Vergeblich hatten die Eigentümer 2021 versucht, die leerstehende Eissporthalle loszuschlagen. Deshalb haben sie nun einen zweiten Anlauf gestartet. Unverändert sind die schillernden Farben, in denen das Gebäude dargeboten wird. Nachdem sich aber im vergangenen Jahr für den aufgerufenen Kaufpreis von 800.000 Euro kein Käufer gefunden hatte, hat sich bei den Preisvorstellungen etwas nach unten bewegt.

Für das "Objekt mit einem großen Potenzial" bot ein Makler vor wenigen Wochen zunächst ein neues Bezahlmodell an. Gefordert wurde nun eine monatliche Pacht in Höhe von 5000 Euro. Zudem wurde eine Beteiligung über Aktien in Spiel gebracht. Inzwischen wird die 1977 erbaute Eishalle für einen Kaufpreis "ab 649.000 Euro" angeboten. Außerdem, und das ist ganz neu, gebe es einen potenziellen Mieter, der bereit sei einen Pachtvertrag über fünf Jahre zu unterschreiben. Mögliche Mieteinnahmen werden in der Verkaufsanzeige auf bis zu 64.000 Euro pro Jahr taxiert.

Bemerkenswert ist der neuerliche Vorstoß auf dem Immobilienmarkt deshalb, weil die Stadt Bad Kissingen seit dem Frühjahr auf den Rückkauf der Immobile klagt. Mit der Verhandlung vor dem Landgericht Schweinfurt wird im Oktober gerechnet. Bad Kissingens Pressesprecher Thomas Hack will das Immobilienangebot in diesem Kontext auf Nachfrage dieser Redaktion nicht bewerten und verweist auf das laufende Verfahren.

Unterhaltskosten sollten gespart werden

Ausgeschlossen erscheint jedenfalls, dass Stadt und Makler bei dem Immobilienangebot als Käufer und Verkäufer zusammenkommen. Denn für 231.500 Euro hatte die Stadt die Halle 2017 zur Haushaltskonsolidierung an einen Investor verkauft. Verbunden allerdings mit der Maßgabe, dass die Eishalle bis 2037 für den öffentlichen Eislaufbetrieb zur Verfügung steht. Mit der Privatisierung wollte sie Unterhaltskosten sparen.

Bekanntermaßen lief das gründlich schief. Es folgte eine Auseinandersetzung mit dem Investor unter anderem um die Pacht für die Kissinger Wölfe samt Umbauten in der Halle, die den Eishockey-Club 2020 ihre Spielstätte und letztlich die Existenz kosteten. Weil die Halle nicht wie abgemacht der Öffentlichkeit zu Verfügung stehe, will die Stadt sie zurück haben.

Wie immer das juristische Tauziehen ausgeht: Das Objekt ist offenbar kaum in dem Zustand, den die aktuelle Immobilienanzeige verheißt. Zwar gibt es in der Region tatsächlich keine Alternative. Die nächsten Eisstadien befinden sich in Schweinfurt, Würzburg, Haßfurt, Lauterbach und Nürnberg. Aber der Makler verspricht über den Eissport hinaus Möglichkeiten, eine Ausweitung des "geschäftsfreien Bereiches", schreibt von einem bereitstehenden Restaurant auf dem insgesamt 5750 Quadratmeter großen Grundstück mit seinen 20 Parkplätze.

Dazu schreibt er von einer bestehenden Baugenehmigung für ein Hotel in der Nachbarschaft. Das wirft viele Fragen auf, zumal es schon lange keine sichtbaren Aktivitäten mehr in dieser Richtung gibt. Ein Beobachter beschreibt das Gebäude als Rohbau, der kaum, wie in der Anzeige versprochen, saniert worden sei.

Auffallend ist auch der vom Makler erweckte Eindruck einer erfolgreichen Einbindung der Halle in das Schul- und Vereinsleben der Region. Es ist sogar von bestehenden Verträgen die Rede. So sei das Eisstadion ein alternativer Standort für regionale Eissportmannschaften. Ins Gespräch gebracht werden neben Hockey auch Eiskunstlauf und Curling.

Wie wieder für Vertrauen sorgen?

Kein Indiz bietet die Annonce dafür, wie schwer es fallen dürfte, dass Eissportlerinnen und -sportler in der Region wieder Vertrauen in einen privaten Eishallenbetreiber fassen. Ganz zu schweigen davon, dass der Zustand der Eisanlage sehr optimistisch dargestellt wird. Es sei notwendig, die "Eishockeybretter" und die laufende Wartung der Kühlsysteme, die traditionell zu Beginn der Hauptsaison erforderlich sind, betriebsbereit zu machen, heißt es in dem Immobilienportal.

Demgegenüber geht ein Insider davon aus, dass das abgelassene Ammoniak nicht ohne größere Reparaturen an der Technik aufgefüllt werden könne. Sollte dies gelingen, bräuchte es zehn Jahre, bis es wieder eine lukrative Eissportszene geben würde, schätzt ein Kenner der Szene. Derweil lasse sich die Halle privatwirtschaftlich kaum erfolgreich betreiben. Zumal eine Verdoppelung der früheren Gaskosten auf über 20.000 Euro im Monat zu erwarten sei. Unter diesem Eindruck ringen viele Eissporthallen in Deutschland um staatliche Förderung. Mit einem privatwirtschaftlichen Konstrukt jedenfalls erscheint so ein Projekt sich kaum mehr betreiben zu lassen.Wolfgang Dünnebier