Mit vielen Eindrücken kam Barbara Büttner aus Fuchsstadt kürzlich von der Frankfurter Buchmesse zurück. Die Heilpraktikerin für Psychotherapie hatte dort über eine Agentur ihre zweites Buch ausgestellt. An dem Stand wollte sie sich selbst ein Bild von der Präsentation machen. "Ich bin Sachbuch-Fan", sagt die 51-Jährige zu ihrem Blickwinkel. Angesichts der Fülle von Literatur auf der Messe sei es gar nicht so einfach, mit einem Buch im Eigenverlag aufzufallen.

Dabei ist ihr das Thema ihres Buches ein Herzensanliegen, erzählt sie. Gerade zu Allerheiligen sei das Thema Familie aktuell, wenn Familienmitglieder mit ihren Gefühlen und Erwartungen aufeinandertreffen. "Viele Lebenskrisen haben mit dem Familienschicksal zu tun", weiß Büttner. Manche Dinge seien in vertrauter Runde nicht einfach anzusprechen.

Gemeinsam eine Ebene finden

So könne es passieren, dass ein Angehöriger tief um einen aus dem Leben geschiedenen trauert, während ein anderer gerade über dessen Tod hinweggekommen ist. Da eine gemeinsame Ebene zu finden, sei nicht einfach.

Zugang zu diesen familiären Herausforderungen schaffen möchte die Autorin in ihrem Buch mit verschiedenen Perspektiven, und lässt dazu zehn Experten und Betroffene zu Wort kommen. Auch aus der eigenen Lebensgeschichte weiß sie, wovon sie schreibt. "Als ich zehn war, ist mein Vater an Parkinson erkrankt", blickt sie zurück. Das habe sie vor eine ganz neue Verantwortung gestellt, während Gleichaltrige ein vermeintlich unbeschwertes Leben führen konnten.

Hindernisse auf dem Weg

Wenn einen so etwas Unvorhergesehenes vom ersehnten "Bilderbuchleben" abhält, taucht nicht selten die Frage auf, wie man ohne Schuldzuweisungen und Verbitterung weiterkommt. Besonders schlimm sei es für Eltern, wenn Kinder unter Krankheit oder Behinderung leiden. "Viele machen, sich dann völlig zu Unrecht Vorwürfe", weiß sie aus eigenen Begegnungen.

Ihr Ziel sei es nicht gewesen, neben den vielen existierenden noch einen Lebensratgeber mehr zu schreiben, sondern gemeinsam mit Betroffenen Wege aufzuzeigen. Für das Buch hat sie unter anderem Dr. Joachim Galuska, den Gründer der Heiligenfeld-Kliniken in Bad Kissingen, auch zu den Auswirkungen von Corona samt leidvoller Auswirkung auf Familien, befragt. Kritisch setzt sich Galuska im Buch mit den trennenden Hygienebestimmungen dieser Zeit und dem Umgang damit auseinander.

Seelische Krankheiten anerkennen

Zu Wort kommt in einem von Büttners Interviews auch Schauspielerin Michaela May, die drei Geschwister durch Suizid verlor. Es sei wichtig, seelische Krankheiten anzuerkennen und darüber zu sprechen, sagt May in dem Buch.

Susanne Hüls, Autorin des Buches "Ein Coach für alle Fälle", erreicht mit ihrem YouTube-Kanal inzwischen mehr als 66.000 Follower. Auch sie stellt sich den Fragen von Babara Büttner. Hüls vertritt die Ansicht, dass Männer, entgegen mancher Ansicht, nicht leichter mit Familienschicksalen umgehen können. Sie würden nur weniger darüber sprechen und das Thema mit Sport, Arbeit oder etwas anderem verdrängen.

Aus starren Bildern ausbrechen

Befragt hat Büttner weitere Psychologen sowie Birgit Fauser, die Deutsche Meisterin über verschiedene Weitlauf-Distanzen. Unterwegs schob Fauser oft, wie bei einem Familien-Ausflug, ihre behinderte Tochter in einem Jogging-Wagen mit. Vor allem die Unsicherheit des Umfeldes habe viele Lebenslagen erschwert, so die Sportlerin. Es sei wichtig, aus starren Bildern, wie etwas zu sein hat, auszubrechen und auf Individualität zu setzen. "Jeder hat seinen eigenen Weg", findet auch Barbara Büttner aus Fuchsstadt. Dabei zeigt sich die gelernte Fremdsprachenkorrespondentin offen für alternative Heilmethoden. Zu Wort kommt unter anderem auch ein Schamane. Zudem zeigt Büttner in ihrem Buch auch unkonventionelle Ansätze in Sachen Energetik und geistiges Heilen auf. Dabei lässt die Autorin sich und manchen Protagonisten auch Raum für Werbung in eigener Sache. Ihr Credo: "Wichtig ist es, sich mit seinen Gedanken nicht zu vergraben, sondern mit anderen Menschen zu sprechen."

Den Mitmach-Gedanken verfolgt Büttner auch mit einer Online-Community, bei der sie sich dem Austausch mit 500 Followern stellt. Ihr nächstes Projekt soll noch ein Buch werden, diesmal mit Reaktionen von Lesern. Ihr aktuelles Buch gibt es in der Buchhandlung Schöningh und unter FamilienSchicksal.de

Autor: Wolfgang Dünnebier