Der Angeklagte sei aus "sozialer Not" zum Straftäter geworden. So sagte es im Schöffengericht in Schweinfurt sein Verteidiger, und so hatte es in anderen Verfahren auch schon der in wenigen Tagen 49-Jährige formuliert. Die Masche ist immer die gleiche: Einbruch in Gebäude. Abgesehen hat er es nur auf Bargeld.
Der Grund für seine Einbruchs- und Diebestouren ist die schwere Erkrankung seiner Frau.
Sie ist vor Jahren an einem Lymph-Ödem erkrankt, deshalb berufsunfähig. Sein Gehalt von zuletzt 1200 Euro habe für die Miete, den Lebensunterhalt (ein Kind) und vor allem die Medikamente für die Frau nicht mehr ausgereicht. Der Schuldenberg wuchs auf rund 40 000 Euro an.


Geld für kranke Frau gebraucht

"Ich habe Geld gebraucht", antwortete er beim letzten Prozess im Januar auf die Frage nach dem Grund. "Leider", fügte er an. Dieses Mal ließ er das so ähnlich seinen Anwalt sagen.
Los ging es 2013. Unterwegs ist der in Schweinfurt lebende Angeklagte im Raum Bad Kissingen. Vom dortigen Amtsgericht wird er wegen acht gleichgelagerter Einbrüche zu zwei Jahren auf Bewährung verurteilt. Er macht aber trotz Ankündigung, ab sofort aufzuhören, weiter.
Im Januar 2016 muss er sich wegen weiterer zwölf Fälle verantworten. Angeklagt ist vor dem Schöffengericht jetzt besonders schwerer Diebstahl. Wie zuvor in Bad Kissingen räumt er die ein Dutzend Einbrüche und Diebstähle in Stadt und Landkreis Schweinfurt ohne Ausflüchte ein. Im Gegensatz zur ersten Diebestour im Nachbarlandkreis, bei der er auch leerstehende Wohnhäuser heimgesucht hatte, stieg er nur nachts in Werkstätten und Firmen ein, um niemanden in irgendeiner Form zu gefährden.


Hoher Sachschaden

Immer verschaffte sich der 48-Jährige aber recht rabiat Zutritt: Er warf Steine ins Fenster, brach Türen mit Stemmeisen auf oder drückte Plexiglasscheiben ein. Innen knackte er rigoros weitere Türen, durchwühlte Schubladen und Schränke nach Bargeld. Bei der letzten großen Diebestour waren 300 Euro der größte Erfolg. Vergleichsweise hoch demgegenüber die Schäden mit 15 000 Euro.


Keine Bewährung mehr

Eine nochmalige Bewährungsstrafe war natürlich nicht mehr möglich. Die Anklägerin hatte fast vier Jahre gefordert, sein Verteidiger dreieinhalb Jahre. Das Gericht verurteilte den 48-Jährigen zu drei Jahren und neun Monaten. Man lastete ihm zusätzlich an, dass er zu den Tatorten mit dem Auto fuhr. Schon 2003 war ihm allerdings die Fahrerlaubnis entzogen worden. Er fuhr aber weiter Auto. Um einen neuen Führerschein hatte er sich nie bemüht.
Nun der aktuelle Prozess: Angeklagt ist ein Einbruch in ein Gebäude im Maintal. 150 Euro hat der 48-Jährige gefunden. Bis er sich allerdings Zutritt verschafft hatte, gingen zahlreiche Türen zu Bruch. Auf stolze 5900 Euro belief sich der Sachschaden. Dieser eine Fall sei nur "ein kleines Schnitzelchen in der Serie", sagte sein Anwalt und regte eine Einstellung an.


Tat fällt kaum mehr ins Gewicht

Sein Mandant habe für diese eine Tat allenfalls mit weiteren drei Monaten zu rechnen. Des Rechtsanwalts Angebot: Bei einer Verfahrenseinstellung werde sein Mandant seine Berufung gegen die drei Jahre und neun Monate sofort zurücknehmen.
Damit waren Staatsanwalt und Gericht einverstanden. Der Angeklagte sitzt seit Herbst 2015 ein. Bei guter Führung kommt er 2017 wieder auf freien Fuß. "Das Ganze tut ihm leid, aber es ist halt passiert", ließ er seinen Anwalt sagen. hh