Wer das Anforderungsprofil für die Position der künstlerischen Leitung des Kissinger Sommers liest, bekommt schnell den Eindruck, dass die Stadt für ihr Festival nicht nur auf der Bühne Stars sehen möchte. Sondern auch dahinter. Die Erwartungen in der vor wenigen Tagen veröffentlichten Ausschreibung auf der Suche nach einer Nachfolge für Intendant Tilman Schlömp sind hoch. Eine "strategisch denkende, charismatische und kommunikationsstarke Persönlichkeit" soll es sein, "die die bisherige erfolgreiche künstlerische Arbeit" fortführt.

Mitbringen soll die neue Intendantin, der neue Intendant nicht nur "herausragende Expertise im Bereich klassischer Musik", sondern auch "mehrjährige Erfahrung in der Führung eines Festivals, Orchesters oder Konzerthauses (mindestens in zweiter Leitungsebene)". Angesichts der städtischen Finanznöte und anhaltender Diskussionen über das Defizit des Festivals nicht weniger wichtig sind "fundierte Kenntnisse und Erfahrungen in der Budgetierung und Finanzierung von kulturellen Projekten".

Von der im alten Stadtrat noch beschlossenen Aufteilung der Aufgabe auf zwei Personen ist in der Ausschreibung jetzt nichts zu lesen. Die Rede war seinerzeit noch von unterschiedlichen Besetzungen für Dramaturgie und Intendanz. Gemeint war wohl, dass die eine Seite eher fürs Programm sowie die Inhalte und die andere unter anderem fürs Einwerben von Sponsorengeldern sowie Repräsentanz nach außen zuständig sein sollte.

Keine zusätzlichen Kosten

Aus dem Rathaus heißt es zwar, die Ausschreibung stelle in dieser Hinsicht keine Vorentscheidung dar. Die Frage der Aufteilung sei einfach offen gelassen. Möglicherweise hat aber auch eine Rolle gespielt, dass die Stadt beim Kissinger Sommer aufs Geld schauen muss. Die Aufteilung, hieß es im Frühjahr, sollte deshalb keine zusätzlichen Kosten verursachen. Für das Gehalt, das da pro Kopf übrig geblieben wäre, hätte man aber wahrscheinlich nicht genug Charisma gekriegt. Wenn die Stadt ein Zweiergespann als Führung für das Festival installieren würde, ginge sie zudem das Risiko ein, dass dieses Gespann nicht immer in die gleiche Richtung zieht. Vielleicht heißt es deshalb dort, wo die Ausschreibung skizziert, was die Stadt bietet: "Eine Führungsposition mit weitreichendem Gestaltungs- und Handlungsspielraum".

Mehr Besucher mit Strahlkraft

Neben der künstlerischen Voraussetzungen und einem weitreichenden Netzwerk von renommierten Akteuren der internationalen Klassik-Szene soll der künftige Intendant bereit sein, dem Festival auch mehr Besucher mit Strahlkraft zu verschaffen, deren Glanz beim Gang über den roten Teppich dann vielleicht auch auf die Stadt abstrahlt. Wichtig ist dem Rathaus zudem Bereitschaft zur Betreuung von Sponsoren und Förderern sowie "zur Einwerbung von Drittmitteln".

Die Ausschreibung läuft noch bis 20. November. Besetzt werden soll die Position zum 1. Quartal 2021. Das erste von der neuen Intendanz gestaltete Festival wäre dann der Kissinger Sommer 2022.