Wenn fast das ganze Dorf auf den Beinen ist, der Duft von Glühwein, Würstchen und Plätzchen über den Burghof weht und unzählige Leute die Schlossgasse entlangschlendern, dann ist hoch oben in Sinntal im beschaulichen Schwarzenfels Weihnachtsmarkt auf der Burg.

Eine lange und intensive Zeit der Vorbereitung liegt dann hinter der AktivGemeinschaft (AGE) Schwarzenfels und deren Vorsitzendem Thomas Fuß, um am Samstag, 28. November, und am Sonntag, 29.
November, eine solche Veranstaltung auf die Beine zu stellen.


Wer zuerst kommt, mahlt zuerst

"Ab Februar laufen die Vorbereitungen so langsam wieder an", erzählt der 42-jährige Elektromeister, der schon seit dem ersten Weihnachtsmarkt als Helfer dabei ist. "Bei unserer ersten Sitzung ziehen wir ein Resümee und sind stets dankbar für Kritik", betont Fuß. Dann kämen auch die ersten Anfragen des Jahres für die Standplätze. "Im vergangenen Jahr hatte ich die erste schon am Mittwoch nach dem Weihnachtsmarkt", verrät der Schwarzenfelser und lacht. Generell gelte: Wer zuerst kommt, mahlt zuerst. "Bis Ende September sind unsere 72 Stände bei den Marktmeistern Tatjana Ulrich und Georg Röll ausgebucht. Dann können wir nur noch Plätze auf der Warteliste anbieten." Um das Essen kümmern sich nur die Schwarzenfelser Vereine - "es soll ja auch was für das Dorf hängenbleiben".

Bei der Auswahl werde auf eine gesunde Mischung geachtet. Besonders Kunsthandwerker wie Korbflechter, Drechsler, Glasbläser, Töpfer, Holzschnitzer oder Bildhauer seien gern gesehene Gäste. "Man kann ihnen bei ihrem Handwerk zuschauen, also etwas erleben. Das hebt uns ein bisschen von den anderen Märkten ab", ist Fuß stolz.


Nikolaus mit Schlittenhunden

Besonders beliebt sei auch der Besuch des Nikolaus' samt Schlittenhunden - gebucht werden sie rechtzeitig Anfang Oktober. "Dann kümmere ich mich auch um die Pressearbeit, stelle das Programm auf, bestelle Müllcontainer und hole Genehmigung für die Werbung ein", erzählt der AGE-Vorsitzende. Die großen Werbebanner werden im Altkreis Schlüchtern, in Unterfranken bis hin nach Gelnhausen und auch Fulda aufgehängt. Rechtzeitig bestellt werden müsse auch der Glühwein. "Sowohl den roten als auch den weißen Glühwein beziehen wir von Winzern aus der Pfalz und von der Mosel", berichtet Fuß und verrät, dass diese Weine bei einer Blindverkostung bei AGE-Mitgliedern den "normalen" Glühweinen vorgezogen wurden. Ende Oktober ziehen die Schwarzenfelser los und schlagen die vom Revierförster freigegebenen Bäume, die dann den Hof zieren.

"Die große Tanne in der Mitte des Burghofes ist fast immer von Schwarzenfelsern gespendet worden", erzählt Fuß. Eine Woche vorher, also heute, bauen rund 30 Leute die Stände auf, schleppen Festzeltgarnituren in den Marstall, die Marktmeister stimmen den Standplan nochmals ab.


Kaum eine freie Minute

Dann komme der Tag X. "Samstags bin ich schon ab 6.30 Uhr wach. Wenn um 14 Uhr Bürgermeister Carsten Ullrich (SPD) den Markt eröffnet, muss alles fertig sein", sagt der 42-Jährige. "Meist schaffe ich es noch gerade so, mich umzuziehen." Aber auch während des Marktes - bei dem "Mann und Maus" Dienst haben - müsse noch viel erledigt werden. "Ich bin immer einer der letzten, der geht und ziehe sprichwörtlich den Stecker", schmunzelt er.


Durchschnaufen in der Kirche

Am Sonntag seien die Helfer schon wieder gegen 8 Uhr auf der Burg - bis zum Marktbeginn um 11 Uhr müsse alles aufgeräumt und hergerichtet sein. "In den Jahren zuvor mussten wir nochmal Getränke und Essen nachbestellen", verrät Fuß - im vergangenen Jahr wurden 1000 Liter Glühwein getrunken.

Bleibt da auch Zeit zum Durchschnaufen? "Während des Gottesdienstes am Samstag kann ich mal kurz runterfahren, dann geht es wieder weiter", meint Fuß und gesteht, dass er schon lange nicht mehr einfach so mit seinen beiden Kindern über den Markt gelaufen sei. Wenn der Weihnachtsmarkt am Sonntag um 21 Uhr zu Ende gehe, fühlt sich Fuß manchmal, "als wäre ich einen Marathon gelaufen. Wir machen das ja alle ehrenamtlich und neben des Jobs, davor und danach nehme ich mir Urlaub."

Mit dem Abbau der Stände eine Woche nach dem Markt, ist erst mal alles getan. "Vor ein paar Jahren konnten wir die Buden sogar erst im Februar abbauen, weil den ganzen Winter über so viel Schnee lag", erinnert sich Fuß, der sich für den diesjährigen Markt trockenes Wetter wünscht. "Und knackig kalt muss es sein, vielleicht mit ein bisschen Schnee." Julia Kreß