In der Alphorn-Szene ist Bewegung. Mittendrin ist die Bayerische Musikakademie Hammelburg und der Nordbayerische Musikbund. Im Rahmen eines Kurses für Fortgeschrittene mit 20 Teilnehmern aus Franken und darüber hinaus gab es nach fleißigem Proben wieder einzelne Uraufführungen. Das Interesse an der Fortbildung war riesig. Am Ende musste sogar Bewerbern abgesagt werden.
Kaum doppelt so groß als die Runde der Musiker war der Kreis der Zuhörer beim
Abschlusskonzert in der Klosterkirche.
Auch, wenn die klanggewaltigen Instrumente unter Dach nicht zu voller Klangentfaltung auflaufen konnten, spendierte das Zusammenspiel der Hörner dem Publikum außergewöhnliche Momente. Das Ensemble ließ vom Altarraum aus die Luft vibrieren. Zusätzlichen Charme bekam der Auftritt, weil Dozent Ralf Denninger (Bad Friedrichshall) dem Publikum zwischen den Stücken die Seele des traditionsreichen Instrumentes und ihrer idealistischen Spieler näher brachte. Denninger gehört zu den etwa zehn Fachleuten überhaupt, die die Notenliteratur eines der längsten Musikinstrumente weiter entwickelt. Die gebotenen Kostproben kamen glänzend an. Ob eine an Mozarts kleine Nachtmusik adaptierte kleine Alphornmusik, ein bislang selten gehörtes Bergecho, oder das Stimmungslied "Gehen wir mal rüber zum Schmied seiner Frau": Von Klassik bis zum Swing war vieles geboten, was man dem Alphorn nicht so ohne Weiteres zutraut.


Der Klang kommt um die Ecke

Denninger sieht wegen des aufkommenden Instrumentalisten-Nachwuchses gute Chancen, eine Überalterung der Szene aufzuhalten. Denn auch die Entwicklung der Instrumente bleibt nicht stehen. Nicht schlecht staunten die Kursteilnehmer, als zu Seminarbeginn zwei junge Berliner auf der Matte standen. Im Gepäck hatten sie zwei hölzerne Vogelhörner (Werbeslogan: "Der Klang liebt es eckig").
So etwas hat man in Hammelburg noch nicht gesehen. Alphorn auf Kompakt, sozusagen. Abschätzige Blicke ist Andreas Bernögger schon gewöhnt, wenn er das Holzblasinstrument auspackt. "Manche Fragen mich, ob das von Ikea ist", schmunzelt der Musiker. Solches Misstrauen kontert er mit den Vorzügen des Vogelhornes: "Man kann es in jeder Kneipe auspacken und das Anspiel ist einfacher."
"Anfangs waren wir skeptisch", gesteht Dozent Denninger die Reaktion der Kursteilnehmer. Doch die eckigen Hörner waren rasch in das Ensemble integriert. Dennoch glaubt Denninger, das dieses Kompakt-Alphorn das lange Original nicht verdrängt. Dennoch ist er dankbar für alle Experimentierfreude, die dem Musikschaffen Gehör verleiht. Im kommenden Jahr will Denninger als Eigenentwicklung eine Alphornposaune vorstellen. Man darf gespannt sein, was sich der Dozent für Posaune an der Universität Heidelberg einfallen lassen hat. Das Hammelburger Publikum jedenfalls kann mit dem nächsten Alphornkonzert an der Akademie hautnah an der Entwicklung dranbleiben. Ein paar mehr Zuhörer als aktuell hat das durchaus verdient. Wolfgang Dünnebier