"Wo Schwalben zu Hause sind, da wohnt das Glück." Nach Ansicht von Bernhard Dannhäuser ist das nicht nur ein schlauer Spruch, sondern ein Satz mit viel Wahrheitsgehalt. Ihn erfüllt es nämlich mit Freude, dass er am Dach des Wohnhauses, im Hühnergehege und in seiner Scheune insgesamt elf Schwalbennester zählt. Bei ihm daheim fühlen sich auch zahlreiche Hühner, sieben Hunde und gut 20 Ziegen wohl.
Dannhäuser ist mit Tieren groß geworden, denn seine Eltern hatten früher in Fuchsstadt/Stadtlauringen eine Nebenerwerbslandwirtschaft. Vor acht Jahren zog der 51-Jährige dann nach Rannungen um. Er hatte freundschaftlichen Kontakt zu einer älteren Frau im Ort aufgebaut, die selbst zahlreiche Tiere besaß. "Sie ermutigte mich, mir auch wieder welche anzuschaffen", sagt Dannhäuser. Denn wer Tiere zu Hause hat und sieht, wie diese sich nach der Natur entwickeln, fühlt sich selbst auch frei, so die Meinung der Seniorin.


Schwalben sind gefährdet

Inzwischen hat Dannhäuser für sich und seine Lebensgefährtin ein Haus gekauft, zwei weitere Anwesen sind dazu gepachtet. Denn Tiere brauchen Auslauf. Nach und nach holte er sich die Hunde heim. Aktuell hat er zudem 20 Bunte Deutsche Edelziegen und einen afrikanischen Anglo-Nubier-Ziegenbock im Stall und, je nach Witterung, draußen auf der Wiese. "Je mehr Tiere ich hatte, desto mehr Schwalben bauten ihre Nester bei uns", sagt Dannhäuser und hält dies für keinen Zufall. Für ihn ist das ein Hinweis darauf, dass sich auch Tiere, ebenso wie Menschen, in einer Art Hausgemeinschaft wohlfühlen. Schließlich hat das Zusammenleben früher auf den Bauernhöfen auch so funktioniert.
Auf der Roten Liste der Brutvögel Deutschlands sind die Rauch- und die Mehlschwalbe heute als gefährdet eingestuft. Denn es gibt immer weniger Insekten als Nahrungsgrundlage. Zum andern lassen die Leute Schwalben gar nicht erst an ihren Häusern siedeln, aus Furcht, der Kot der Tiere könnte ihren Putz am Haus bekleckern. Die Mehlschwalbe mit dem blau-schwarzen Gefieder und weißen Bauch nistet nämlich gern an rauen Außenmauern von Gebäuden, unter Dächern und anderen Vorsprüngen, während die Rauchschwalbe - typisch ist der kastanienbraune Gesichtsfleck - sich gern in Kuhställen und Scheunen einen Brutplatz sucht.


Schwalbennest im Hühergehege

Dannhäuser ist richtig stolz, denn bei ihm fühlen sich offensichtlich beide Schwalbenarten pudelwohl. Völlig platt war er vor kurzem, als er sogar ein Schwalbennest im Hühnergehege entdeckte. Die neuen Mieter forderten aber bereits seine Geduld und Toleranz heraus, wie er erzählt.
Denn seit die Vögel dort bauten, ist er gezwungen, die Tür des Hühnergeheges zum Garten auch nachts offen zu lassen. Das birgt Gefahren, denn wie schnell ist ein Marder eingedrungen und beißt ein Huhn tot. Dannhäuser ist leidgeprüft: Zwei Hühner hat er jüngst so verloren. Aber die kleinen Schwalben-Kinder entschädigen ihn dafür, wie er sagt.


Interessante Flug-Show

Wenn die Küken dann etwas größer sind und mit ihrer Schwalben-Mama fliegen üben, pflegt der 51-Jährige sie im Hof von der Treppe aus zu beobachten. "Sie sitzen wie aufgereiht auf dem Dachbalken und dann geht die Flug-Show los, da braucht man keinen Fernseher."
Seit sieben Jahren fühlen sich auch zwei Dutzend Ziegen bei Dannhäuser wohl. Es handelt sich bei seiner Rasse um "reine Milchziegen", wie er sagt. Zum Mästen und Schlachten seien die Tiere nicht so geeignet. Also werden sie Dannhäuser wohl lange begleiten, denn eine Ziege wird bis zu 17 Jahre alt. Der Rannunger weiß aus Züchterkreisen, dass Ziegen sogar noch mit 13 Jahren "zickeln" (Kinder gebären).
Seine neuste Idee: Er möchte die alte Ziegenkutsche, die er im Stall fand, wieder gangbar machen. Denn früher haben die großen starken Ziegenböcke auch die Lasten der Bauern hinter sich hergezogen. "Wenn man so will, war die Ziege früher die Kuh des kleinen Mannes." Kuhmilch verkauften die Bauern anno dazumal teuer an ihre Kundschaft, während sie die Ziegenmilch selbst tranken oder Käse daraus herstellten, weiß Dannhäuser.


Sieben gesunde Kräuter

Heute ist das umgekehrt: Viele Leute meiden Kuhmilch und bevorzugen verträglichere Ziegenmilch. Nach Dannhäusers Philosophie hängt das damit zusammen, dass eine Ziege nicht alles frisst, sondern dass sie sich aus den Futterballen nur ihre "sieben Kräuter" herauszupft. Das ärgert den Rannunger manchmal: "Da sucht man das schönste Grün zusammen und dann wird wählerisch drin rumgestöbert."
Mit den Ziegen ist Dannhäuser öfter der Star der Kinder. "Die kommen hierher und staunen dann, wenn ich über die Ziegen zu erzählen anfange." Ja, und manchmal schaut auch ein Erwachsener neugierig herein. Isolde Krapf