2020 wird für den Standort Bad Kissingen ein ziemlich bitteres Jahr. Wie bitter, das lässt sich jetzt schon in Zahlen ausdrücken. Deren erschreckende Wirkung ist aber wahrscheinlich noch gar nicht endgültig. Je nach weiterer Entwicklung ist vermutlich sogar noch Luft nach unten. Was Stadt und Staatsbad GmbH jetzt schon abschätzen können, klingt aber eigentlich schon negativ genug.

Oberbürgermeister Dirk Vogel legte dazu am Mittwoch im Stadtrat öffentlich Daten vor, die im Juli dort nichtöffentlich zumindest zum Teil schon einmal Gegenstand gewesen sein müssen. Der Ernst der Lage wird schon beim Blick auf jene Beträge sichtbar, welche die Stadt beim grundsätzlich in jedem Jahr notwendigen Ausgleich des Defizits der Staatsbad GmbH heuer zusätzlich aufbringen muss.

Wie Vogel erklärte, hat der Stadtrat am 22. Juli nichtöffentlich beschlossen, 590 000 Euro überplanmäßige Ausgaben, welche die Stadt bisher als Darlehen zum Erhalt der Liquidität der Staatsbad GmbH bewilligt hatte, "in einen direkten Verlustzuschuss umzuwandeln". Das heißt wohl, dass man sich mittlerweile keine Hoffnung mehr macht, das Geld irgendwann wiederzusehen. Dazu kommt ein weiterer Verlustzuschuss von 400 000 Euro, der für die Stadt ebenfalls überplanmäßige Aufwendungen darstellt.

Unterm Strich erhöht die Stadt damit ihren im Haushalt angesetzten Verlustzuschuss für die Staatsbad GmbH von den aufgrund ihrer Geschäftsanteile von 53 Prozent üblichen 1,06 Millionen Euro für das Jahr um insgesamt 990 000 Euro auf 2,05 Millionen Euro. Der Freistaat stellt entsprechend seiner Anteile von inzwischen nur noch 47 Prozent, ebenfalls zusätzliches Geld zur Deckung des Defizits der Staatsbad GmbH bereit.

Verweis auf Hilfen

Was die absehbaren Einbußen bei der Gewerbesteuer angeht, kann die Stadt staatliche Hilfen einkalkulieren. In diesem Bereich rechnet das Rathaus für 2020 mit Einbußen von 120 000 Euro. Wenn Freistaat und Bund nicht zu einem Ausgleich von Verlusten in diesem Bereich bereit wären, fiele der Verlust hier sicher höher aus.

Die Gewerbesteuer ist nicht die einzige Einnahmequelle der Stadt, die heuer voraussichtlich geringer sprudelt. Beim städtischen Einkommenssteueranteil, der im Haushalt mit 11,13 Millionen Euro angesetzt ist, rechnet das Rathaus für das ganze Jahr mit 800 000 Euro weniger. Bis jetzt seien hier 5,26 Millionen Euro an Einnahmen realisiert.

Wie unmittelbar die Corona-Pandemie und ihre Folgen den Kur- und Tourismus-Standort Bad Kissingen getroffen haben, lässt sich am ehesten anhand von Zahlen aus dem Kurbereich ermessen. Im ersten Halbjahr 2019, berichtete Vogel da, hätten sich die Kurtaxeinnahmen noch auf 1,835 Millionen Euro summiert. Im ersten Halbjahr 2020 seien nur 0,981 Millionen Euro hereingekommen.

Einbußen bei Übernachtungen

Ganz massiv kommen die Rückgänge für Bad Kissingens wirtschaftlichen Kern auch im Vergleich der Übernachtungszahlen zum Ausdruck. In einem normalen Monat eines normalen Jahres würden 130 000 bis 150 000 Übernachtungen gezählt. Heuer seien es im April 26 000, im Mai 30 000, im Juni 63 000 und im Juli 99 000 gewesen. Im August habe die Staatsbad GmbH bis jetzt 72 000 Übernachtungen registriert. Wenigstens der Anstieg in der jüngeren Vergangenheit gibt etwas Anlass zur Hoffnung.Siegfried Farkas