Früher saß man der Geselligkeit halber am Dorfbrunnen zusammen oder traf sich abends in der Spinnstube. Gemeinsam wurde musiziert und später waren die Geschichtenerzähler dran, die Lustiges, Derbes und oft Gruseliges - meist aus der Region - unter die Leute brachten. Damit dieses Volksgut nicht verloren geht, gab der Heimatverein 1994 ein Bändchen mit lauter Sagen aus der hiesigen Gegend heraus. Zum Weihnachtsmarkt am 4. Dezember in Poppenlauer soll's jetzt eine erweiterte Neuauflage geben.

In der Erstausgabe waren etliche Fehler drin, sagt stellvertretender Vorsitzender Klaus Hart. Die Zuordnung der Geschichten sei damals in dem Bändchen nicht so klar erfolgt. Zudem tauchten neue Erzählungen auf, die damals unberücksichtigt blieben. Vor mehr als sechs Jahren schon hatte Hart damit begonnen, den Sagenschatz fortzuschreiben.


Husaren an der Schwarzen Pfütze

Im Heimatverein war eine Neuauflage immer wieder Thema, bis sich Hart und Heimatvereinsvorsitzende Gabriele Sebald irgendwann ernsthaft ans Werk machten. Milli Gent, talentierte Hobbymalerin aus Münnerstadt, sollte ein paar griffige Zeichnungen zu den Geschichten anfertigen. "Ich war gleich begeistert dabei", sagt Gent. Dennoch fiel ihr das Illustrieren nicht so leicht. Denn wer weiß schon auf Anhieb, wie sich die Menschen früher kleideten, und wie ihre Fuhrwerke aussahen? "Da hab' ich öfter erst mal nachgeschlagen oder im Internet geschaut."

Der neue Band enthält, wie der alte, nicht nur Geschichten aus der Marktgemeinde Maßbach, sondern auch aus den Kommunen Thundorf und Rannungen. Aber es ist zum Beispiel auch von der Schlacht zwischen Franzosen und ungarischen Husaren an der Schwarzen Pfütze die Rede und vom "Bockerle", dem Lauertal-Express-Zug, der zwischen Stadtlauringen und Rottershausen verkehrte.


Bedeutung verblasst

Meistens kennt man die Flurbezeichnungen in der Heimatgemeinde genau, aber die Bedeutung dieser Namen ist für jüngere Generationen inzwischen Schall und Rauch, sind sich die Verfasser des Sagenbuchs einig.


Nachschlagewerk

Heimatinteressierte können aber nun zum Beispiel nachschlagen, warum ein Forststück der Maßbacher Waldgenossenschaft lange Zeit als "Galgenholz" bekannt war, und warum eine Waldabteilung an der Talkirche bei Münnerstadt noch heute "Blauer Storch" heißt.

Und wer kennt eigentlich noch Stündigshausen? Es handelt sich dabei um eine Wüstung, die südöstlich von Volkershausen lag. Die Bewohner wurden vor undenklichen Zeiten von der Pest dahingerafft. Das letzte Grundstück dieses Orts geriet auf hinterlistige Art und Weise in die Hände des Ballingshäuser Schulzen. Ein Nachfahre der einstigen Grundstücksbesitzer soll deshalb noch lange Zeit ruhelos mit seinem Gaul die Flur durchstreift haben, die eigentlich sein Erbe war. Auch am "Diebsfleck" zwischen Poppenlauer und Rannungen soll heute noch im Buschgehölz jener finstere Geselle umherstreifen, der einst einen Meineid schwor, um ein Stück Land, das eigentlich den Rannungern gehörte, widerrechtlich den Poppenläurern zuzuschlagen.


Schön und schaurig

Die Geschichten sind schön und schaurig, egal ob es sich nun um das "Hundsleitefräle" handelt, das den betrunkenen Küfermeister Hämmerlein auf seinen nächtlichen Heimweg vom "Oberlauringer Dorfkrug" zu sich (in die Hölle) holte. Oder um den "gemeinen Wirt" Hans Pfeffermann aus Poppenlauer, der vom Teufel höchstpersönlich erwürgt und mit in die rabenschwarze Tiefe gezerrt wurde.


Steinkreuze als Sühnezeichen

Auch Bildstöcke und Steinkreuze - oft als Sühnezeichen aufgestellt - legen noch heute beredtes Zeugnis ab über schaurige Moritaten. Das Steinkreuz an der Poppenläurer Grundschule zum Beispiel zeugt von jenem Bauern, der seinen Sohn nach Weichtungen schickte, um die Pflugschar schärfen zu lassen.

Der Junge blieb lange aus, so dass der Vater sich recht erboste und den Buben mit der Pflugschar totschlug. Lange Zeit stand das Kreuz an der Gabelung Wermerichshäuser Weg/Weichtunger Bergstraße. Oberlehrer Karl Jenisch, der einst auch das Heimatmuseum in Poppenlauer gründete, hatte es schließlich dort wegnehmen und an der Grundschule aufrichten lassen. Isolde Krapf