Unter dem Punkt Verschiedenes kam Landrat Thomas Bold im Kreistag auf eine schriftliche Anfrage von Tobias Eichelbrönner, dem stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der Grünen/BfU, zu sprechen. Dabei ging´s um die jüngst genannte Kostensteigerung für den geplanten Neubau des Hammelburger Gymnasiums. Ähnlich hohe Kosten befürchtet Eichelbrönner für den Neubau der Realschule, heißt es in dem Schreiben an Bold. Er wollte wissen, wie sich diese Kostenmehrungen in den Folgejahren auf die Kreisumlage auswirken könnten.

Eichelbrönner wollte belegt haben, welche Kosten bislang schon für die Planungen beider Neubauten entstanden sind und was künftig dafür vom Kreis noch zu zahlen wäre - und plädierte dafür, die Kosten für eine Grundsanierung beider Schulen gegenüberzustellen.

"Ich stand dem Projekt Schulcampus von Anfang an skeptisch gegenüber", sagt Eichelbrönner im Gespräch mit dieser Redaktion. Jetzt wo die Kosten für den Bauabschnitt eins noch höher angesiedelt wurden, frage er sich, ob und wie sich dies auf die Leistungsfähigkeit des Kreisetats auswirkt, so Eichelbrönner.

Bekanntlich will der Landkreis auf neun Hektar Fläche in Hammelburg ein Gymnasium mit sechs Ganztagsklassen plus Mensa und Mittagsbetreuung, eine Realschule mit 20 Klassen, eine Förderschule sowie eine Zweifach-Turnhalle mit Außensportanlagen bauen. Derzeit laufen die Vorplanungen für den Bauabschnitt eins.

Auswirkungen auf den Etat

Im April 2021 hatte Landrat Thomas Bold für diesen ersten Bauabschnitt (Gymnasium, Zweifach-Turnhalle, Mensa) ein Kostenvolumen von 45 bis 50 Millionen Euro genannt. Im November korrigierte er diese Zahl nach oben auf rund 60 Millionen Euro und machte dafür auch die dynamische Kostenentwicklung am Bau mitverantwortlich.

Auswirkungen auf den Kreishaushalt hat das Projekt sicher, entgegnete Bold im Kreistag auf Eichelbrönners Anfrage hin. Welche Planungskosten bereits entstanden und welche vom Kreis noch bezahlt werden müssten, sei auf Anhieb nicht definierbar. Bold: "Die Grundsatzfrage ist aber: Wollen wir überhaupt bauen?" Wenn man das mit einem Ja beantworte, habe dies freilich Auswirkungen auf den Etat.

Zum jetzigen Zeitpunkt "hinterher zu planen", hielt er für schwierig. "Da müssten wir einen Architekten neu beauftragen." Bold fragte zudem, was in einem solchen Fall an der Planung in Frage gestellt werden sollte und gab zu bedenken, dass das pädagogische Konzept der drei Einrichtungen womöglich wieder zur Überarbeitung an die Schulen zurückverwiesen werden müsste. "Das kann Jahre dauern."

Als Faktoren für die Kostensteigerung des ersten Bauabschnitts nannte Bold auch die Lüftungsanlagen der Gebäude, die dem Corona-Hygienestandard entsprächen. Zudem würden die Gebäude nach neusten Energie-Standards ausgestattet. Dass die Kosten in die Höhe gingen, sei aber vor allem auch der allgemeinen Kostensteigerung in der Bauwirtschaft zuzuschreiben. Bold will die von Eichelbrönner erbetenen Zahlen zusammenstellen und im nächsten Kulturausschuss diskutieren. "Wir waren verwundert über dieses Schreiben", sagt Geschäftsleiter Jürgen Metz auf Anfrage dieser Redaktion. Denn der Kreistag habe zu diesem Thema stets gemeinsam entschieden. Dass die Kosten für den Bauabschnitt eins jetzt höher angesetzt wurden, habe auch damit zu tun, dass die Gebäude nachhaltig gebaut werden, also nach ökologischen Gesichtspunkten.

Kreis kann sich das leisten

Die Frage, ob sich der Kreis dieses große Schulprojekt leisten kann, ohne die Kommunen über die Kreisumlage zu belasten, beantwortet Metz mit einem Ja. Seiner Schätzung nach werde man mit dem ersten Bauabschnitt vielleicht Ende 2023 beginnen und bis 2026 bauen. Die Kosten seien auf mehrere Etats verteilt. Freilich müssten die Auszahlungen in diesen Jahren über aktuell zur Verfügung stehende Finanzmittel und Kredite finanziert werden.

Wie sich das auf die Kreisumlage niederschlägt, müsse man im jeweiligen Jahresetat bewerten, so Metz weiter. "Es ist nicht von vornherein gesagt, dass die Kreisumlage steigt, wenn wir neu bauen." Die Ausgaben werden den Etat sicher belasten, sagt Metz mit Blick auf mögliche Kredite und darauf, dass staatliche Zuschüsse oft erst später fließen. Der Geschäftsleiter weist aber darauf hin, dass es stets die Möglichkeit gibt, im Etat Kosten umzuschichten. Isolde Krapf