Gebürtigen Berlinern sagt man nicht gerade nach, gern ein Blatt vor den Mund zu nehmen. Auch Clemens Lückemann scheut die deutliche Sprache nicht. Angesprochen auf die Personalknappheit im Justizverwaltungsdienst am Amtsgericht Bad Kissingen, räumte der neue Präsident des Oberlandgerichts Bamberg ein, die Stellenzahl basiere auf einer alten Personalbedarfsberechnung, "die die Realität nicht richtig wiedergibt."

Über den hohen Besuch freute sich Amtsgerichtsdirektor Matthias Göbhardt. Der OLG-Präsident stattete nach Stationen in Mellrichstadt und am Amtsgericht Bad Neustadt seinen Antrittsbesuch auch in Bad Kissingen ab. Man glaubt ihm, dass er sich nicht nur persönlich vorstellen wollte, sondern Beziehungspflege schätzt, danken, motivieren, zuhören und in Gesprächen mit Behördenleitung und Richter- und Personalvertretungen Überblick über die örtlichen Gegebenheiten bekommen möchte. Bad Kissingen ist dem Landgerichtspräsidenten, der gern auch als Zivilrichter in Coburg arbeitet, nicht unbekannt. 2009 war er, noch Leitender Oberstaatsanwalt, bei der Einweihung des sanierten Gerichtsgebäudes zu Gast. Vor allem aber ist ihm die Kurstadt kulturell ein Begriff: "Mit meiner Frau war ich öfters bei Konzerten des Kissinger Sommers", erzählte er am Rande des Besuchs und auch, dass ihm die Kur- und Parkanlagen gefallen.

Gut für die Sicherheit

Gemeinsam mit Göbhardt und Geschäftsleiter Bernd Paul machte er einen Rundgang durch das Gerichtsgebäude und würdigte den Sicherheitsbereich im Eingang. Denn: "Nach den tödlichen Schüssen auf einen Staatsanwalt Anfang 2012 im Amtsgericht Dachau wurde auch für Bad Kissingen und Bad Neustadt das Sicherheitskonzept in baulicher Hinsicht angepasst", sagt Lückemann, und es klingt erleichtert. Amtsgerichtsdirektor Göbhardt bestätigt: "Wir alle fühlen uns jetzt sicherer." An Verhandlungstagen tun hinter der Sicherheitsschleuse auch ein Wachmann oder eine Wachfrau von einer Sicherheitsfirma Dienst, gestern Monika Pawellek, die dem hohen Besucher Rede und Antwort stand.

Einige Justizangestellte scheuten sich nicht, den OLG-Präsidenten mit ihrer beruflichen Wirklichkeit zu konfrontieren. Brigitte Zecha etwa, ein Urgestein im Amtsgericht. Bei ihr im Nachlassgericht türmen sich die Akten. Denn nicht zuletzt die demografische Situation lässt die Arbeit hier mehr werden. Personalaufstockung fände sie wünschenswert. Göbhardt gab ihr Flankenschutz: "Wenn in der Geschäftsstelle jemand ausfällt, ist das problematischer, als wenn ein Staatsanwalt nicht da ist." Lückemann konnte dennoch nichts versprechen.

Aber immerhin berichtete er, dass nach Jahren nun 2014 eine neue Erhebung zur Arbeitsbelastung in Auftrag gegeben werde, die der Situation in der Justizverwaltung hoffentlich besser nahekommt. Und mit deren Ergebnis könne man dann an die Bayerische Staatsregierung herantreten. Bei Richtern und Staatsanwälten wurde die Stellenzahl ja auch um 80 aufgestockt. Klingt wie: Auch die freiwillige Gerichtsbarkeit verdient Stärkung.


Der neue OLG-Präsident

Clemens Lückemann (1954) ist Berliner und seit Februar 2013 Präsident des Oberlandesgerichts Bamberg. Der höch ste Repräsentant der Justiz in Ober- und Unterfranken mit rund 2500 Bediensteten führt Dienstaufsicht über sieben Land- und 18 Amtsgerichte, die Landesjustizkasse Bamberg und die Justizschule Pegnitz.

Stationen Nach Jurastudium und Referendariat in Würzburg wurde er 1981 beim dortigen Landgericht zunächst Proberichter, dann Staatsanwalt und wechselte im Dezember 1984 ins Bayerische Justizstaatsministerium. 1987 kehrte er als Richter ans Landgericht Würzburg zurück und 1989 wieder ins Justizministerium. Er koordinierte die Aufbauhilfe für die Justiz in der ehemaligen DDR. 1994 wurde er Richter am Oberlandesgericht Bamberg, wechselte aber 1996 erneut ins Ministerium, diesmal zum Justizvollzug. 2002 bis 2009 war er als Leitender Oberstaatsanwalt Chef der Würzburger Staatsanwaltschaft, ab Juli 2009 Generalstaatsanwalt in Bamberg.

Einblick Beim Besuch am Amtsgericht Bad Kissingen lernte er viele der 58 Bediensteten, davon acht Richter, kennen. Das Gericht ist räumlich zuständig für den Landkreis Bad Kissingen mit gut 103 000 Einwohnern und residiert im ehemaligen Finanzamt, das ab 2007 für 3,35 Millionen saniert worden war. Jetzt wird es für weitere 400 000 Euro behindertengerecht ausgebaut.