Noch steht die Spargelsaison am Anfang, noch ist das Wetter zu kühl, sodass das edle Gemüse nur zögerlich wächst. Aber heiß diskutiert unter den Spargelbauern sind der Mindestlohn für Saisonkräfte, das Arbeitszeitgesetz und die damit verbundene Bürokratie. Denn für die Landwirte heißt das: mehr Aufwand, mehr Arbeit, mehr Ärger.


Für Erntehelfer gilt seit Einführung des Mindestlohns laut landwirtschaftlichem Tarifvertrag eine auf vier Jahre befristete Übergangsregelung. 2015 wurden 7,40 Euro pro Stunde gezahlt, heuer sind es 8 Euro, 2017 dann 8,60 Euro und ab November 2017 sind 9,10 Euro.

Höhere Lohnkosten sind das eine. Obwohl es in der Region noch kleinere Strukturen und viele Familienbetriebe gibt und nur wenige der etwa 40 Erzeuger im Landkreis eine große Anzahl an vornehmlich osteuropäischen Erntehelfern beschäftigen.

Das andere ist das Arbeitszeitgesetz. Demnach dürfen auch Saisonkräfte nur maximal 48 Stunden an sechs Tagen in der Woche arbeiten. Weshalb die Anbauer mehr Helfer brauchen.

"Ich habe vier Leute mehr", berichtet Peter Seufert, der in Lindach 20 Hektar Spargel anbaut. 42 Saisonkräfte aus Polen und Rumänien arbeiten heuer bei ihm: "Man muss mehr Anträge stellen und hat mehr Aufwand." Und er muss für mehr Unterkünfte sorgen.

Seinen Spargelhelfern gefällt die Regelung nicht. "Die Leute möchten gerne mehr arbeiten." Denn was sie in den Erntewochen verdienen, davon leben sie das übrige Jahr in ihrer Heimat.


Sozialgedanke wird geringer

Der Leistungsdruck auf die Erntehelfer werde durch das Gesetz erhöht, meint Theo Däxl, Geschäftsführer des Spargelerzeugerverbands Franken. Bisher sei es üblich gewesen, dass ein langjähriger Helfer auch mal Familienangehörige zum Stechen mitbringen konnte. Daxl rät den Landwirten, darauf zu achten, wie leistungsstark sie sind. "Der Sozialgedanke wird geringer."

Ein weiteres Ärgernis ist, dass der Lohn jetzt monatlich ausgezahlt werden muss, und nicht wie bisher am Ende der Saison. Die Osteuropäer hätten in der Regel kein Konto, auf das überwiesen werden könne. Und Bargeld wollten sie nicht wochenlang in ihrer Unterkunft aufbewahren. Däxl: "Das ist einfach bürokratischer Unsinn."

Als weiteres Beispiel für die zunehmende Bürokratie nennt er die neue Regelung, dass Kost und Logis der Arbeiter, die auf dem Hof leben, nicht mehr auf den Lohn angerechnet werden dürfen. Jetzt müssen dafür zwei Verträge mit jedem Helfer abgeschlossen werden: ein Arbeitsvertrag mit dem garantierten Lohn und ein Mietvertrag, aufgrund dessen der Arbeiter seine Miete an den Bauern zahlt.

Dass solche Regelungen den Aufwand in der Buchhaltung erhöhen, bestätigt auch Peter Seufert: "Meine Frau kann nicht mehr in den Verkauf, sie ist nur noch im Büro." Diese Arbeit habe sich wegen des Mindestlohngesetzes verdoppelt, schätzt Däxl. "Die Bürokratie ist das Schlimmste."


Mehrkosten schwer ausgleichbar

Höhere Kosten über höhere Preise wieder hereinzuholen, bewerten die Spargelanbauer unterschiedlich. "Wir müssen schauen, dass wir 30 bis 40 Cent mehr verlangen", meint Gebhard Büttner aus Alitzheim. "Unmöglich", sagt dagegen Margit Götz aus Röthlein. Es komme genug Spargel in die Supermärkte, und für viele Verbraucher sei es kein Thema, wie das Gemüse erzeugt werde.

Dass Regionalität und Qualität vom Kunden überwiegend geschätzt werden, glaubt dagegen Andreas Knaup. Der Markt bestimme den Preis, unterstreicht der Röthleiner. Ob man die Mehrkosten wieder hereinholen könne, werde man erst nach der Saison wissen. Maßgeblich seien die Erträge, sagt Peter Seufert. Aufgrund des vergangenen trockenen Sommers habe sich der Spargel als mehrjährige Pflanze nicht erholt, schon daher rechnet er mit 15 Prozent weniger Ertrag. "Das ist Berufsrisiko." Dass viele Anbauer angesichts immer neuer Hürden übers Aufgeben nachdenken, kann er sich vorstellen. Er selbst hat sich spezialisiert, kann nicht einfach umsteigen und muss zurechtkommen.