Mit 39 Stichen soll eine 23-Jährige aus Duisburg am 6. Juli letzten Jahres ihre eigene Mutter in deren Wohnung in Bad Kissingen getötet haben. Dies aber "im Zustand der Schuldunfähigkeit".

Noch nie solche Schreie gehört
6. Juli 2014, 14.20 Uhr: Die Mutter ist mit ihrer Tochter alleine in der Wohnung. Gerade telefoniert sie mit ihrem Ex-Lebensgefährten (48). Wie es ihrer Tochter gehe, fragt dieser. Die war kurz vorher verstärkt psychisch auffällig und einige Wochen in einer Klinik untergebracht gewesen. "Nicht so gut", antwortet die Frau, "da gab's wieder Ärger, ich schicke das Kind nach Duisburg." Dann hört der 48-Jährige sie rufen: "Sie sticht mich ins Bein", gefolgt von Schreien. "Ich habe noch nie einen Menschen so unglaublich schreien gehört", sagt der Zeuge vor dem Schwurgericht. "Dann ein Röcheln, dann war Totenstille."

Der 48-Jährige aus Duisburg ist der einzige Zeuge des Geschehens, "nur" ein Ohrenzeuge. Zur Tatzeit sollen Mutter und Tochter - also das Opfer und die mutmaßliche Täterin - alleine in der Wohnung gewesen sein. Die Staatsanwaltschaft Schweinfurt beschuldigt die 23-Jährige, ihre Mutter während dieses Telefonats mit 39 Messerstichen getötet zu haben. Dazu habe sie ein Messer mit einer 13 Zentimeter langen Klinge aus der Küche geholt. 15 Stiche soll sie ihrer Mutter in Rücken und Schulter zugefügt haben. Das Opfer verblutete kurz darauf am Tatort.

Auf Anraten ihres Verteidigers macht die Beschuldigte keine Angaben zur Tat und ihren persönlichen Verhältnissen. Sie ist auch keinem Strafverfahren ausgesetzt, sondern einem "Sicherungsverfahren". Es geht um ihre Unterbringung in der Psychiatrie. Die Staatsanwaltschaft geht davon aus, dass die junge Frau aufgrund einer psychischen Erkrankung zur Tatzeit schuldunfähig war.

Ihre 45-jährige Tante, die Schwester der Getöteten, spricht von der Diagnose einer paranoiden Schizophrenie, die wenige Wochen zuvor in einer Klinik gestellt worden sei. Noch am Tattag habe sie mit ihrer Schwester telefoniert, die geklagt habe, dass die 23-Jährige aggressiv gegen sie sei.

Der 48-jährige Ex-Freund der Mutter war auf deren Bitte zeitweise als Betreuer ihrer Tochter eingesetzt. Nach dem Klinikaufenthalt sei diese "sehr aggressiv" gegen die eigene Mutter gewesen. "Du bist nicht meine Mutter", habe sie gerufen, oder auch "Du wirst brennen". Der Prozess wird diesen Donnerstag um 8.30 Uhr fortgesetzt.