Auf der Überfahrt zwischen Libyen und Italien kenterte das Boot und sie trieb mit ihrem Vater Khaled stundenlang im Meer, sagt Sara Khamis. Selbst jetzt, wo die Zehnjährige sich in Bad Bocklet sicher weiß, verfolgen sie Albträume - von niedergehenden Bomben, von bewaffneten Kriegern und den Toten daheim in Damaskus. Eine Zeit lang schrie sie nachts stundenlang.
Über all das spricht das Mädchen mit den blitzenden braunen Augen offen, erzählt auch, dass
sie damals zunächst nicht mehr laufen konnte, als sie in Deutschland ankam. Und dennoch kann sie dann auch herzhaft lachen, fröhlich kichern und mit ihrem Bruder herumalbern. Denn inzwischen ist auch Mohammad zusammen mit der Mutter hier in Deutschland eingetroffen.
In Bad Bocklet kennt man das syrische Mädchen, das überall Menschen freundlich anspricht und auch mal neugierig an einer Haustüre klingelt, bereits recht gut. Für Sara ist diese Herangehensweise die natürlichste Sache der Welt. So komme man eben mit den Menschen in Kontakt, erklärt sie naseweis. Kein Wunder also, dass die Zehnjährige inzwischen fließend Deutsch spricht. Sie besuchte bereits ein paar Monate die Schule in Bad Bocklet. "Da hatte ich eben gute Deutschbücher und eine Lieblingslehrerin", sagt sie. "Und auch meine Freundinnen haben mich immer verbessert und mir geholfen."
Wegen ihrer guten Deutschkenntnisse ist Sara inzwischen auch schon mal in den Flüchtlingsheimen in Bad Bocklet gefragt, wenn es darum geht, etwas für die Behörden zu dolmetschen oder in Gesprächen zwischen Deutschen und Syrern entstandene Missverständnisse aufzulösen. Dass sie hier Freundinnen hat und ihre Lehrerinnen sie mögen, ist für sie ein Glück. Auch die deutschen Polizisten sind "in Ordnung", findet sie, weil die Ordnungshüter hier freundlich seien und zum Schutz der Menschen handelten.


Berufswunsch Lehrerin oder Ärztin

Was ihr in Bad Bocklet am besten gefällt? "Das ist Brigitte", sagt Sara spontan und strahlt die Bad Bockleterin neben ihr an. Brigitte Junge bemühte sich nämlich von Anfang an intensiv um die Familie Khamis und unterstützt sie bis heute, wo es nur geht. "Brigitte ist wie meine Mama, sie kennt alles von mir", sagt Sara. Was sie später mal werden will, weiß die Zehnjährige bereits genau: "Lehrerin in der Koranschule oder Ärztin." Denn schließlich möchte sie wieder zurück in die Heimat, "wenn der Krieg dort vorbei ist".
Während Sara sich im Ort inzwischen sehr gut integriert hat, tut sich ihr Vater Khaled hingegen noch schwer. "Es ist nicht leicht für mich Kontakt zu finden", übersetzt Sara aus dem Arabischen. "Er kann nicht viel Deutsch reden, aber er versteht schon sehr viel", fügt sie wohlmeinend hinzu. Der Anfang ist also gemacht. Jetzt müsste es nur in Bad Bocklet noch jemanden geben, der einen Deutschkurs hält, sagt der Vater. Er weiß, dass der Bad Bockleter Helferkreis händeringend nach einem Deutschlehrer sucht. Seiner Ansicht nach ist Sprache sehr wichtig, damit Integration gelingt. Isolde Krapf