Von außen betrachtet sieht das Haus der Familie Schuhmann im Oberleichtersbacher Ortsteil Modlos nicht ungewöhnlich aus. Erst, wenn man die Kellertreppe hinuntergegangen ist, offenbart sich eine ganz eigene Welt: Wie in einem kleinen Museum steht hier, in Robin Schuhmanns altem Kinderzimmer, Vitrine an Vitrine, vollgepackt mit Sammlerstücken zu seinem großen Idol Michael Jackson.

Dass der 25-Jährige den 2009 verstorbenen "King of Pop" nie live erlebt hat und noch nicht geboren war, als dessen Karriere ihren Höhepunkt erreicht hatte, tut dem Fan-Kult keinen Abbruch.

"Michael Jackson fasziniert mich einfach. Als Entertainer, als Sänger und Songwriter, als Schauspieler und auch als Unterstützer oder Wohltäter, er hat ja fast eine halbe Milliarde Dollar gespendet", sagt Schuhmann. In Kombination mit der angeborenen Sammelleidenschaft, - Vater Reiner hatte sich auf Mini-Lkw spezialisiert - ist daraus eine beeindruckende Sammlung entstanden, die trotz Jacksons Tod vor 13 Jahren nicht kleiner wird. Im Gegenteil: "Es ist so viel auf dem Markt", sagt Schuhmann, "allein das Album 'Thriller' gibt es weltweit ja in etwa 350 verschiedenen Versionen."

Neben zig verschiedenen Tonträgern besitzt Schuhmann unzählige weitere Artikel rund um den Popstar, der laut Guinness-Buch der Rekorde nach wie vor der erfolgreichste Entertainer aller Zeiten ist. "Ich denke, da wird auch niemand mehr rankommen", sagt Schuhmann zwischen Postern, Büchern, Pappaufstellern, Actionfiguren, Autogrammkarten und Co. Die Sammlung habe den Wert eines "Neuwagens, vielleicht sogar Sportwagens", schätzt der Heizungsbauer.

Im Hubschrauber über Neverland-Ranch

Unter all seinen Schätzen hat Schuhmann freilich auch besondere Perlen. Wie eine komplette Kollektion an unveröffentlichten Eintrittskarten, die für Jacksons Show "This Is It" entworfen wurden, jedoch nie zum Einsatz kamen. Kurz vor der Premiere starb der Superstar. "Davon gibt es vielleicht 20 Exemplare weltweit und ich hatte das Glück eine zu ergattern", sagt Schuhmann. Auch Original-Autogramme - "zumindest sehr wahrscheinlich, es ist nicht zu 100 Prozent nachzuprüfen", so Schuhmann - finden sich in seiner Ausstellung.

Mit der Faszination für Jackson hat Schuhmann auch dessen Heimatland, die Vereinigten Staaten, kennen und lieben gelernt: "Ein wunderschönes Land", sagt der Modloser, der die USA erstmals 2011 besuchte und seitdem immer wieder besucht und dabei die Spuren des Künstlers verfolgt: "Ich glaube, rund um Los Angeles habe ich fast alles gesehen", sagt Schuhmann. Auch über Jacksons Neverland-Ranch ist er schon im Hubschrauber geflogen. Um den 29. August, Jacksons Geburtstag, reist er dieses Jahr nach Las Vegas, besucht dort unter anderem die Michael-Jackson-Show "One". Es ist nicht so, dass Schumann tagein, tagaus nur Jacksons Lieder hört.

Auch wenn der musikalische Weg weit ist, gefallen ihm auch die Böhsen Onkelz, Amy Winehouse oder Rapper wie Sido und Kool Savas. Aber: "Michaels Lieder passen einfach heutzutage immer noch überall thematisch rein. Er spricht oft das aus, was alle denken." Als eines seiner Lieblingslieder bezeichnet er "They don't care about us" ("Sie interessieren sich nicht für uns"). Der Song beschäftigt sich mit Ungerechtigkeiten und Vorurteilen und dem Hass, der daraus entsteht. Schuhmann kennt ihn auswendig, wie "so gut wie alle von Michaels Liedern", sagt er.

Dass Jackson auch kritisch gesehen wurde, ist für Schuhmann nichts Neues. Gerade mit dem Vorwurf des Kindesmissbrauchs wurde der Superstar zu Lebzeiten als auch post mortem immer wieder konfrontiert - obwohl er von diesem Vorwurf 2005 vor Gericht freigesprochen wurde.

2019 erschien die Dokumentation "Leaving Neverland", in der zwei heute Erwachsene die Vorwürfe bestärken. "Ich habe mir das nie angeschaut und es interessiert mich auch nicht", sagt Schuhmann dazu. "Für mich sind das Lügen, die Leute wollen Geld und für die Medien ist das ein gefundenes Fressen. Es gibt eine sehr gute Dokumentation, quasi eine Gegendarstellung zu 'Leaving Neverland'. Da spricht so viel für Michael, das ist wirklich der Wahnsinn."

"Man fühlt sich verbunden"

Jacksons riesige Fangemeinde steht bis heute hinter ihrem Idol. Und auch das macht die Faszination für Schuhmann aus: "Man fühlt sich einfach verbunden und das lässt auch nicht nach. Es kommen sogar immer mehr junge Leute nach. 2019 war ich bei einer Show in Fulda, da war gefühlt die Hälfte der Leute jünger als ich", sagt er. Als Michael Jackson am 25. Juni 2009 starb, war Schuhmann zwölf Jahre alt. "Ich hatte ja leider nie die Chance, ihn persönlich zu sehen. Aber es kam mir irgendwie vor, als wäre ein Familienmitglied gestorben."Simon Snaschel