Tausende Kilometer pro Jahr spult die Bad Brückenauerin Margit Schmaus für die DKI GmbH (Wuppertal) auf Autobahnen quer durch die Republik ab. Sie berät Krankenhäuser zu Fragen der Wirtschaftlichkeit. Ihre jetzt bevorstehende Reise übertrifft alle bisherigen Eindrücke. Zwei Tage wird die Diplom-Betriebswirtin im Flugzeug und im Bus unterwegs sein.
Ihr Ziel: Chwele in Kenia.


Klinik in schwierigem Umfeld

In der 4000-Seelen-Gemeinde kämpft das Open Hearts-Hospital ums wirtschaftliche Überleben. Binnen sechs Wochen soll Schmaus der Klinik in schwierigem Umfeld wieder auf die Beine helfen. "Ich weiß noch nicht, was mich dort erwartet", blickt die Expertin gespannt voraus.

Hauptsächlich wird ambulant behandelt, dazu gibt es einzelne Betten für die stationäre Aufnahme. Der Betrieb leidet auch unter gelegentlichen Stromausfällen. Eingefädelt hat das Hilfsprojekt der Senior Expert Service (SES) mit Sitz in Bonn. Bei der Organisation stellen Menschen ihre Berufserfahrung zu Hilfszwecken zur Verfügung. Hier hatte sich die 49-Jährige für einen möglichen Auslandseinsatz listen lassen.


Impfmarathon

Jetzt sind die Flugtickets gekauft, ein Impfmarathon liegt hinter der Beraterin, die sich in diesem Falle für ein kleines Taschengeld engagiert. Nach dem Flug in die Hauptstadt Nairobi am 16. September plant sie mit einem weiteren Inlandflug und einer zehnstündigen Busfahrt über anspruchsvolle Pisten. Beim SES hat sie sich inzwischen über landestypische Besonderheiten informieren lassen.

Mit diesem Basiswissen ist es an ihr, zu erkunden wie es zu der wirtschaftlichen Schieflage des Hospitals kommen konnte. Es sieht nicht gut aus. Offenbar konnten die 30 Mitarbeiter nicht mehr vereinbarungsgemäß bezahlt werden. Etliche sind abgesprungen und Schmaus weiß nicht, wie viele überhaupt noch den Dienst antreten.


Ab 18 nicht mehr auf die Straße

Ziel sei es, möglichst alle Beschäftigten für einen reibungslosen Ablauf wieder an Bord zu bringen. Das auch von Spendengeldern getragene Haus soll kein Sanierungsfall bleiben. Dies sei man schon den Geldgebern schuldig. Möglicherweise kann die Ergänzung um eine Station zu Zahnbehandlung weiter helfen. Bisher gibt es in der Region nur jemanden, der Zähne ziehen kann. Neugierig ist Schmaus auch auf die ganzen Umstände ihres Aufenthaltes. Dass man in Chwele ab 18 Uhr aus Sicherheitsgründen nicht mehr auf die Straße soll, ist wohl nur eine Einschränkung der Entfaltungsmöglichkeiten.

Schmaus sieht es pragmatisch: "Vielleicht gebe ich abends Sprachunterricht", denkt sie über eine sinnvolle Nutzung der Zeit nach. Ehemann Michael Schmaus und Tochter Patrizia (12) stehen voll hinter dem Projekt. Der IT-Spezialist unterstützt das Vorhaben bei Bedarf von daheim mit der Fernwartung der Kommunikationstechnik. Margit Schmaus nimmt die Herausforderung zuversichtlich an. Sollte es unterwegs Probleme mit dem Fortkommen geben, scheut sie sich auch nicht, selbst auf einem Leihmotorrad Gas zu geben. Damit der Patient Klinik wieder auf die Beine kommt. 2017 ist ein zweiter Besuch zur Erfolgskontrolle geplant, der voraussichtlich rund zwei Wochen dauert. Danach will Schmaus ihre Reisetätigkeit eindämmen. Sie denkt über den Antritt einer ortsgebundenen Stelle in Deutschland nach. Wolfgang Dünnebier