Auf den neuesten Stand zur regionalen Coronapolitik brachten Vertreter des Landratsamtes die Bürgermeister bei einer Dienstbesprechung in der Musikakademie Hammelburg. Gleich zu Beginn gab es eine gute Nachricht: Ein Sonderimpftermin im Kreis-Impfzentrum am Mittwochabend war auf rege Nachfrage gestoßen. Fast alle der 200 Impfdosen fanden Anwendung. "Das ist sehr gut gelaufen", informierte Landrat Thomas Bold. Er appellierte an die Chefs der Rathäuser, auf allen Ebenen die Werbetrommel für die Immunisierung zu rühren.

Eine längere Diskussion entspann sich um die Beschaffung von Luftfilter-Geräten für die Schulen. Der Freistaat fördert die Anschaffung mit 50 Prozent. Landrat Bold sprach sich eindringlich dafür aus, dass sich neben dem Landkreis auch die Kommunen für ihre Schulen mit dem Thema auseinander setzen.

Präsenzunterricht auf der Kippe?

Es könne passieren, dass bei steigenden Inzidenzen der Präsenzunterricht nach den Ferien von der Existenz solcher Luftfilteranlagen abhängig gemacht werde. Es handelt sich um Filteranlagen, die die Luft umwälzen, aber keine frische Raumluft zuführen. Diese Anlagen sind von der Wirkung her umstritten. Alleine auf den Landkreis kommt die Beschaffung von Geräten im mittlerer dreistelliger Zahl zu, zeigte Bold auf. "Es ist ein Unding, dass der Freistaat uns hier den Schwarzen Peter zuschiebt", monierte Bürgermeister Jochen Vogel (Bad Brückenau). Es sollten Geräte angeschafft werden, deren Wirkung gar nicht getestet sei. Möglicherweise würden die Geräte nicht eingeschaltet, wenn sie zu laut seien.

Zweiter Bürgermeister Anton Schick (Bad Kissingen) warb für eine gemeinsame Beschaffungsaktion von Landkreis und allen Kommunen, um keinen Wettbewerb untereinander auszulösen. Der Stadtrat von Hammelburg habe sich schon zweimal mit dem Thema befasst, und sei zu keiner optimalen Lösung gekommen, so Bürgermeister Armin Warmuth. "Wir bekommen hier etwas aufgedrückt", kritisierte er das Vorgehen der Staatsregierung.

"Umstände ohne Ende"

Zweifel daran, dass alle Schulen bis zum Schulbeginn nach den Ferien mit Filteranlagen ausgestattet werden können, äußerte Bürgermeister Matthias Klement (Maßbach). Er ist mit seiner Gemeinde schon einen Schritt weiter. Aber: "Die Beschaffung von 40 Geräten brachte uns Umstände ohne Ende". Alleine schon von der Lieferbarkeit her.

Ein zentrales Vorgehen zog Bürgermeister Nico Rogge (Oerlenbach) in Zweifel. Zumal es auch ein Bundesförderprogramm mit 80 Prozent Zuschuss für fest installierte Anlagen gebe.

Schließlich kamen auch Zweifel auf, ob bis zum Schuljahresbeginn überhaupt genügend Filteranlagen auf dem Markt zu haben sein werden. Starken Druck von den Eltern sieht Bürgermeister Thomas Hack (Aura) auf die Kommunen zukommen, falls die unerprobten Anlagen Bedingung für den Präsenzunterricht werden.

Gotthard Schlereth, Kreisvorsitzender des Bayerischen Gemeindetages, warnte: "In vier Jahren brauchen wir dann Platz auf den Wertstoffhöfen", sieht er ein kommendes Entsorgungsproblem. Schlereth rät dazu, die technischen Möglichkeiten nicht von den Fortschritten beim Impfen zu entkoppeln.

Thema auch in nächster Sitzung

"Am Ende muss es wohl jede Gemeinde selbst entscheiden", bilanzierte Thomas Bold die Debatte. Um weitere Grundlagen für alle Beteiligten zu bekommen und gemeinsame Lösungen zu prüfen, wird sich der Kreistag wohl in seiner kommenden Sitzung noch einmal mit dem Thema befassen. Dazu werde möglicherweise ein Fachbüro hinzugezogen.

"Schwierig" für Veranstalter

Im Zuge der Lockerungen wegen zuletzt gesunkener Inzidenzen brachte Johannes Büttner auch die von der Staatsregierung verkündete Erlaubnis von Volksfesten zur Sprache. Unter strengen Auflagen und mit Einzelfallprüfung Bis zu 1500 Teilnehmer seien erlaubt. "Für Veranstalter wird das aber schwierig", räumte Büttner ein. Durchgeführt werden dürfen die Feste nur bei einer Inzidenz im einstelligen Bereich mit strengem Hygienekonzept. Wolfgang Dünnebier