Vor drei Jahren sorgte der Evangelisch-Lutherische Diakonieverein Bad Brückenau und Eckarts für negative Nachrichten. Besser: Sein Ex-Chef. 73 000 Euro hatte er veruntreut; das Amtsgericht Bad Kissingen verurteilte ihn zu einer Bewährungsstrafe. Wie wir bereits in unserer gestrigen Ausgabe berichteten, stehen nun zwei Mitarbeiter unter Verdacht.
Die Machenschaften des Ex-Vorsitzenden waren im März 2013 ans Licht gekommen. Sein Nachfolger Eberhard Schelle hatte sich entschlossen, ihn anzuzeigen und ging damit an die Öffentlichkeit.


Zwei Jahre auf Bewährung

Später wurde bekannt, dass der Ex-Chef die 73 000 Euro in der Zeit von April 2008 bis Juli 2011 veruntreut hatte. Das Amtsgericht Bad Kissingen verurteilte ihn dafür zu zwei Jahren Haft, ausgesetzt auf fünf Jahre Bewährung.
Für den Diakonieverein bedeuteten die Machenschaften das Aus. Zum 30. April 2013 mussten Schelle & Co. Insolvenz anmelden. Das entstandene finanzielle Loch ließ sich aus dem laufenden Betrieb mit nur rund 30 Kunden nicht stopfen. Der Pflegedienst wurde eingestellt.


Von Anfang an mit im Fokus

Von Beginn an standen auch die Pflegedienstleiterin und der Buchhalter im Fokus der Ermittlungen. Allerdings kann Ursula Haderlein, Leitende Oberstaatsanwältin in Schweinfurt, erst jetzt auf Anfrage der Zeitung bestätigen: "Zwischenzeitlich wurde Anklage gegen zwei ehemalige Mitarbeiter der Diakoniestation - kaufmännischer Angestellter und Pflegedienstleitung - zum Amtsgericht/Schöffengericht Bad Kissingen erhoben."
Es gehe dabei um die Abrechnung nicht erbrachter Leistungen in den Jahren 2011 und 2012 von rund 115 000 Euro. Nach den Worten von Amtsgerichtsdirektor Matthias Göbhardt kann es aber bis zur Verhandlung einige Monate dauern. Wenn die Anklage überhaupt zugelassen wird.
"Die Dame (Anmerkung der Redaktion: die Pflegedienstleitung) hat ihren Anwalt gewechselt", erklärt Göbhardt die Lage. Der Jurist habe sich erst in die Materie eingearbeitet; es laufe die Frist zur Stellungnahme.
Der neue Anwalt hat nun also Zeit, neue Aspekte in dem Fall zu finden, die seine Mandantin entlasten könnten. Womöglich lassen sich die Leistungen, die angeblich unberechtigt abgerechnet wurden, doch nachweisen. Oder die Abrechnungen stimmen nicht.


"Sauber ausermittelt"

Matthias Göbhardt glaubt zwar nicht, dass sich am Stand der Dinge etwas Wesentliches ändert. "An sich wurde sauber ausermittelt." Doch er weiß natürlich nicht, was der Vertreter der Beschuldigten ihm mitteile.
Liegt die Stellungnahme vor, muss er sie der Staatsanwaltschaft in Schweinfurt zuleiten. Erst dann könne er entscheiden, ob die Anklage beim Amtsgericht zugelassen wird. Mit einem Verhandlungstermin rechnet der Amtsgerichtsdirektor deswegen "frühestens im Hochsommer".


Drei Jahre danach

Bleibt die Frage, warum gegen die zwei Mitarbeiter erst jetzt, also drei Jahre nach der Verurteilung ihres Ex-Chefs, verhandelt werden soll. Die Ermittlungen gegen verschiedene Personen laufen schon seit Sommer 2012.
Matthias Göbhardt erklärt das damit, dass die Beweislage gehen den Ex-Vorsitzenden 2013 "relativ klar" gewesen sei. Die Pflegeleistungen und Abrechnungen seien erst im Zuge des Insolvenzverfahrens für den Diakonieverein verglichen worden. Dieses Verfahren laufe übrigens immer noch.