Bereits 2009 hatte der Stadtrat über die Ausweisung großer Fotovoltaik-Standorte diskutiert, war aber dann damit nicht entscheidend weitergekommen. Unter dem Eindruck der aktuellen Energiekrise zeichnet sich nun eine verstärkte Offenheit gegenüber solchen Projekten ab. Der Druck von Projektierungsgesellschaften in Bezug auf die Energiewende vor Ort wachse, erläuterte Philipp Spitzner von der Stadtverwaltung dem Stadtrat. Wöchentlich werde die Stadtverwaltung mit entsprechenden Anfragen konfrontiert. Spitzner sieht gar eine "Goldgräberstimmung".

Breite Akzeptanz sicherstellen

Die Fläche gelte in der Energiewende als höchste Währung, legte Spitzner als Grund dar. Es gelte, bei der Auswahl von Projekten zur Energieerzeugung die Wertschöpfung vor Ort in den Blick zu nehmen und damit gleichzeitig Ökologie und Sozialverträglichkeit. Nur so könne eine breite Akzeptanz durch die Bevölkerung sichergestellt werden.

Heft selbst in der Hand behalten

Um das Heft des Handelns in der Hand zu behalten, will sich die Stadt die Eröffnung der Bauleitplanung für Freiflächenfotovoltaik selber vorbehalten. Von der Stadt gibt es bisher keine solche Planung, und Projektierer hätten von sich aus keinen Anspruch auf Einleitung der erforderlichen Schritte, hieß es im Stadtrat.

Bevor die Verwaltung weiter aktiv wird, will sie nun einen Katalog mit Kriterien erarbeiten, unter denen solche Anlagen im Stadtgebiet verwirklicht werden können. Berücksichtigung könnten darin unter anderem die Sichtbarkeit der Anlagen in der Landschaft, die Bodenqualitäten auf den Standorten, eine mögliche Netzanbindung, aber auch eine mögliche Bürgerbeteiligung sein. Zur Ausarbeitung des Kriterienkatalogs soll nun auf Vorschlag der Verwaltung eine "Arbeitsgruppe Freiflächenfotovoltaik" eingesetzt werden.

Ihr Ziel soll auch die Identifizierung geeigneter Flächen und die Schaffung planerischer Voraussetzungen für die Umsetzung von Anlagen sein. Im weiteren Verfahren wären der Kauf, beziehungsweise die Pacht von Flächen, sowie der Ankauf und die Übernahme der Anlagen durch eine noch zu gründende städtische, beziehungsweise bürgerliche Gesellschaft zu prüfen, erläuterte Spitzner mögliche Schritte.

Zusammensetzung noch offen

Das Gremium soll für alle Stadträte offen sein. Die genaue Zusammensetzung soll sich noch herauskristallisieren. Auch Vertreter aus der Verwaltung und interessierte Bürger könnten eventuell dabei sein. Der Stadtrat sprach sich für eine möglichst rasche Einsetzung der Arbeitsgruppe aus. Wolfgang Dünnebier