Der erste Auftritt von "Dicker und Bänd" beim Fasching in Wartmannsroth 2020 hätte nicht verheißungsvoller ausfallen können. Doch nach dem ultrakurzen Höhenflug folgte ein langes Stimmungstief. Denn gleich drauf legte Corona das öffentliche Leben lahm. Folglich waren die vorausgegangenen Proben erst einmal für die Katz'.

Doch der Sommer klingt nach Wiedergutmachung: "Unser Terminkalender für Juli und August ist ziemlich voll", freut sich Band-Leader Christoph Reuter. Darunter auch Auftritte vor größerem Publikum, wie neulich beim Feuerwehrjubiläum in Fuchsstadt. Größeres Publikum verspricht in Kürze auch das Plootzfest in Obererthal. Vorgemerkt sind unter anderem auch "Heimspiele" im Westheimer Rasthöfle. Für weitere Auftritte haben sich "Dicker und Bänd" im Kalender den Fasching 2023 schon einmal dick angekreuzt.

Weit gefächert ist das Repertoire der kleinen Truppe. Es reicht von Ohrwürmern aus Rock und Pop und Heavy Metal bis zu beliebten Schlagern zum Mitsingen. "Die Hauptsache handgemacht", begründet Reuter seinen Verzicht auf elektronischen Schnickschnack.

Kennen und schätzen gelernt hat sich das Trio über die Blasmusik. Deswegen wissen die drei auch, wie der Hase in der Szene läuft. Allen voran Christoph Reuter (50). Er spielt eine musikalische Doppelrolle. Er ist Dirigent der Feuerthaler Musikanten und steuert seine Stimme und die Gitarrenklänge zu "Dicker und Bänd" bei.

Am Schlagzeug sorgt Michael Weigand (56) für den Rhythmus des Trios. Seine erste musikalische Heimat sind die Obererthaler Musikanten. Ebenfalls bei den Feuerthalern spielt Udo Holzinger, wenn er nicht gerade bei der "Bänd" den Bass zupft. Das Besondere daran: "Wir haben uns diese Instrumente selbst beigebracht", erzählt Reuter.

Dem Frontmann und seiner kleinen Truppe ist die Musik in die Wiege gelegt. "Ich mache seit Kindheitstagen Musik", erzählt er. Begonnen habe er im Kinderchor, zumal sein Vater sich unter anderem auch als Dirigent der Feuerthaler Musikanten einen Namen in der musikalischen Landschaft gemacht hat.

Doch die Zeiten haben sich geändert, weiß Reuter. "Es gibt keine großen Zeltfeste mehr", bedauert er. Große Sprünge sind mit der Musik als Hobby nicht mehr drin. Das bekommt er auch mit seinem Trio mit. "Gespielt wird meistens für lau oder für den Hut." Seinen Lebensunterhalt verdient der Familienvater als Gärtnermeister im Bauhof der Stadt Hammelburg.

Die Doppelbelastung mit der Blaskapelle und der Stimmungsband nimmt Reuter locker, obwohl sie dreimaliges Proben in der Woche beschert. "Musik ist doch kein Stress", sagt er schmunzelnd. Gleichzeitig hat er ein Kompliment für seine Frau Nancy parat, die sein Engagement mittrage.

Wie soll es weiter musikalisch gehen? Geplant sei es, in den kommenden Jahren die Feste in der Gegend zu bereichern. Nicht ausschließen will Reuter, ein paar eigene Stücke zu schreiben und dann aufzunehmen. "Mal schauen, was so passiert."

An eine personelle Erweiterung der Band ist zunächst einmal nicht gedacht. Wenn mehr Leute mitspielen, falle es schwerer, Probentermine zu finden, gibt Reuter zu bedenken. Nur eine singende Keyboarderin könnte er sich als Verstärkung vorstellen. Mit einer weiblichen Stimme könnte das Repertoire um Klassiker von Janis Joplin oder Tina Turner erweitert werden.

Offen ist die Zukunft des gläsernen Probenraumes im stillgelegten elterlichen Gewächshaus. Egal, mit welche heißen Rythmen sich die Musiker auf ihre Auftritte einstimmen: Bei den prognostizierten Ölpreisen, könnte der Betrieb der Glasarchitektur im Winter unerschwinglich werden. Dann müsste man sich wohl nach einer Alternative umschauen.

Den Namen "Dicker und Bänd" sieht der Chef der Truppe übrigens nicht als Anspielung auf seine Statur. Er spiegle vielmehr den Spitznamen wider, den er seit Jugendjahren im Dorf bekommen hat.Wolfgang Dünnebier