Johannes R. Köhler war Geschäftsmann, interessierter Stadtrat und engagiert in vielen Vereinen. Und er hatte Promi-Faktor - nicht nur weil er Musik komponierte und zahlreiche Tonträger verkaufte, sondern weil er sich, - was nicht alle wussten - auch sozial engagierte. Der gebürtige Garitzer, der mit seiner "Musik zum Streicheln" über Jahrzehnte Erfolge feierte, ist nun relativ kurz vor seinem 89. Geburtstag gestorben.

Köhler war aus mehrerlei Gründen eine schillernde Persönlichkeit: Vom Teppichhändler brachte er es zum staatlich geprüften Musikschullehrer. 35 Jahre lang ließ er vor seinem Musikgeschäft in der Fußgängerzone über Lautsprecher seine eigene Musik erklingen - die zugegebenermaßen nicht immer jeden Geschmack traf - und zeitigte damit gewaltige Verkaufserfolge.

Mehrere Auftritte im Rundfunk

Vielleicht faszinierte er die Menschen auch gerade weil er sich, trotz gelegentlicher Kritik an seinem musikalischen Streichelkurs, nicht beirren ließ und mit seinen musikalischen Arrangements sogar eine gewisse mediale Berühmtheit erlangte. Nicht nur Teddy Parker und Dieter Thomas Heck gehörten im Laufe seines musikalischen Lebens zu Weggefährten aus dem deutschen Showbusiness. Köhler war auch immer mal im Rundfunk Gast bei Elmar Gunsch oder Max Schautzer.

Gerne erzählte Köhler auch von jenem "sensationellen Erfolg", den er einmal in der Sendung "Kiel Royal" im Norddeutschen Rundfunk verbucht hatte: "Während einer Sendung mit mir brach das gesamte Telefonnetz des Senders zusammen, so groß war die Begeisterung."

Großen Respekt dürfte ihm später zudem eingebracht haben, dass er im Alter von 81 Jahren noch an der TU Chemnitz promovierte und sich fortan Doctor rerum politicarum (Doktor der Staatswissenschaften) nennen konnte, nachdem er die "Rolle der Musik in der Wirtschaft" ausführlich in seiner Doktorarbeit dargelegt hatte.

Erst die Arbeit, dann die Musik

Johannes R. Köhler wurde 1933 in Bad Kissingen geboren. Im Geschäft der Eltern - Handel, Reparatur und Wäscherei für Orientteppiche - machte er später eine Lehre. Schon früh hatte er Musik gemacht, beherrschte das Akkordeon-Spiel und war mit 14 Jahren mehrfach öffentlich aufgetreten. Mit 18 Jahren ging er nach Frankfurt und arbeitete dort in einem Teppichgeschäft. Abends machte er mit einem Freund nebenbei Musik.

Doch dann stand 1955 die Rückkehr nach Bad Kissingen an, denn sein Vater starb im Alter von 47 Jahren und er sollte das Geschäft weiterführen, wie er einmal erzählte. Dieses bestand bis zum Jahr 1991, dann eröffnete Köhler in der Innenstadt ein Musikgeschäft.

Mit den Münchner Symphonikern

Leicht sei es ihm damals in den 1950ern nicht gefallen, die Musik zurückzustellen und ins elterliche Geschäft einzusteigen. Aber die Nachkriegsjahre hätten noch in ihm nachgewirkt, sagte er einmal im Interview. Musik zu machen, das habe damals noch als brotlose Kunst gegolten.

Mit 38 Jahren gab er schließlich doch noch seiner musikalischen Leidenschaft nach und absolvierte am Konservatorium in Würzburg ein Musikstudium, das er 1977 als Musikschullehrer abschloss. Bald darauf begann er Lieder zu komponieren und es entstand die "Musik zum Streicheln". Erste Erfolge stellten sich ein. Schon seine erste Langspielplatte spielte Köhler mit den Münchner Symphonikern in den Bavaria Studios ein. Später war das Münchner Orchester auch öfter in Bad Kissingen zu Gast und spielte seine Musik - mit ihm selbst am Dirigentenpult.

In den 1990er Jahren sei das Geschäft mit den Tonträgern sehr gut gelaufen, wie Köhler zu erzählen pflegte, wenn man ihn zu seinem Werdegang fragte. An "guten Samstagen" habe er "mehr als 100 CDs" verkauft. 2008 erzählte er einmal, dass während der zurückliegenden 25 Jahre von seinen bis dato erschienenen 13 CDs weit über eine Million verkauft worden seien - und das größtenteils im Eigenvertrieb. Erst 2013 hatte Köhler mit einer Hamburger Firma einen Vertriebsvertrag abgeschlossen.

Einen Teil der Einnahmen aus diesen Tonträgerprojekten spendete Köhler für soziale Zwecke: 2008 sprach er von insgesamt rund 750.000 Euro, die unter anderem an Karlheinz Böhms Stiftung "Menschen für Menschen", an Unicef, an die Herzstiftung oder an SOS-Kinderdörfer gegangen waren.

Man sagte Köhlers Streichelmusik sogar eine heilende Wirkung nach. Dr. Antje-Schäffer-Kühnemann lud Köhler zum Beispiel einmal in ihre Sendung ein und bezeichnete seine Musik als "klingende Medizin". Zweimal war der Bad Kissinger Komponist in Prag an der Karl-Universität zu Gast, um einen Vortrag über die Wirkung seiner Musik bei Tinnitus und Schlafstörungen zu halten.

Apropos Schlaf: Es gab auch Leute, die Köhlers Streichelmusik allzu beruhigend, ja fast einschläfernd fanden. Für solche Kritiker hatte Köhler einen Standard-Satz parat: "Ich bin der einzige Komponist, der nicht beleidigt ist, wenn die Zuhörer bei seiner Musik einschlafen." Isolde Krapf