Vor 40 Jahren begann Siegbert Goll seine berufliche Laufbahn im Landratsamt. Fast 20 Jahre lang war er dort Jugendamtsleiter. Jetzt scheidet der 56-Jährige aus gesundheitlichen Gründen aus dem Dienst aus. Landrat Thomas Bold würdigte am Montag im Jugendhilfe-Ausschuss in der Hammelburger Musikakademie seine Verdienste.

1980 stieg Goll im Landratsamt als Anwärter für den mittleren nichttechnischen Verwaltungsdienst in der Liegenschaftsverwaltung ein (Abschluss 1982). 1988 wechselte er ins Jugendamt. 1993 hatte er die Prüfung zum gehobenen Dienst in der Tasche und übernahm 1994 den Posten des stellvertretenden Jugendamtsleiters. Im Februar 2001 wurde er zum Jugendamtschef bestellt. Von 2002 bis 2004 absolvierte er ein wissenschaftliches Studium an der Fachhochschule Mannheim (Sozialwesen) mit dem Abschluss "Organisationssupervisor". Vor ein paar Jahren stieg er in den höheren Dienst auf.

Engagement und Fachwissen

"Siegbert Goll hat umfassendes Fachwissen über alle Problemstellungen hinweg", sagte Bold im Vorfeld der Sitzung gegenüber dieser Redaktion. Seien es die Angebote der Jugendhilfe, das Kindergartenwesen, die Aufgaben des Allgemeinen Sozialen Dienstes, das Pflegekinderwesen oder die Bereiche der Kommunalen Jugendarbeit - Goll habe all dies "mit großem persönlichem Engagement" begleitet.

"Für ihn ist seine Arbeit nicht Beruf, sondern Berufung gewesen. Er war mit Begeisterung dabei", sagte Bold und nannte als Beispiele die umfangreiche Jugendhilfeplanung, die viel Arbeit bedeutete, oder die langwierige Gründung des Vereins Pro Jugend, in dem Goll Geschäftsführer war. "Er hat die Struktur des Vereins mit aufgebaut und ist in den Kommunen herumgereist, um dafür zu werben." Auch das Thema Kindeswohl sei Goll stets ein Anliegen gewesen.

Größtes Sachgebiet im Amt

Von fachlichen Themen bis hin zu wirtschaftlichen Aufgabenstellungen sei er stets auf dem Laufenden gewesen. "Ihm war keine Arbeit zu viel. Dabei hat er sich bis an die Grenzen seiner Leistungsfähigkeit eingebracht." Denn das Jugendamt ist, laut Bold, inzwischen das größte Sachgebiet im Landratsamts.

Unter anderem habe man auch den Sozialen Dienst in jüngster Zeit erweitert, weil etliche präventive Angebote dazukamen. All das habe der 56-Jährige "mitgetragen und mitbegleitet".

Goll hat eine über 20 Jahre hin gewachsene Struktur im Jugendamt mitentwickelt und mit seinem Wissen bereichert, formulierte Bold. "Das war gut so. Jetzt geht mit seinem Ausscheiden ein Riesenerfahrungs- und Wissensstand verloren." Man werde künftig die Aufgaben im Jugendamt anders verteilen müssen, sagte Bold, weil dieser ganzheitliche Überblick jetzt fehle.

Anerkennend äußern sich im Gespräch mit dieser Redaktion auch Personen, die Goll auf seinem beruflichen Weg trafen. "Siegbert hat in seinem Beruf weit mehr als 100 Prozent gegeben", sagt beispielsweise der frühere Kreisjugendpfleger Karl Englert (Bad Kissingen). Wichtig fand er, dass Goll stets offen für innere und äußere Veränderungen in der Struktur der Kommunalen Jugendarbeit war.

"Ausgezeichnet hat ihn sein unheimlicher Einsatz für alle Belange", sagt der frühere Kreisjugendring-Geschäftsführer und Jugendpfleger Martin Pfeuffer (Münnerstadt). "Er gestaltete überall mit. Man wird ihn schwer ersetzen können."

Mit seiner "zupackenden, engagierten und begeisternden Art" habe er dazu beigetragen, dass das Mehrgenerationenhaus neue Aufgabenbereiche etablieren konnte, sagte Geschäftsführerin Iris Hönig (Bad Kissingen) mit Bezug zu Themen wie der Kindertagespflege oder der Schul- und Familienbegleitung. "Wir werden seine fachliche Zusammenarbeit, seine Unterstützung und vor allem ihn als Person vermissen."

Das "personifizierte Jugendamt"

Karlheinz Friedel (Netzwerk für soziale Dienste, Salz) erlebte den Jugendamtsleiter als "sehr offen und lebendig". Er habe dessen "hohes Maß an fachlicher Wertschätzung" gegenüber seiner Einrichtung geschätzt. Sicher habe man gelegentlich auch mal heftig gestritten, aber später stets einen Konsens gefunden.

"Das Jugendamt hat sich auf seine Initiative hin sehr positiv verändert", sagte Manfred Gerlach (Hausen), der lange Jahre Golls Abteilungsleiter war. Goll habe stets eigene Ideen eingebracht und die Leitung seines Sachgebiets "sehr ernst und professionell" wahrgenommen. "Für viele war er das personifizierte Jugendamt, weil er eben fachlich hervorragend war."

Bayernweit vernetzt

Goll vertrat den Regierungsbezirk Unterfranken zudem in überregionalen Arbeitsgruppen. So war er seit 2011 Mitglied im Bayerischen Landesjugendhilfeausschuss, vertrat den Bayerischen Landkreistag seit 2017 in der Schiedsstelle Jugendhilfe Bayern (Landshut), war mehr als zehn Jahre in der Entgeltkommission Franken der Bayerischen Kommission für Kinder- und Jugendhilfe tätig und wirkte als Mitglied der Steuerungsgruppe der Jugendhilfeberichterstattung in Bayern (JuBB) mit.

"Weil Siegbert sehr gut vernetzt war in Bayern, war er für viele Kollegen ein Ideen- und Ratgeber", sagte der Schweinfurter Jugendamtsleiter Udo Schmitt. "Er hatte ein enormes Wissen und immer ein offenes Ohr. Dennoch hat er auch das kritische Wort nicht gescheut." Er sei bei Tagungen ein beliebter Gesprächspartner gewesen. Dass er nun aus dem Dienst ausscheidet, nähmen alle seine bayerischen Kollegen mit großem Bedauern zur Kenntnis.

In der Sitzung am Montag erhoben sich alle und klatschten, als Bold dem 56-Jährigen die Dankesurkunde überreichte. Peter Beutert sprach in Golls Namen abschließende Worte: Er sei gern in den Ausschuss gekommen, um sich zu verabschieden, ließ Goll wissen, und bedankte sich für das in ihn gesetzte Vertrauen. Isolde Krapf