Weit und breit ist kein größeres Binnengewässer in Sicht. Da fallen die beiden Anhänger mit stattlichen Motorbooten am Weippertsdrifter Weg in Reith erst recht ins Auge.
Dass sie dort stehen, geht auf eine Geschäftsidee zweier leidenschaftlicher Bootsfahrer zurück. Und das kam so: 2016 haben Geschäftsführer Achilles vom örtlichen Elektronik- und Mobilfunkanbieter kauf-es.de sowie Steuerberater Alexander Böse (Bad Kissingen) den Motorboot-Führerschein gemacht.
Schwieriger als die Prüfung war, die erlernten Steuerkünste ohne Neuanschaffung spontan umzusetzen. "Es fehlt an Ausleihmöglichkeiten in der Region", sagt Achilles.
Boote für die eigene Nutzung haben die beiden Freizeit-Kapitäne inzwischen. Doch dann kam der Ruf im Freundeskreis auf, auch mal damit zu fahren. Den Spaß wollen Achilles und Böse jetzt auf andere Art bieten.


Große Hilfsbereitschaft

"Da haben wir einen eigenen Bootsverleih gegründet", erklärt Achilles. Die Idee mit der Bootsverleih Mainfranken GbR komme gut an. Die Entscheidung zur Anschaffung von zwei Vermietbooten habe der Zusammenhalt unter Freizeitskippern erleichtert. Auf dem Wasser seien alle gut drauf und hilfsbereit.
Die kleine Flotte besteht aus einem Boot mit 15 PS und einem mit 100 PS. Das schwächere darf sogar ohne Bootsführerschein gesteuert werden. Je nach Besetzung mit bis zu sechs Mitfahrern ist es bis zu 25 Kilometer schnell. Führerscheinpflicht besteht für die deutlich spritzigere Variante. Mit bis zu 65 Stundenkilometern kommt es sogar in Gleitfahrt über das Wasser.

So oder so: Verantwortungsbewusstsein sollte immer mit an Bord sein, egal, ob man auf dem Main oder an der kroatischen Küste unterwegs ist. Das Vermieter-Duo legt nach eigenen Worten bei Anfängern Wert auf eine solide Einweisung zum Verhalten auf dem Wasser. Denn zusammen mit großen Schubverbänden kann es schon mal eng auf dem Main werden. "Stahl vor Plastik", geben Achilles und Böse den Mietern als guten Rat mit in die Fahrrinne.
Letztlich geht es neben der Gesundheit um materiellen Wert. Das größere der Boote hat rund 40 000 Euro gekostet, das kleinere 25 000 Euro. Schon das Einsetzen ins Wasser kann zu einer Herausforderung werden. Bei Bedarf übernehmen die Anbieter den Transport ans Wasser. In Lohr verfügen sie auch über einen Liegeplatz.
Ganz billig ist der Spaß aber nicht. Das kleine Boot kostet am ersten Tag 230 und das große Boot 300 Euro. Gestaffelt wird es dann in den Folgetagen günstiger. Über die Anfahrt des Bootes ans Gewässer werde individuell verhandelt. Auf den Nutzer kommen jedenfalls noch die Spritkosten von acht bis zwölf Euro je Fahrstunde dazu.


Wasserschutzpolizei mahnt

Die gelockerte 15-PS-Regelung für das Bootfahren ohne Führerschein bewertet Wolfram Ruppert, der Leiter der Wasserschutzpolizei Würzburg, kritisch. "Ohne Grundwissen würde ich nie auf einem Kanal unterwegs sein. Das ist meine Meinung. Die neue Regelung ist für die Wirtschaft schön, kann aber auf dem Wasser zu einem Problem werden." Ruppert beobachtet immer mehr Freizeitfahrer auf dem Main. Einen Unfall dadurch habe es aber noch nicht gegeben.
Ruppert wirbt für ausführlichere Einführungen von Seiten der Verleiher, die unbedingt auch eine Fahrpraxis beinhalten sollten. Im Alltag geschehe das aber nicht. Eine Alternative dafür bieten Fahrschulen, die mit Vorbereitungskursen für 15-PS-Boote locken. Das ist laut Einschätzung des Wasserschutzpolizei-Leiters allerdings so kostspielig, dass "man sich dann gleich für einen Bootsführerschein entscheiden können."
Die beiden Bootsvermieter in Reith vertrauen auf ihre Erklärungen auf dem Trockenen und die Menschenkenntnis, wem sie das führerscheinfreie Boot anvertrauen können. Die Schar der Bootsmieter in Reith ist bunt. Kindergeburtstage haben die Boote schon erlebt und auch einen Heiratsantrag.
Zur Ergänzung des Angebotes wollen die beiden Vermieter nun noch einen Flyer zu Zielen am Main entwerfen.
Die Zeit auf dem Wasser kann manchen Bootsfahrern gar nicht lange genug sein. Weil es Achilles und Böse genauso geht, engagieren sie sich mittlerweile sogar anderenorts in der Ausbildung junger Bootsfahrer. Sollte das Angebot weiter gut einschlagen, könnten sich die beiden Unternehmer vorstellen, noch zwei Boote anzuschaffen. Zum Hauptberuf soll das aber nicht ausarten. dübi