Beim Reiterverein Bad Kissingen ist in den letzten Jahren ziemlich viel zusammengekommen. Zu den ungünstigen Umständen für den Verein zählt nicht nicht nur die allseits bekannte Sperrung des Neuen Reiterstegs durch die Stadt. Die Zahl der Einsteller, also von Pferdefreunden, deren Tiere dort gegen Pensionsgebühr stehen, ging zurück. Die Zahl der freiwilligen Helfer ebenfalls.


Vertrag tritt 1.
Dezember in Kraft

In der Folge war der Verein nicht mehr in der Lage, das Rakoczy-Reitturnier auszurichten, was seine ohnehin nicht gerade rosige wirtschaftliche Lage weiter verschlechterte. Auch einen angestellten Reitlehrer konnte sich der Verein nicht mehr leisten. Jetzt schöpft der Verein wieder Hoffnung. Wie stellvertretende Vorsitzende Heike Jungwirth berichtet, die seit dem Rücktritt des vergangenes Jahr gewählten Vorsitzenden Lothar Lürken den Verein kommissarisch führt, haben sich die Reiter beim Eigentümer Stadt das Einverständnis geholt, den Betrieb der Reitanlage unterzuverpachten. Der Vertrag über diese Pacht mit dem aus Brachbach in Rheinland-Pfalz stammenden Florian Scheurer und der gebürtigen Kissingerin Sophia Booms tritt am 1. Dezember in Kraft.


Hallenboden bereits ausgetauscht

Der 27-Jährige und die 25-Jährige haben schon jetzt einiges an Vorarbeit geleistet. Der Hallenboden ist erneuert worden. Die Banden wurden abgeschliffen, auch sonst, sagt Scheuer, hätten sie die Halle auf Vordermann gebracht. Der Verein ist darüber ziemlich froh. Vor allem der Hallenboden sei ein Problem gewesen, sagt Heike Jungwirth: "Der war alt, und wir hatten kein Geld, ihn auszutauschen."


Kurzfristige Absagen

Eigentlich, berichtet die amtierende Vorsitzende, hatte der Verein bereits vor Scheuer und Booms andere Pächter unter Vertrag. Die sollten am 1. September anfangen, hätten aber am 31. August noch abgesagt. Wie es der Zufall so wollte, erfuhr Sophia damals über ihren Onkel, der im Vereinsvorstand dem Beirat angehört, von der plötzlichen Vakanz und interessierte sich dafür.
Ihre Motivation für den Einstieg beschrieben die neuen Pächter so: Mit neuen Ideen sei es durchaus möglich, den Betrieb wieder zum Laufen zu bringen. "Der Verein ist zwar nicht ausgelastet, er ist aber auch nicht leer", sagt Scheuer. Und Nachfrage sei da. Das spüre man schon, seit sich in der Szene herumgesprochen, dass sich an der Oberen Saline etwas tut.


Bis zu 26 Einsteller möglich

Im Moment gebe es an der Anlage neun Einsteller, berichtet Scheuer. 25 oder 26 könne er sich vorstellen. Das sei aber dann die Obergrenze. Denn die Schulpferde und ihre privaten Pferde müssten "ja auch noch irgendwo stehen". Den Reitunterricht übernimmt Sophia Booms bereits zum 1. November. Dafür wird sie dann auch vom Verein angestellt. Scheuer hat nebenbei auch noch einen Futter- und Einstreuhandel.


Unter der Woche Unterricht

Ein Problem, sagt die gelernte Pferdewirtin mit Schwerpunkt klassische Reitausbildung, die ihre Ausbildung mit Auszeichnung abgeschlossen hat, sei im Moment nur noch, dass sie noch nicht genug Schulpferde habe, um die durchaus bereits vorhandene Nachfrage zu erfüllen. Auch dieses Problem soll sich aber lösen. Für die Zukunft solle jedenfalls während der Woche täglich Unterricht angeboten werden.
Das Wochenende gehöre dann den Einstellern. Auch ein Reitturnier soll es mit den beiden Pächtern im nächsten Jahr auf jeden Fall wieder geben. Und zwar zum gewohnten Termin und unter der gewohnten Bezeichnung Rakoczy-Reitturnier, verspricht Scheuer. Was für ein Turnier das dann sein wird, stehe noch nicht fest.


Internes Reitturnier

Auch ein "internes Vereinsturnier" im März oder im April auf der Anlage des Reitstalls sei geplant. Den Pferdefreunden wollen sich die künftigen Pächter mit einem Kennenlerntag am Samstag, 31. Oktober, vorstellen. Von 14 Uhr bis gegen 18 Uhr ist da auf der Reitanlage an der Oberen Saline Tag der offenen Tür. Siegfried Farkas