Von Leerlauf im Impfzentrum im Tattersall möchte die Pressestelle des Landratsamtes auf Nachfrage nicht sprechen. Seit Mitte Dezember steht das Zentrum gewissermaßen mit der Injektionsnadel bei Fuß, um im großen Stil zunächst Heimbewohner und Mitarbeiter auch von Krankenhäusern und Rettungsdiensten zu impfen. Aber aktuell herrscht fast Stillstand.

Bis zu 300 Impfungen täglich wären dort sieben Tage die Woche möglich - wenn es denn ausreichend Impfstoff gäbe. Doch weil der fehlt, fällt die Bilanz ernüchternd aus.

Mobile Impfteams effektiver

Im Impfzentrum sind bis Montag gerade einmal 65 Personen geimpft worden, teilt das Landratsamt mit. Es handelte sich dabei um Personen, die im Rahmen ambulanter Pflegedienste mit Älteren oder Pflegebedürftigen zu tun haben und Mitarbeiter von Rettungsdiensten. Besser kommen im Landkreis die mobilen Impfteams in den Heimen voran. Sie haben bis zum selben Zeitpunkt laut einer Zwischenbilanz rund 860 Menschen behandelt.

Däumchen werden im Impfzentrum auf Abruf offenbar nicht gedreht. Die dafür gedachten Verwaltungskräfte stellt das Landratsamt selbst, die nun eben weiterhin anders beschäftigt sind. "Es wurden keine externen Kräfte eingestellt", erklärt Pressesprecher Burkhard Lamer. Auch würden sich die Kosten dadurch nicht wesentlich erhöhen. Sie zahlt der Freistaat.

Den Preis des zögerlichen Impfstoff-Einkaufes durch den Bund zahlen andere: Nämlich alle Impfwilligen mit der bangen Frage, wann sie an der Reihe sind. Impftermine werden im großen Stil noch gar keine gemacht.

Wer von den knappen Impfdosen durch die mobilen Teams in den Heimen eine bekommt, klärt der Landkreis jeweils mit den Einrichtungen in bilateraler Absprache, stellt Burkhard Lamer außerdem fest.

Immer wieder Terminanfragen

Wie viele Menschen sich bisher nach einem Impftermin erkundigt haben, halte der Landkreis nicht in einer Statistik fest. "Allerdings erreichen uns immer wieder Anfragen", räumt der Pressesprecher ein. Wann es im Impfzentrum richtig losgeht, könne er aus der Sicht des Landratsamtes nicht sagen.

Entsprechend hängt die Behörde auch mit dem weiteren Zeitplan in der Luft.

Eine seriöse Aussage, wann alle Heimbewohner und über 80-Jährigen geimpft sein werden, lasse sich nicht treffen. "Dafür ist die Versorgung noch zu unstet", sagt Burkhard Lamer. Wenn die Versorgung mit Impfstoff gewährleistet ist, werden die Betroffenen angeschrieben.

Schnelltests

Deutlich besser als mit den Impfungen läuft es mit den Schnelltests im Tattersall. 600 dieser Tests haben Ehrenamtliche vom Roten Kreuz und DLRG bisher an Menschen durchgeführt, die Angehörige in Heimen besuchen wollen. Auch an Reiserückkehrer wendet sich dieses Angebot, dass einer Vorgabe des Bayerischen Gesundheitsministeriums entsprang. Dieses Angebot habe bisher voll ausgereicht, die Nachfrage konnte voll bedient werden, sagt Burkhard Lamer. Noch bis zum Freitag, 8. Januar, stehen Ehrenamtliche im Tattersall bereit. Verlängert werden soll das Angebot aber nicht.

Allerdings gibt es auch Unzufriedenheit mit den Vorkehrungen, die sich bisher zumeist auf Heimbewohner fokussieren. Wer seine selbstständig wohnenden Eltern und Großeltern besuchen möchte, geht bei den öffentlichen Tests leer aus.

Scharf bemängelt dies der gebürtige Bad Kissinger Christian Füller, der den Jahreswechsel mit seiner betagten Mutter feierte. Er habe zuvor mehrfach beim Landratsamt einen Test angefragt und sei dann sogar im Tattersall vorstellig geworden. Allerdings sei er dort abgewimmelt worden.

Schnelltest verweigert

Obwohl er dort am Tag vor Silvester auf freie Kapazitäten gestoßen sei, habe man ihm einen Schnelltest verweigert. Bad Kissingen als Stadt der Alten hätte sich mit einer großzügigeren Teststrategie doch ein Beispiel an der Stadt Tübingen nehmen können.

Und wenn seine Mutter aktuell schon keine Impfung bekommen könne, dann zumindest einen Impftermin. Dass die entsprechende Software noch nicht arbeite, könne kein Argument sein. Füllers Vorwürfe gipfeln in einem Brief an Landrat Thomas Bold, in dem er ihm Gesundheitsgefährdung der Bevölkerung vorwirft.

Die Pressestelle des Landratsamtes verweist auf die Vorgaben des Gesundheitsministeriums. Von dort sei festgelegt, wer von den zentralen Schnelltests profitieren kann. Der Landkreis engagiere sich selbst nicht stärker, weil das Ministerium die Tests zweckgebunden zur Verfügung stelle.