Die Ankündigung des Rückzugs von Eva Matthies schwebte wie ein Schatten über der Mitgliederversammlung von Kidro. Aber einzig die Würdigungen, die die bisherige Vorsitzende über sich ergehen lies, erinnerte an die geplante Änderung - ansonsten zeigten alle Beteiligten die Normalität, die aussagen sollte: Es ändert sich nichts im Bereich "niedrigschwellige Hilfen Bad Kissingen".

Es sind große Fußabdrücke, die Eva Matthias als Vorsitzende von Kidro hinterlässt. Doch Thomas Heinrich traut sich diesen Posten zu - schon aus der Tatsache heraus, dass er seit vier Jahren für die Kasse und die Buchungsvorgänge verantwortlich und damit eigentlich ein Insider ist. Mit Blick auf seine Vorgänger versprach er "Bewährtes, Gelerntes und Praktiziertes weiterzuführen - und darauf freue ich mich".


Engagement über Kidro hinaus



Thomas Heinrich ist 46 Jahre, verheiratet und hat zwei Kinder. Der gelernte Edelstahlschweißer ist Bürokaufmann und über Kidro hinaus auch beim Förderverein der Kliegl-Schule, beim Familienbeirat und im Orga-Team für die Selbsthilfegruppen im Landkreis engagiert. In Kidro ist er Vorsitzender, auch übernimmt er die Geschäftsbereiche für Kip, Wärmestube, Drogenhilfe und das neue Möbellager auf 35-Stunden-Basis.

In der Versammlung arbeitete Eva Matt hies zum letzten Mal die Regularien ab. Wie immer war der Tätigkeitsbericht "nichts Besonderes", eher etwas Selbstverständliches, was man für die Schwachen, die Bedürftigen, die Abhängigen machen kann - und dabei fielen immer wieder die Namen derjenigen, die sich bei Kip, der Wärmestube, der Drogenhilfe und Integration/ Sport einbringen.


Ämter bleiben ehrenamtlich



Dann bilanzierte Kassierer Thomas Heinrich den Verein in Zahlen. Über alle Geschäftsbereiche hinweg wurden 300.000 Euro an Einnahmen und 280.000 Euro an Ausgaben verbucht, ein gesicherter Kassenbestand wurde nachgewiesen. Durch eine Satzungsänderung bleiben zwar die Vereinsämter ehrenamtlich, jedoch kann der Vorstand entscheiden, inwieweit zusätzliche Tätigkeiten vergütet werden.

"Es war Pionierarbeit, was du gemacht hast - und du hast das 18 Jahre mit Herzblut gemacht", würdigte Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) die Leistung von Eva Matthies. In vielfältiger Funktion habe sie "als hauptamtliche Sozialarbeiterin der Stadt" das Image von Kidro geprägt. "Du warst die Erste und bist immer die Erste gewesen", sagte stellvertretender Vorsitzender Thomas Höfler. Beharrlichkeit, Sozialkompetenz, keine Berührungsängste, Verantwortungsbewusstsein seien Charakterzüge der scheidenden Vorsitzenden. Den Worten schloss sich Martin Pfeuffer für den Landkreis an.

"Es war eine spannende Arbeit", bedankte sich sichtlich gerührt Eva Matthies. Dabei habe sie interessante Menschen getroffen. Der Tag sei immer anders als geplant abgelaufen. Im Rückblick stellte sie fest: "Ich habe nicht nur gegeben, sondern mindestens so viel erhalten."


Monatliche Themenschwerpunkte



Organisatorisch möchte Heinrich nun monatliche Themenschwerpunkte setzen. Um das "Sofa", das geplante Möbellager, ging es beim letzten Tagesordnungspunkt. Heinrich und Matthies schilderten die Entwicklung. 2011 sei das Vorhaben, das Sofa in einer Halle der Deutsche Bahn AG zu errichten, am Brandschutz gescheitert. Doch habe sich im Frühjahr eine Möglichkeit in "ganz entspannten Verhandlungen" ergeben, in der Groppstraße (Eingang Maxstraße, unterhalb der Vögele-Filiale) Räumlichkeiten anzumieten, die im Juni offiziell als "Sofa" eröffnet werden sollen.

"Sofa" steht für "sozial und fair", denn die Möbel sollen kostenlos oder gegen eine kleine Spende an Bedürftige abgegeben werden. Damit geht ein großer Wunsch in Erfüllung, denn einerseits bekomme Kidro sehr oft Möbel etwa aus Haushaltsauflösungen angeboten, anderseits sei die Nachfrage sehr groß. Als Öffnungszeiten sind Dienstag, Donnerstag und Freitag angedacht, montags und mittwochs sind die Zeiträume für Abholung und Bringen der Möbel. In diesem neuen Bereich werden zwei Bürgerarbeitsplätze mit jeweils sechs Stunden täglich geschaffen.


Förderung durchs Job-Center



Kidro hat sieben hauptamtliche Mitarbeiter mit insgesamt 218 Wochenarbeitsstunden und sieben ehrenamtliche Kräfte mit einer Jahresstundenzahl von 3041 Stunden, das entspricht 1,5 Vollzeitmitarbeitern. Kidro kümmert sich um Menschen, die von illegalen, harten Drogen abhängig oder von Abhängigkeit bedroht sind.Die Wärmestube bietet Hilfe für finanziell schwächer gestellte Bürger, Obdachlose, Arbeitslose und suchtmittelkonsumierende Menschen. Bad Das Kissinger Integrationsprojekt (Kip) bemüht sich um arbeitslose Einheimische und Spätaussiedler mit multiplem Problemhintergrund. Das wird mit 100.000 Euro über das Job-Center gefördert. Auch über den Sport leistete Kidro Integrationsarbeit. Das Angebot richtet sich an Jugendliche und junge Erwachsene mit Migrationshintergrund und Einheimische. Getragen wird Kidro durch den Landkreis und die Stadt Bad Kissingen, den Job-Center (vor allem Kip), die Theresienstiftung und Wohlfahrtsverbände. Hinzu kommen Spenden.

Bei den Neuwahlen wurde Thomas Heinrich zum Vorsitzenden gewählt, Thomas Höfler zu seinem Stellvertreter. Kassierer ist Peter Wehner, Schriftführer Martin Pfeuffer. Beisitzer sind Iris Hönig, David Rybak und Thomas Schubert. Die scheidende Vorsitzende, Eva Matthies, ist als frei gewähltes Mitglied im Vorstand. Als Vertreter der Wohlfahrtsverbände gehört Pfarrer Jochen Keßler-Rosa dem Gremium an. Kassenprüfer sind Franz-Peter Jörg und Manfred Schäfer.