Ehrungen standen im Kreistag ganz oben auf der Tagesordnung. Zum einen wurden Jürgen Englert (SPD, Elfershausen), Stefan Lang (FW-CBB, Nüdlingen) und Michaela Wedemann (CSU, Münnerstadt) nachträglich aus dem Vorgänger-Gremium verabschiedet.

Zum anderen sagen dem aktuellen Kreistagsgremium jetzt drei Personen Adieu: Christian Hänsch (Bad Kissingen) wurde 2020 zum ersten Mal für die Partei Die Linke in den Kreistag gewählt - und übrigens auch in den Stadtrat Bad Kissingen. 2017 war Hänsch bei der Partei eingetreten und hatte gleich 2018 als Direktkandidat für Die Linke bei der Landtagswahl kandidiert.

Abschied aus beruflichen Gründen

Der 52-Jährige ist von Beruf Krankenpfleger und versucht sich seit 2012 zunächst erfolgreich als Gastronom in der Kurstadt. Doch die Corona-Pandemie machte auch ihm, wie anderen Gastronomen, sehr zu schaffen, sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion.

Für ihn war und ist es, nach eigenen Aussagen, ein Hin und Her, das ihn vor allem auch finanziell fordert. Seit eineinhalb Jahren arbeitet er wieder in seinem angestammten sozialen Beruf, während er die Kneipe weiter betreibt. Da falle es schwer, auch noch in zwei Gremien gleichzeitig präsent zu sein, sagt er.

Mit Monika Horcher (Westheim) und Johannes Wegner (Poppenlauer, beide Grüne/BfU) kehren zwei kommunalpolitische "Profis" dem Gremium nun aus gesundheitlichen Gründen den Rücken. Beide wurden 1996 in den Kreistag gewählt, hatten allerdings zuvor schon ihre eigenen politischen Wirkungskreise gezogen.

Monika Horcher hatte sich in den 1990er Jahren im Verein Müll und Umwelt (MUM) gegen die Errichtung einer Pyrolyse-Anlage zur Müllverschwelung auf dem Hammelburger Lagerberg engagiert. 1995 trat sie bei B‘90/Die Grünen ein und wurde 1996 in den Kreistag gewählt. 23 Jahre lang war sie Sprecherin des Grünen-Kreisverbands.

Engagement im Stadtrat bleibt

Zweimal kandidierte die studierte Diplom-Ingenieurin, die heute Konrektorin an der Mittelschule ist, für das Amt des Landrats, beziehungsweise der Landrätin (1996 und 2002). Ebenfalls zweimal trat sie als Direktkandidatin von B‘90/Die Grünen bei Landtagswahlen an (1998 und 2003).

Im Kreistag steckte die heute 65-Jährige von 1996 bis 2014 als Fraktionssprecherin die Positionen der grünen Kreispolitik ab. Sechs Jahre lang (2014 bis 2020) war sie Stellvertreterin von Landrat Thomas Bold.

Es hat alles seine Zeit, sagt Horcher. Man müsse wissen, wann die Zeit gekommen ist, aufzuhören, so die langjährige Frontfrau der Grünen in Kreis und Kreistag. So ganz von der Politik ablassen muss Horcher aber nicht, denn seit 2020 sitzt sie im Stadtrat von Hammelburg.

Ende Oktober 2021 teilte Johannes Wegner Landrat Thomas Bold schriftlich mit, dass er sein Kreistagsmandat niederlegen wird. Schon im März 2021 hatte Volker Partsch den 66-Jährigen als Fraktionsvorsitzenden von den Grünen/BfU abgelöst - eine Funktion, die Wegner seit 2014 bekleidete.

Sozusagen politisch auf den Geschmack gekommen war der Diplom-Finanzwirt Wegner Anfang der 1990er Jahre, als sich in Poppenlauer eine Ortsgruppe der Bürgerinitiative gründete, die sich kritisch mit dem Bau der neuen Autobahn A71 auseinandersetzte. Wegner wurde erst einer der Ortssprecher und dann stellvertretender Vorsitzender der Initiative.

18 Jahre lang "grüner" Bürgermeister

Als 1996 die Kommunalwahlen anstanden, gründete er zusammen mit anderen politisch Interessierten aus Maßbach und Poppenlauer die Wählergruppierung "Für Bürger und Umwelt" und kandidierte in der Folge für den Gemeinderat und für das Amt des Bürgermeisters in Maßbach. Auf der gemeinsamen Liste von B‘90/Die Grünen/BfU strebte er ein Mandat im Kreistag an.

Bei der Kommunalwahl 1996 wurde dann aber doch wieder Erhard Klement (CSU) zum Chef der Marktgemeinde gewählt. Doch leider starb Klement einige Monate später. Jetzt standen erneut Wahlen an. Wegner wurde als erster "grüner" Bürgermeister gewählt - und blieb gleich 18 Jahre lang im Amt.

Drei Neue wurden vereidigt

Seit 1996 hatte Wegner ein Mandat im Kreistag und brachte seine Fähigkeiten in verschiedenen Ausschüssen ein, wie beispielsweise im Rechnungsprüfungsausschuss, Geschäftsordnungsausschuss oder im Planungsausschuss des Regionalen Planungsverbands Main-Rhön. "Ich habe gern und mit Herzblut Kommunalpolitik gemacht", sagt er im Gespräch mit dieser Redaktion. "Aber es gibt noch ein Leben nach der Politik."

Für Monika Horcher und Johannes Wegner rücken gemäß der Kommunalwahlliste 2020 nun die Landschaftsarchitektin Eva Reichert-Nelkenstock (Platz 10) aus Zeitlofs und Monika Koch, Mitarbeiterin für Öffentlichkeitsarbeit (Platz 11), aus Maßbach nach. Für Christian Hänsch (Die Linke) kommt nun laut Liste der DGB-Kreisvorsitzende Gerhard Klamet (Listenplatz 2) in den Kreistag. Isolde Krapf