Heino Löber kennt sich mit kleinen und großen Katastrophen im Leben aus. Er betreibt in Oberthulba ein Unternehmen für Gebäudesanierung nach Wasser- und Brandschäden. Tagtäglich melden sich bei ihm Betroffene mit verrußten Zimmern oder durchnässten Decken. 40 Mitarbeiter nehmen sich dieser Sorgen an.

Abstand von diesen Herausforderungen findet er mit seiner Familie seit rund zehn Jahren im Urlaub in Afrika. "Da kommt man sofort in einen anderen Modus", schwärmt er von seinen Reisen. Unendliche Natur und prägende Begegnungen mit glücklichen Menschen wecken sein Fernweh. "Viele Menschen sind arm, aber zufrieden", beschreibt er eine Wesensart von Einheimischen, die er und seine Familie in Namibia, Zimbabwe und Botswana kennengelernt haben. "Da wird man selbst gleich viel bescheidener", fügt er an.

Seine Reisen plant Löber auf eigene Faust, gerne fernab von Klischees und breiten Touristenströmen. Vorher bucht er nur die Flüge, weiter geht es dann im Land mit der Übernachtung in zertifizierten Unterkünften. Diese erfüllen gewisse Sozialstandards und wirtschaften nachhaltig.

Stets reist nach seinen Schilderungen die Hilfsbereitschaft mit. Wie es der Zufall wollte, lernte Löber vor zwei Jahren in Namibia die gebürtige Röthleinerin Ulrike Mai kennen. Sie ist vor Ort Vorsitzende des Vereins Children's Home Namibia e.V., der sich unter anderem um Waisenkinder kümmert.

Waisenkinder in Blechhütten

Dazu betreibt der Verein in der Hauptstadt Windhoek ein Heim für Schulkinder und weit außerhalb in der Wildnis eine Kinderfarm. Mit bescheidenen Mitteln auf Spendenbasis soll Kindern Schulbildung als Grundlage für ein würdiges Leben vermittelt werden.

Das ist dort nicht selbstverständlich. "Die Verhältnisse sind nach unseren Maßstäben unbeschreiblich", schildert Löber die Lage auf der Kinderfarm. Die Kinder schlafen in Blechhütten, teils nicht einmal in Betten. Die Betreuerinnen und Betreuer kochen auf offenem Feuer. Strom gibt es aus einem Aggregat, aber nur so lange Diesel da ist.

Bis zum Oktober mussten die Bewohner sogar ohne sanitäre Anlagen auskommen. Um dies zu ändern, organisierte Löber einen Betriebsausflug der besonderen Art. Der Zweck des Firmenchefs: Seinen Mitarbeitern die Reize Afrikas näherzubringen und gleichzeitig ohne Klischees ihr Faible für Land und Leute zu wecken und sie für das Helfen zu begeistern.

Dafür schlüpfte Löber in die Rolle des Reiseleiters. Er organisierte eine 14-tägige Rundreise über 3500 Kilometer quer durch einsame Landschaften abseits ausgetretener Tourismus-Pfade. Über Stock und Stein ging es auch zu der Kinderfarm 400 Kilometer außerhalb von Windhoek. "Unterwegs dorthin hatten wir vier platte Reifen", beschreibt Tochter Jana Löber die Reisestrapazen.

Eingeplant war mit dem Abstecher ein dreitägiger Arbeitsaufenthalt zur Errichtung eines Sanitärhäuschens. Dieser Einsatz halbierte sich zeitlich wegen ungeplanter Reiseverzögerungen. Die geleistete Zeit rechnete Löber nicht als Urlaub und zahlte seinen Mitarbeitern den gewohnten Lohn weiter.

Mit unterwegs waren Margit, Björn und Harald Rehwald, Bernd Weigand sowie als Geschäftspartner Thorsten Heimüller, Dieter Schaub und deren Partner. Bereits zuvor hatte Löber unter seinen Geschäftspartnern einen fünfstelligen Geldbetrag gesammelt, um die Arbeit des Trägervereins zu unterstützen. Die Unterstützung in Afrika möchte Löber fortsetzen. Denkbar sei eine ähnliche Reise in zwei Jahren. Es liege ihm am Herzen, die Küche der Kinderfarm zu modernisieren. Außerdem soll das Sanitärhaus an einen Brunnen angeschlossen werden. Bislang wird das Wasser noch aufwändig mit einem Tankwagen herbeigeschafft.

Auch die Eröffnung seines neuen Firmengeländes in der Schlimpfhofer Straße im kommenden Frühjahr mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern will der Unternehmer in den Dienst der guten Sache stellen. Der Erlös aus der Bewirtung soll dem Verein Children's Home zugute kommen. Zudem soll bei ihm in Oberthulba die Jahresversammlung der Organisation stattfinden.