Jetzt wird die Notbremse gezogen: Ab sofort gibt es ein Betretungsverbot für den Ellertshäuser See. Die am Nordufer gelegene "Seglerbucht" und die Ökobucht am Südufer werden komplett gesperrt. An den restlichen Uferbereichen darf man zwar noch spazieren gehen, nicht aber tiefer ins Seebecken hineinlaufen. Fast zur Hälfte ist dieses schon leer gelaufen.

Am 29. September hatte das Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen, der Betreiber des Stausees, den Schieber geöffnet. Der See muss trockengelegt werden, weil die technische Betriebseinrichtung auf dem Grund saniert werden müssen. Von den 1,7 Millionen Kubikmeter Wasser sind bislang 700.000 Kubikmeter abgeflossen. Bis spätestens Ende November soll das Staubecken leer sein.

Betretungsverbot beim Ellertshäuser See: "Die Leute können die Gefahr nicht richtig einschätzen"

Warum nun diese drastische Maßnahme? "Die Leute können die Gefahr nicht richtig einschätzen", begründet Andreas Kirchner, der am Wasserwirtschaftsamt Bad Kissingen zuständige Abteilungsleiter für den Ellertshäuser See. Denn seit das Wasser auf dem Rückzug ist, kommen rund um den Stausee Schlammbuchten zum Vorschein, die Spaziergänger zum Betreten verleiten.

Am vergangenen Wochenende sei bereits ein Kind im Schlamm stecken geblieben und musste von seiner Mutter gerettet werden. Und je weiter das Wasser abfließt, desto tiefer werden die Schlammbereiche.

"Wenn Gefahr für Leib und Leben besteht, müssen wir etwas tun", sagt Kirchner. Die Marktgemeinde Stadtlauringen, auf deren Gemarkung der Ellertshäuser See liegt, hat nun eine Allgemeinverfügung über ein Betretungsverbot für die Gefahrenbereiche erlassen. Sie ist am Freitag, 22. Oktober, in Kraft getreten. Wer sich nicht daran hält, muss mit einer Strafe rechnen. Denn die Polizei wird das Betretungsverbot überwachen.

"Schatzsucher" sind mit Metalldetektoren im Uferbereich unterwegs

Die neue Anordnung gilt auch für die Schatzsucher, die seit einigen Tagen verstärkt mit ihren Metalldetektoren die trockenfallenden Uferbereiche absuchen. Denn die Schlammbereiche können später bis zu zwei Meter tief werden. Das Wasserwirtschaftsamt wird mit Schildern an den Gefahrenstellen auf das Betretungsverbot hinweisen. Die Anordnung bleibt laut Wasserwirtschaftsamt solange bestehen, bis der Schlamm entwässert und der Seebereich soweit abgetrocknet ist, dass keine Gefahr mehr besteht. "Dann werden wir nachsteuern."

Dann sind auch die Aktionen und Attraktionen denkbar, mit denen Gemeinde und Wasserwirtschaftsamt die wasserlose Zeit am Ellertshäuser See überbrücken wollen. Bürgermeister Friedel Heckenlauer hat eine Schatzsuche für Kinder auf dem Seegrund angeregt und dafür die Anschaffung von Metalldetektoren in Aussicht gestellt. Auch Führungen durch die Anlagen und Bauwerke auf dem Seegrund werden erwägt.

Bis es soweit ist, müssen sich auch professionelle Schatzsucher damit zufriedengeben, dass nur die unmittelbaren Uferbereiche abgesucht werden können. Kirchner appelliert an die Sondengänger, wertlose Fundgegenstände fachgerecht zu entsorgen und nicht in den See zu werfen. Auch weist er darauf hin, dass beim Buddeln nach Schätzen die in den Sand gegrabenen Löcher wieder verschlossen werden müssen. Der Badestrand gleiche im Moment einer Kraterlandschaft und sei so eine Gefahr für Spaziergänger.

Wasserwirtschaftsamt sammelt einige Tausend Teichmuscheln

Auch das Wasserwirtschaftsamt hat seit Öffnung der Schleusen "Schatzsucher" am Ellertshäuser See im Einsatz. Die Frauen und Männer in ihren neongelben Jacken suchen aber nicht nach metallischen Schätzen, sondern nach Schätzen der Natur, nach Teichmuscheln.

Einige Tausend haben sie schon eingesammelt und umgesetzt. Sie beziehen während der Zeit der Sanierungsarbeiten im Hauptsee Zwischenquartier im Vorsee. Jede Muschel wird kartiert und vermessen.

Und es sind Riesenexemplare dabei, mit bis zu 15 Zentimetern Durchmesser. Ein Zeichen für gute Wasserqualität und, dass der Ellertshäuser See für die Teichmuschel eine gute Lebensumgebung ist. "Das hat uns positiv überrascht", freut sich Kirchner.

Warum man mit dem "guten Seewasser" nicht einfach die Umgebung beregnet

Apropos Wasserqualität: Ein Leser hatte kritisiert, dass das "gute Seewasser" einfach über den Abfluss entsorgt wird, anstatt es zur Grundwasseraufstockung auf die Flächen im Umkreis des Sees zu verteilen. "Theoretisch ist das möglich, praktisch aber nicht umsetzbar", sagt Kirchner. Ein Problem sei die fehlende Infrastruktur. Es müssten Leitungen und Pumpen installiert werden, damit die Felder beregnet werden könnten.

Das viel größere Hindernis aber seien die zu beregnenden Flächen selbst. Wollte man das komplette Seewasser von 1,7 Millionen Kubikmeter dort ausbringen, wären die Felder über längere Zeit nicht zu bewirtschaften. Hinzu kommt, dass gerade im Herbst der Boden gut durchfeuchtet ist und das Zeitfenster für das Ablassen des Sees aufgrund der Laichzeit und Abfischung sowie touristischen Nutzung begrenzt ist.

"Deshalb haben wir das nie in Betracht gezogen." Ganz nutzlos fließt das Wasser aber auch nicht davon. Denn "mehr Wasser in unseren Gewässern ist auch gut für unser Ökosystem", betont Kirchner.