Noch nie war das Politiker-Derbläggn in der Rudi-Erhard-Halle mit so viel Politprominenz gesegnet wie dieses Mal. Die seit Monaten ausverkaufte Kultveranstaltung des Heimatvereins rund um die Fastenpredigt von Bruder Elisäus vom Kreuzberg wollten auch diesmal wieder mehr als 600 Zuhörer live miterleben. Das Publikum sah ein rasantes Rahmenprogramm mit viel Lokalkolorit und einen Fredi Breunig als Fastenprediger in Hochform.
Finanzminister Markus Söder erhielt die Auszeichnung "Franke mit Rückgrat".

Was den Bayern der Nockherberg, ist den Franken die Rudi-Erhard-Halle. Das Publikum freute sich auf eine freche und kritische Fastenpredigt, auf viele Politiker aus ganz Bayern sowie auf Musik aus der Rhön, die ebenfalls die Gesellschaft auf die Schippe nahm. Die Lauertaler Musikanten spielten auf, und Moderator Sven Schröter aus Schweinfurt pickte sich die Ehrengäste am Fließband zu Kurzinterview heraus. Der Bundestagsabgeordnete Klaus Ernst (Linke) musste sich die Frage gefallen lassen, warum er als Linker einen Porsche fährt. Bei Bernd Weiß (CSU) hatte Schröter damit weniger Probleme.

Den musikalisch-kabarettistischen Auftakt machten die "Wilden Schlehen" aus der Rhön, besser bekannt unter dem Namen "Kaufmannsware". Die vier Musikerinnen nahmen das Sehen und Gesehenwerden beim Derbläggn genauer unter die Lupe. Das Trio Spilk machte sich über die Trachtenjanker-freibierprominenz lustig.


Keine Prophezeiungen

Die meisten Blicke in der Rudi-Erhard-Halle waren auf Ehrengast Markus Söder gerichtet. Der Finanzminister wurde erwartungsgemäß mit dem Der-bläggn-Ehrentitel "Franke mit Rückgrat" ausgezeichnet. Nach Michael Glos, Bernd Weiß, Thomas Habermann, Sebastian Remelé, Gerhard Eck, Sabine Dittmar, Klaus Ernst und Dorothee Bär ist Söder der neunte Politiker, der sich das begehrte T-Shirt als Burgläurer "Boach Kloos" überstreifen durfte. Ob das T-Shirt und die Bronzeplakette an den künftigen bayerischen Ministerpräsidenten gingen, dazu wollte sich Söder nicht äußern. "Wir Franken sind einfach feine Menschen. "Schaun mer mal, wie es weitergeht. Ich bin der Markus, und da bin ich dahoam."

Nach der lauwarmen Fastenpredigt von Kabarettistin Luise Kinseher als Mama Bavaria auf dem Nockherberg hielt Fredi Breunig als Franziskanermönch Bruder Elisäus den Politgrößen nur zu gerne den Spiegel vor. Unter anderem, als er den gerade Platz nehmenden Markus Söder als zukünftigen bayerischen Ministerpräsidenten begrüßte. Und dann entgegen aller Erwartungen den verdutzten Justizminister Winfried Bausback ins Visier nahm. Der verkündete jedoch, keine Ambitionen auf den Chefsessel im Landtag zu haben. Genügend Durchsetzungskraft bescheinigte Elisäus aber dem Finanzminister: "Wenn Söder die Titanic gewesen wäre, dann wäre der Eisberg gesunken!"


Neues aus dem Internet

Bad Neustadt als "Bad Kranstadt" war ebenso Thema wie die Brendbrücke, die man so nur bauen kann, wenn man als Stadt Geld im Überfluss hat. Weniger gut kam das Grabfeld weg: "Wenn ein Flüchtling nach Sternberg muss, hätte er auch im Kosovo bleiben können", ätzte Bruder Elisäus. Die neue NES 20 nütze hingegen nur den Burgläurern, betonte er. "Die können dann über die Autobahn ins Krankenhaus fahren."

Die Quellen von Bruder Elisäus haben sich in den letzten zehn Jahren allerdings verändert. Waren es früher die lokalen Heimatzeitungen, so stöbert Bruder Elisäus heute auch gerne bei Facebook nach den spannenden Nachrichten aus Nah und Fern. SPD-Fraktionsvorsitzender Markus Rinderspacher hätte Elisäus für seinen politischen Kampf gegen einen übermächtigen Gegner gerne eine Tapferkeitsmedaille zukommen lassen. Und Facebookerin Dorothee Bär brachte es sogar fertig, ihr blutiges Knie zu posten. Der Wegfall der Volksmusik im Radiosender Bayern 1 kam allerdings nicht gut in der Rudi-Erhard-Halle an.