Blitzblank gewienert stehen die 15 neuen Flitzer in der Boxengasse. Erst im April kam die neue Flotte im Kartcenter Oberwerrn an. 13 PS haben die Karts, deutlich mehr als die alten - doch auf die Piste kam die stattliche Leistung bislang nicht: Seit 18. März ist der Betrieb wegen der Corona-Krise geschlossen. Und während die meisten Branchen wieder geöffnet haben, fehlt dem "inAction"-Freizeitpark, dem auch eine LaserTag-Halle angeschlossen ist, grünes Licht vom Ordnungsamt.

Uta Baumann, Pressesprecherin des Landratsamtes Schweinfurt erklärt, auf Anfrage: "Aktuell sind nach § 11 der vierten bayerischen Infektionsschutzmaßnahmeverordnung Freizeiteinrichtungen geschlossen. Der Ministerrat hat allerdings am 26. Mai beschlossen, dass weitere Erleichterungen im Bereich des Sports erfolgen." Betroffen seien demnach nur Indoor-Sportstätten.

Und den Oberwerrnern fehlt ein Vereinsbetrieb. Hier wird Kartsport als Freizeitbeschäftigung angeboten, anders als beispielsweise in der Kart-Motorsport-Arena Gollhofen, die als einer der wenigen bayerischen Betriebe dieser Branche wieder geöffnet ist. "Hinsichtlich der Ausgestaltung muss die konkrete Formulierung der noch ausstehenden Änderung der Infektionsschutzmaßnahmenverordnung abgewartet werden", sagt Baumann zu denkbaren, für Oberwerrn günstigeren Interpretationen.

"Reithallen dürfen aufmachen, wir nicht, da fehlt mir der Sinn für Gerechtigkeit", sagt Emmanuelle Eichelbrönner, leitende Mitarbeiterin des von Thomas und Alexander Hartmann geführten Event-Centers, mit Verweis auf ähnliche Strukturen in den Abläufen. Weil es vielerorts nicht anders aussieht ("ein wildes Durcheinander"), hat sich das Gros der deutschen Kartbahn-Betreiber zu einer Community vernetzt. Und sich vor allem über mögliche Hygiene-Konzepte ausgetauscht.

"Wir könnten Einbahnstraßen-Betrieb einführen, so dass sich kommende und gehende Kunden nicht treffen", so Eichelbrönner. "Im Kart sitzen eh alle alleine." Zudem wollen die Oberwerrner, so es wieder losgeht, die Anzahl der Helme verdoppeln, um diese im Wechsel alle 24 Stunden zu desinfizieren. Die darunter zu tragenden Sturmhauben würden ohnehin nach jeder Fahrt gereinigt und desinfiziert. Auch die Anzahl der Kunden ließe sich reduzieren. Und ein Erklär-Video sei gedreht worden.

Von Aktionismus, wie dem Anschaffen von Hygiene-Schränken, Stationen, an denen sich Fahrer desinfizieren können, will man jedoch absehen. Einige Betreiber hätten dies vorschnell getan, um später vom Ordnungsamt gesagt zu bekommen, dass das unnötig gewesen sei.

5000 Euro futsch - die Community hat gewarnt und zumindest Oberwerrn rechtzeitig erreicht. Allerweil müsse ohnehin jeder Euro doppelt und dreifach kalkuliert werden, die Soforthilfe habe bestenfalls zehn Prozent der laufenden Kosten gedeckt. Die drei Festangestellten seien in Kurzarbeit, die Aushilfen komplett beschäftigungslos. "Um das Minus der letzten zwei Monate aufzuholen, werden wir bis Ende 2021 brauchen", so Eichelbrönner.

Nicht jede ausgefallene Buchung ("wir reden von Firmen-Events mit bis zu 100 Personen") würde wieder neu dazukommen. Das Hauptgeschäft macht das Event-Center mit Firmenveranstaltungen oder Kindergeburtstagen. Diese sind in der Regel ersatzlos ausgefallen. Allenfalls Junggesellenabschiede würden vielleicht nachgeholt, denn viele der dazugehörigen Hochzeiten hätten ja ebenfalls verschoben werden müssen.

Während für die Kartbahn ein Hoffnungsschimmer auf eine Wiedereröffnung in der nächsten Woche besteht, sieht es düster aus für die LaserTag-Halle. Da dieses "Kampfspiel" mit Lasergewehren in der Regel von Firmen oder anderen Großgruppen von bis zu 20 Personen gespielt wird, im Dunkeln stattfindet und auf vergleichsweise engem Raum, steht die Aufnahme dieses Betriebs in den Sternen.

Auch deshalb wurde in der Community beschlossen, eine Senkung der Mehrwertsteuer, ähnlich dem Gastro-Gewerbe, auf sieben Prozent zu beantragen - ohne Erfolg.

"Wir sind die klassische Nischenbranche und fallen in der großen Politik hinten runter", versucht Eichelbrönner Verständnis aufzubringen, dass nicht an jede Facette gedacht werden könne. Sie sagt aber auch: "Die Politik will offenbar nicht, dass sich auf einmal zu viele Menschen zu Freizeit-Aktivitäten versammeln." Michael Bauer