Eindrucksvoll, fast majestätisch schallt es durch die Gemäuer der Musikakademie Hammelburg. Die Klänge der langen, aus Holz gefertigten Hörner erfüllen den ganzen Raum. Fernab der Alpen hat der Nordbayerische Musikbund zu einem Alphorn-Workshop in Unterfranken geladen. "Eine einmalige Sache, sowas zu ermöglichen", findet der Dozent Ralf Denninger, denn 16 Instrumente wurden zur Verfügung gestellt.
Dabei ist es ein ungeschriebenes Gesetz unter den Bläsern, die Hörner nicht zu verleihen: "Nicht nur aus hygienischen Gründen, sondern auch, um die Exklusivität zu wahren."


Mit Körperspannung

Bei 111,1 Dezibel liegt der Weltrekord im Alphornlautblasen. Das ist in etwa die Lautstärke eines Presslufthammers. Die unterschiedlichen Töne entstehen allein durch Körperspannung, Atemtechnik und Mimik - reine Naturtöne. Vier Oktaven sind theoretisch möglich, doch das hält Denninger für ein Optimum. Einem Anfänger traut der Schwabe drei bis fünf Töne zu. Monika Caliebe aus Hof schafft bereits sieben. Sie wollte unbedingt ihr Alphornspiel verbessern und hat sich deshalb angemeldet. Im vorherigen Jahr hat sie das erste Mal an einem der Kurse teilgenommen und sich anschließend ein eigenes Horn zugelegt. "Das ist einfach ein tiefer, satter Klang. Da vibriert der Körper von innen heraus", schwärmt die Krankengymnastin aus Hof.
Zudem suchen viele ältere Blasmusiker nach neuen Herausforderungen, und dazu passt das Alphorn gut, sagt der Geschäftsführer des Nordbayerischen Musikbundes, Andreas Kleinhenz. Kein Wunder also, dass die 23 Kursplätze sofort ausgebucht waren und der Musikbund sogar zwei weitere Termine auf die Beine stellen musste.
Der 26-jährige Stefan Gruber beklagt bereits den ersten Muskelkater im Mundbereich. "Nach 15 bis 20 Minuten Spielen ist erstmal Feierabend", so der Förster aus Lohr (Lkr. Main-Spessart). Gelehrt werden in Hammelburg sowohl moderne Schlager als auch der traditionelle Alphorn-Ruf. Mit dem wurde sich von Alm zu Alm verständigt. "Mir und meinen Viechern geht's gut. Das war quasi das damalige Handy der Alpen", sagt der Kursleiter. lby