Mit Applaus begrüßte das Publikum im Bad Kissinger Regentenbau den Pianisten Lukas Sternath zum ersten Abend des 20. Kissinger Klavierolymps. Dass der 21-Jährige soeben erst den renommierten ARD-Wettbewerb in seinem Fach gewonnen hat, verlieh diesem Jubiläum zusätzlichen Glanz.

Doch Wettbewerbsgewinne alleine, so die Gründungs- und langjährige Intendantin der mit dem Kissinger Sommer verbundenen Veranstaltung, Kari Kahl-Wolfsjäger, seien nicht ausschlaggebend für künstlerische Karrieren. "Man muss mit dem Publikum kommunizieren und sich verkaufen können", sagt sie, die bei der Auswahl der Teilnehmenden am Klavierolymp auch auf ihre Einschätzung über Zukunftsperspektiven als Künstler und die Persönlichkeit gesetzt hatte.

Sechs Talente im Alter bis zu 27 Jahren werden alljährlich von der Intendanz aufgespürt und eingeladen, in einem Solo-Rezital und einem gemeinsamen Abschlusskonzert um den "Olymp-Sieg" zu konkurrieren. Mit einem Antrittsgeld von je 2000 Euro ist die Einladung finanziell gut ausgestattet; weitere Kosten entstehen den Teilnehmenden so gut wie nicht.

Der Preis: Ein großer Auftritt

Lukas Sternaths Programm für den Klavierolymp ist weitestgehend identisch mit dem seines Auftritts bei der zweiten Runde des ARD-Wettbewerbs. Mit Mozart (Adagio h-Moll), Beethoven (Sonate Nr. 30) und Ligeti (zwei Klavier-Etüden) erfüllt er die Vorgaben des Klavierolymps nach einem frei gewählten Werk eines der beiden Klassiker und einer nach 1945 entstandenen Komposition; mit Brahms (Sonate Nr. 2) und Bartók (Sonate Sz. 80) spannt er den stilistischen Bogen weiter.

Unters Publikum im Rossini-Saal hat sich die Fachjury gemischt, in diesem 20. Jahr Alexander Steinbeis als Intendant des Kissinger Sommers, der Konzertdramaturg Ulrich Hauschild, die Konzertagentin Sonia Simmenauer und die Musikkritiker Thomas Ahnert und Manuel Brug.

Sie entscheiden, wer im Folgejahr als 1. Preisträger ein Solokonzert mit großem Orchester beim Kissinger Sommer spielen darf; die weiteren Platzierten erhalten andere Mitwirkungsmöglichkeiten.

Dass auch das Publikum ein gutes Gespür für Talente hat, zeigt sich darin, dass der Publikumspreis bei der Hälfte der Wettbewerbe bisher auch an offiziell Ausgezeichnete ging.

Im Fokus stand die Nachwuchsförderung

Im Fokus stand für die Gründer des Klavierolymps von Anfang an die Nachwuchsförderung, und dies aus Kapazitätsgründen abgekoppelt vom Konzertreigen des Kissinger Sommers. Auch um Anschlusskonzerte kümmert man sich, der Kontakt ist herzlich: "Meine Jungs" nennt Kahl-Wolfsjäger "Ehemalige" wie Igor Levit, Martin Helmchen, Michail Lifits, Herbert Schuch oder Kit Armstrong, die wie Alice Sara Ott oder Olga Scheps inzwischen steile internationale Karrieren vorweisen können.

Auch Alexander Steinbeis, der als neuer Intendant im vergangenen Jahr erstmals den Klavierolymp künstlerisch verantwortet hat und das Niveau als "fantastisch" einstuft, sieht den Wettbewerb als wichtigen Meilenstein für viele Teilnehmende.

Steinbeis: "Fantastisches" Niveau

Für ihn ist der Olymp jedoch "in erster Linie ein Festival, der etwas kleinere Herbstableger des Kissinger Sommers", mit der Möglichkeit, frühzeitig auf Talente aufmerksam zu werden und diese an sich zu binden. Die Beteiligten erhielten ein Forum, "sich über den reinen Wettbewerbsgedanken hinaus einem interessierten Publikum weit über die Region Unterfrankens hinaus zu präsentieren", so Steinbeis.

Er schätzt am Klavierolymp auch die entspannte Atmosphäre und den gegenseitigen Austausch zwischen Publikum, Jury und Teilnehmenden in gemeinsam verbrachter Zeit.

Lukas Sternath zeigt sich bei seinem Rezital ausdrucks- und erzählstark. Mit großer künstlerischer Ausstrahlung und äußerst differenzierter musikalischer Vorstellungskraft verschmilzt er kontemplative Momente mit farbstarker Intensität.

Seine virtuosen Läufe schweben blütenblattzart aus düster-imposanten Klanggebäuden; äußerlich unaufgeregt weiß er triumphale musikalische Gestik tanzen zu lassen, hämmernde Motorik mündet in ein rauschhaftes Finale. Sein souveräner Auftritt wird umjubelt.