In der jüngsten Gemeinderatssitzung stellte Fabian Röder aus der Finanzverwaltung den Rechenschaftsbericht zum Haushaltsplan 2020 vor. Dieser schloss mit 13,9 Millionen Euro ab, angesetzt waren 15,1 Millionen Euro. Es besteht also eine Differenz von 1,2 Millionen Euro. Diese erklärt sich daraus, dass Gelder für laufende Bauten noch nicht benötigt wurden.

Der Haushalt ist aufgeteilt in den Verwaltungs- und den Vermögenshaushalt: 11,1 Millionen Euro waren im Verwaltungshaushalt angesetzt, mit 11,6 Millionen hat er abgeschlossen. Der Vermögenshaushalt war mit 4,0 Millionen Euro angesetzt und schloss mit 2,3 Millionen Euro ab.

Verwaltungshaushalt: Mehr Einnahmen und weniger Ausgaben als geplant

Der Verwaltungshaushalt setzt sich aus Einnahmen wie Steuern, allgemeine Zuweisungen, sowie aus Einnahmen aus der Verwaltung zusammen. Hier nahm die Gemeinde rund 500 000 Euro mehr ein, als geplant. "Der Hauptgrund ist, dass die Gewerbesteuern eine schlechte Prognose hatten, wegen Corona", sagt Fabian Röder aus der Finanzverwaltung.

Dann seien die Gewerbesteuern aber doch höher gewesen. Allgemein haben sich die Einnahmen aus Steuern und allgemeinen Zuweisungen in den vergangenen Jahren immer weiter erhöht. Seit 2016 haben sie sich um ein Viertel gesteigert.

Ausgaben im Verwaltungshaushalt sind größtenteils Unterhalts- und Personalkosten. Nüdlingen bewegte sich fast eine Millionen Euro unter dem Plan, gab also weniger aus. "Hier wird oft etwas großzügiger geplant um die ein oder andere Eventualität abzudecken", sagt Fabian Röder. So gebe es beispielsweise Jahre, in denen drei Fahrzeuge hohe Reparaturkosten aufwerfen und dann Jahre wie 2020, in denen alles glatt laufe. Eine Abweichung zwischen dem Haushaltsplan und Ergebnis ist daher nicht ungewöhnlich.

Außerplanmäßige Ausgaben durch Corona

Weil die Gemeinde mehr einnahm und weniger ausgab, als geplant, führte sie dem Vermögenshaushalt 1,4 statt den geplanten 0,3 Millionen Euro zu. Der größte Teil der Ausgaben sind die Personalkosten, die bei einem Anteil von 18 Prozent und damit im Durchschnitt der Vorjahre liegen.

Außerplanmäßige Ausgaben sind zum einen durch die Folgen der Pandemie entstanden. "Mehr Reinigungskosten an externe Firmen für häufigere Reinigung der Schule, während diese geöffnet war oder aber der Kauf von hunderten Litern Desinfektionsmittel für Rathaus, Schule und Feuerwehr war in so einem Umfang nicht geplant", sagt Röder.

Aber auch die Erweiterung der Technik in der Schlossbergschule, wie die Beschaffung von Laptops oder die Luftfilteranlagen waren nicht so nicht geplant. Manche der pandemiebedingten Mehrausgaben glichen sich aber durch andere Effekte wieder aus, wie beispielsweise geringere Stromkosten der Schule.

Rohrbrüche verursachten Kosten

Nicht-pandemiebedingte außerplanmäßige Ausgaben haben sich bei Reparaturen an der Alten Schule ergeben: "So konnte zwar der Kostenrahmen für die Torturmreparatur eingehalten werden, jedoch waren im Innenbereich weitere Arbeiten notwendig. Im gleichen Zug wurde auch die Außenfassade im Torbereich erneuert", heißt es im Rechenschaftsbericht. Dabei fielen 13 000 Euro Mehrkosten an.

Außerdem gab es in Nüdlingen und Haard mehrere Rohrbrüche, was 21 000 mehr an Kosten verursachte, als geplant war. Für Straßenausbesserungen hat die Gemeinde 115 000 Euro ausgegeben, statt den geplanten 80 000. In den daraus resultierenden 35 000 Euro Mehrkosten sind zwei Rohrbrüche enthalten, bei denen die Straße aufgebaggert werden musste. Die Arbeiten hatten jeweils rund 13 000 Euro gekostet.

Vermögenshaushalt: Nicht alle Gelder benötigt

Der Vermögenshaushalt beinhaltet alle vermögenswirksamen Einnahmen oder Ausgaben einer Gemeinde. Die Einnahmen sind zum einen die Gelder, die die Gemeinde dem Verwaltungshaushalt zuführt und weitere Einnahmen, die das Vermögen einer Kommune erhöhen - beispielsweise wenn sie ein Grundstück verkauft. Auch zweckgebundene Förderungen von Bund oder Land zählen hier mit dazu. Ausgaben entstehen unter anderem, wenn eine Gemeine Gelder an ihre Rücklagen zuführt, Grundstücke kauft oder darauf baut.

Bei den Einnahmen im Vermögenshaushalt fällt auf: Die Gemeinde ist zum ersten Mal seit 2010 ihr Erspartes angegangen. Jedoch hat sie Gelder, die sie aus der allgemeinen Rücklage entnehmen wollte, nicht entnommen. Statt 3,2 Millionen Euro, hat Nüdlingen nur 350 000 Euro benötigt.

Das hängt damit zusammen, dass ein Teil der Rechnungen für die Sozialwohnungsbauten Wurmerich 55 und Burgstraße 5 noch nicht vorlagen. In die Burgstraße ziehen bald die ersten Bewohner ein, der Wurmerich 55 soll in diesem Jahr noch fertiggestellt werden.

Kanalneubau war am teuersten

Die wichtigsten Projekte im Vermögenshaushalt waren zum einen die Digitalisierung der Schlossbergschule, die 50 000 Euro kostete. Am teuersten war 2020 der Kanalneubau RÜ7 am Riedweg. Planung und Bau kosteten eine Millionen Euro. Die beiden Sozialwohnungen am Wurmerich und in der Burgstraße kosteten 780 000 Euro.

Rund 30 000 Euro gab die Gemeinde für den Stromnetzausbau aus. Zwei E-Ladesäulen im Gewerbegebiet Pfaffenpfad und an der Schlossbergschule kosteten insgesamt 20 000 Euro. Die Beladung und Ausstattung für das 2019 erworbene Feuerwehrauto HLF 10 schlugen mit 100 000 Euro zu Buche. Mit dem Neubau der Schlossberg-Grundschule plant die Gemeinde Nüdlingen "eine der größten Investitionen ihrer Geschichte". Bisher kosteten Planungen rund um das Projekt 40 000 Euro.