich so ein Ding, das über Nacht kam, und das Leben danach ist ein ganz neues.

Du hast schon als Kind das Rampenlicht der Bühne gesucht. Jetzt bist du dort angekommen, zumindest in Vietnam. Wie fühlt sich das nun an? So wie du es dir vorgestellt hattest?
Es ist wirklich so, wie ich es erträumt habe. Klar gibt es da auch Herausforderungen und Druck, aber ich mache das, was ich erwartet habe: Jeden Tag performen und Interviews geben. Und das schönste Gefühl ist, wenn ich auf die Straße gehe und Menschen treffe, denen meine Musik etwas bedeutet.

Wofür bewundern dich die Menschen in Vietnam?
Die Menschen dort sind megalieb. Am Anfang sind sie oft ein bisschen schüchtern, aber wenn ich lächle und "hallo" sage, ist das Eis gleich gebrochen. Was die Menschen in mir sehen, finde ich auch interessant, es ist aber für mich selbst schwer zu sagen. Da muss ich immer andere fragen. Ich glaube, man sieht mich als Vietnamesen aus Deutschland. Sie nennen mich den frischen Wind. Irgendwie bin ich als "Vietnam Idol" für viele tatsächlich Vorbild. Aber eigentlich bin ich nur der Trong.

Wie müssen wir uns den typischen vietnamesischen Fan von Trong vorstellen? 15 Jahre jung, weiblich, noch in der Schule?
Unter meinen Fans in Vietnam sind junge Leute, aber auch ältere, also über 30. Der große Teil ist so 17, 18 Jahre alt, studiert noch und ist irgendwie so wie ich: Die wollen noch tanzen, sind mal laut, sind total herzlich und offen.

Du bist deutsch geprägt, in Bad Kissingen aufgewachsen, hast in Hannover studiert, bekommt man da auch mal Heimweh, wenn man ohne seine Familie in Hanoi sitzt?
Nicht nur einmal, sondern ganz schön oft. Am Anfang hatte ich zwar keine Zeit für Heimweh. Aber inzwischen habe ich schon öfter Lust auf Klöße, Sauerbraten und Salat.

Seit Anfang Juni bist du in Deutschland unterwegs, um deine neue Single zu promoten. "Komm wir gehen - One Step Closer" heißt sie. Gab´s vorher eine vietnamesische Version davon?
Ja, auch als Video, das kam auch in die Charts.

Wie weit trägt der Erfolg bei "Vietnam Idol", spürst du schon, dass es nachlässt?
Die Wirkung von "Vietnam Idol" hält nur eine gewisse Zeit an. Du merkst es spätestens, wenn die neue Staffel beginnt. Und sie hat bereits begonnen. Es kommt aber natürlich darauf an, wie du deinen Weg weitergehst. Es ist wichtig, dass man sich unabhängig von der Sendung als Künstler etabliert.

Wann muss der nächste Schritt für die Karriere kommen?
Da bin ich schon dabei. Da plant man, wann die nächste Single rauskommt, man denkt auch über seinen Stil nach. Ich habe schon Ideen für nächstes Jahr. Du musst in diesem Business konstant bleiben und abliefern, damit die Leute dich nicht vergessen. Du musst dich aber auch weiterentwickeln.

Braucht es für den nächsten Schritt ein ganzes Album?
In Vietnam verdient man nichts mit der Musik. Es gibt dort kein Copyright, alles ist legal downloadbar. Deshalb ist ein Album nicht notwendig. Ich selbst habe aber als Künstler schon den Anspruch, ein Album zu machen. In Deutschland mal ein Album im Laden zu haben, wäre schon geil.

Wo geht es für dich in nächster Zeit hauptsächlich weiter, in Vietnam oder in Deutschland?
Nicht nur in Vietnam, ich möchte mich schon auch auf Deutschland konzentrieren. Ich werde wohl beides parallel machen und hin- und herpendeln. In Vietnam ist allerdings die Nachfrage größer.

Wen willst du als Sänger und Tänzer in Deutschland erreichen?
Alle Menschen, die einfach Musik hören wollen und denen gefällt, was ich mache. Ich stelle mir da niemanden konkret vor. Der Mensch kann jung oder alt sein, Mann oder Frau, hetero oder homo. Jeder hat Emotionen, und die will ich ansprechen. Ich will Spaß bereiten. Das Gefühl von Freisein und Liebe gehört auch dazu.

Ich frage jetzt einfach mal ganz unverblümt nach dem Wirtschaftlichen: Hast du nur an Bekanntheit gewonnen in Vietnam oder auch an Vermögen?
Ich verdiene schon was in Vietnam, aber das ist nicht der ausschlaggebende Grund, warum ich in Vietnam bin und Musik mache.

Bist du ein sparsamer Mensch oder machst du dir über Geld eher weniger Gedanken?
Ich mache Musik nicht um des Geldes willen, sondern weil es mir Spaß macht. Wenn ich etwas verdiene, versuche ich schon, etwas anzusparen. Ich habe ja noch viele Projekte. Aber ich bin auch ein Typ, der im Jetzt lebt. Ich will das Leben genießen, allerdings auch im richtigen Maß.

Hast du in deiner Zeit als Vietnam Idol Freunde hinzugewonnen? Freunde, nicht Facebookfreunde oder Fans?
Interessante Frage, hmm. Doch, ich habe schon nette Menschen gefunden und Freunde. Aber mit Freunden von hier, mit Freunden aus der Schulzeit, mit Freunden fürs Leben, kann man das nicht vergleichen.

Künstlerische Karrieren sind oft von Auf und Ab geprägt. Wie wäre es für dich, wenn irgendwann mal ein Ab käme?
No risk, no fun. Einfach probieren. Man hat immer ein bisschen Angst, dass der Erfolg nicht weitergeht. Ich habe in Vietnam sechs Newcomerpreise gewonnen, aber eine Blütezeit kann nicht dauernd anhalten. Du veränderst dich als Person, und die Musik entwickelt sich mit dir mit. Es wird auch Zeiten geben, wo du nicht mehr der angesagte Star bist. Aber das hält mich nicht ab. Wenn du Musik machst, tust du das, weil es deine Leidenschaft ist.

Das Gespräch führte Siegfried Farkas.