Wie ist eigentlich der See in der Dorfmitte von Hohenroth entstanden? Ist das ein natürlicher See oder wurde er von Menschenhand erschaffen? Letzteres schließen Wissenschaftler der Friedrich-Schiller-Universität Jena bei ihren derzeitigen Forschungen rund um den See aus. Der See ist natürlichen Ursprungs und er ist mindestens 8000 Jahre alt.
Damit steht auch fest, dass er im Frühmittelalter zu Pfalzzeiten auf dem Veitsberg von den Menschen genutzt wurde. In dieser Woche sollen Bohrungen im Grund des Sees diesem seine Geheimnisse entlocken.


Zu Zeiten der Karolinger

Mit Seilen sind zwei Pontons in der Mitte des Sees am Ufer fixiert. Auf der Plattform starten Mitarbeiter der Uni Jena einen Bohrer, der sich in das Sediment des Seegrundes hineinarbeitet. Die wissenschaftlichen Untersuchungen gehören in den Gesamtrahmen der Forschungen rund um den Veitsberg und das Neustädter Becken und sollen Aufschluss darüber geben, ob der See zu Zeiten der Karolinger und der Ottonen schon von den Menschen genutzt wurde. Darüber hinaus interessieren sich die Forscher natürlich auch für die Entstehungsgeschichte des Sees, die bislang noch gar nicht endgültig geklärt ist.
Die Mitarbeiter der Universität Jena erregten jede Menge Aufmerksamkeit mit ihrer Bohrplattform inmitten des Sees. Schon im vergangenen Herbst wurden Bohrkerne - damals bei abgelassenem Wasser - entnommen. Doch so richtig aufschlussreiche Ergebnisse brachten diese bei der Auswertung nicht zutage. Deshalb erfolgt nun eine weitere Entnahme von Bohrkernen, um den Geheimnissen des Hohenröther Sees auf die Spur zu kommen. Eine dicke Schicht Schlamm muss der Bohrer zunächst durchdringen, dann geht es durch eine weitere dicke Schicht Torf zu den Sedimenten des Sees. Und dort liegen die Geheimnisse wie in einem Archiv gelagert. Jahrhunderte- und jahrtausendealte Pollen wollen die Wissenschaftler finden, wollen über Kohlenstoffanalysen aus Vegetationsresten das Alter des Sees bestimmen.


Analyse im Labor

"Es klappt gut, wir kommen gut voran", sagt Torsten Haberzettl. Der wissenschaftliche Mitarbeiter am Lehrstuhl für Physische Geografie an der Uni Jena ist ein Spezialist für die Erforschung der Geschichte von Gewässern. Wenn es klappt, soll bis in etwa 15 Metern Tiefe im See gebohrt werden, bei einer derzeitigen Wassertiefe von gerade mal einem Meter. Das Niedrigwasser durch die wenigen Niederschläge im Frühjahr begünstigt die Arbeiten im See.
Die Bohrkerne kommen dann zur Analyse ins Labor der Universität und werden dort in aller Ruhe ausgewertet. Die Wissenschaftler erhoffen sich aufschlussreiche Funde vor allem aus der Zeit des Mittelalters wie auch aus der Entstehungszeit des Sees. Ergebnisse werden allerdings erst in einigen Monaten vorliegen.


Kohlenstoffanalysen

Die mächtige Torfschicht in den Bohrkernen deutet daraufhin, dass der See einst innerhalb eines kleinen Moores lag. Kohlenstoffanalysen aus der Bohrung im Oktober 2016 beweisen, dass der See eine sehr lange Geschichte hat. "Wir können jetzt sicher sein, dass der See sehr alt ist", sagte Petra Wolters aus Bamberg, die sich seit Jahren ausführlich mit der Aufarbeitung der Historie des Veitsberges beschäftigt.
"Das älteste Datum stammt aus dem Mesolithikum (Mittelsteinzeit), dann gibt es ein kaiserzeitliches Datum und auch ein frühmittelalterliches", gibt Petra Wolters bekannt. Somit dürfte feststehen, dass der See in Hohenroth für die Versorgung der Pfalz auf dem Veitsberg genutzt wurde.
Bei den Ausgrabungen am Veitsberg in den vergangenen Jahren wurden immer wieder Gräten von Karpfen gefunden. Die könnten im Hohenröther See gezüchtet worden sein. "Das ist aber alles noch Spekulation", sagt Torsten Haberzettl. "Wir müssen jetzt erst mal die Ergebnisse der Bohrungen aus dem Labor abwarten."