Jetzt kommt Bewegung in die Sache: Der Impfstoff von Biontech/Pfizer wurde am 21. Dezember von der Europäischen Arzneimittelagentur (EMA) zugelassen. Im Landkreis Bad Kissingen ist man, wie andernorts auch, für den Impfbeginn gerüstet. Zunächst werden zehn bis elf mobile Teams, die dem Impfzentrum zugeordnet sind, Seniorenheime und Behinderteneinrichtungen besuchen und dort alle impfen, die sich das wünschen. Erst dann sind Bürger in dem vom Landkreis betriebenen Impfzentrum Tattersall an der Reihe. Mit am Start sind, neben den Ärzten der Kassenärztlichen Vereinigung Bayern (KVB) auch Helferinnen und Helfer des BRK-Kreisverbands.

"Seit vergangener Woche haben wir den unterschriebenen Vertrag und damit den Auftrag vom Landkreis, Assistenz-Personal fürs Impfzentrum bereitzustellen", sagt Kreis-Bereitschaftsleiter Alexander Kretz im Gespräch mit dieser Redaktion. Es gab erste Vorstellungsgespräche und es wurden mehrere Personen eingestellt. "Aber vielleicht müssen wir noch nachsteuern."

BRK stellt Assistenz-Personal

Nach Kretz‘ vorsichtiger Schätzung werden wohl insgesamt 20 bis 25 Haupt- und Ehrenamtliche des BRK allein im Impfzentrum mitarbeiten. "Die Dienstpläne zu schreiben, wird eine Herausforderung werden." Die Helfer sind geschult und werden die Impfdosen aufbereiten und die Nachbetreuung übernehmen.

Doch auch für die mobilen Impfteams, die gleich nach Weihnachten in den Seniorenheimen im Landkreis die Runde machen, stellt das Rote Kreuz bei Bedarf unterstützendes Personal bereit. Meist haben die Heime bestimmte Ärzte, die die Senioren betreuen. In vielen Fällen werden diese Allgemeinmediziner nun ihre eigenen Impfteams vor Ort bilden und mit diesen in die Heime gehen, sagt Kretz. Aber vielleicht hat nicht jeder Hausarzt genug ausgebildete Kräfte an seiner Seite. In diesen Fällen stellt das Rote Kreuz, nach Kretz Angaben, Assistenz-Personal zur Verfügung.

Die Ersten auf der Prioritätenliste

Ein mobiles Team besteht aus einem Hausarzt, einer medizinischen Fachangestellten und einer Verwaltungskraft, sagt der technische Leiter des Kreis-Impfzentrums, Matthias Endres, auf Anfrage dieser Redaktion. Eine gewisse Zeit wird wohl ins Land gehen, bis alle geimpft sind, die auf der Prioritätenliste ganz oben stehen. Das sind im Landkreis, nach Endres‘ Angaben, die Bewohner von 25 stationären Seniorenheimen, von fünf ambulant betreuten Wohngemeinschaften und von 13 Behinderten-Einrichtungen, plus Personal.

Die betreuenden Angehörigen der Senioren und Menschen mit Handicap wurden bereits vergangene Woche um die Zustimmung zur Impfung gebeten, sagt Dr. Ralph Brath, ärztlicher Leiter des Kreis-Impfzentrums. Er weist darauf hin, dass auch das Personal von Krankenhäusern, Kliniken und ambulanten Pflegediensten zuvorderst geimpft werden soll.

Die spannendsten Fragen sind für ihn allerdings: Wann geht's los? Und wie viele Impfdosen kommen am ersten Tag in Bad Kissingen an? Der 27. Dezember wurde zwar vom Freistaat als Startdatum für die Impfungen genannt, so Brath. Aber ob der Impfstoff bis dahin da ist, darüber könne man aktuell "nur spekulieren", sagt der ärztliche Leiter am Dienstag. Am 18. Dezember habe der Freistaat bei den Landkreisen angefragt, wie groß der Bedarf ist. "An diesem Montag haben wir unsere Antwort ans Staatsministerium zurückgeschickt."

Man geht in Bad Kissingen jedoch auch von einem Start der Impfungen am 27. Dezember aus. Es kommt auch darauf an, wie viele Impfdosen der Freistaat gleich zu Beginn zu verteilen hat, so Brath weiter. "Irgendwie ist es surreal, weil wir planen müssen, ohne zu wissen, wie viel Impfstoff wir zur Verfügung haben werden."

Auf die vom Freistaat versprochene Software zur Aufbereitung der Impfdaten wollte der Landkreis übrigens nicht warten. "Wir haben bereits eine örtliche Lösung gestrickt", sagt Brath und weist auf die IT-Abteilung des Landratsamts hin, die ein erfolgversprechendes Konzept entwickelt habe.

300 Impfungen pro Tag

Es gibt pro Regierungsbezirk eine Stelle, an der der Impfstoff zunächst bei den erforderlichen Minus 70 Grad eingelagert wird, erklärt der ärztliche Leiter. Das ist für Unterfranken das Uni-Klinikum in Würzburg. Von dort aus werde er dann von der Bundeswehr in die Impfzentren gebracht. Allerdings könne man ihn dort nicht weiter so tiefgekühlt halten. Er werde zwar auch kühl gelagert, sollte jedoch in höchstens fünf Tagen aufgebraucht sein. "Wir müssen also auch in Bad Kissingen dann möglichst zeitnah impfen."

300 Impfungen sollen täglich im, beziehungsweise vom Bad Kissinger Impfzentrum aus, vorgenommen werden. Wie zügig diese verimpft werden können, hängt einmal vom Nachschub ab, aber auch von der Impfbereitschaft der Bevölkerung, sagt Brath. Man müsse zusehen, dass der Impfstoff auf breiter Front akzeptiert wird. Seiner Ansicht nach ist das Serum von Biontech/Pfizer ein sehr guter Impfstoff. Von Seiten des Freistaats wird jetzt auch eine Impfkampagne gestartet, der sich der Landkreis anschließen wird. "Die Impfung ist eine Chance für uns alle, die Pandemie anzuhalten, denn es gibt sonst keine Alternative." Isolde Krapf