Was tun, wenn die Blase drückt? Diese Frage beschäftigt nicht nur Touristen, Wallfahrer oder Kirchgänger in Burkardroth, sondern auch Bürgermeister Waldemar Bug (ödp). "In den Bürgerversammlungen werden immer wieder fehlende öffentliche Toiletten angesprochen", sagt er.
Besonders dringend sei der Handlungsbedarf im Zentrum der Marktgemeinde. Zwar gibt es öffentliche Toiletten im Rathaus, die jedoch am Wochenende und abends verschlossen sind.
Ginge es nach dem Ortsoberhaupt, würde sich die Situation schon bald ändern.
Denn die Gemeinde plant, das Grundstück an der Unteren Marktstraße 3, direkt neben dem Gerberkeller, zu bebauen. Einen ersten Entwurf des Gebäudes stellte der Bürgermeister jetzt den Vereinsvertretern der Ortsteile Burkardroth, Zahlbach und Wollbach vor.


Kurse, Ausstellungen, Feste

Schließlich sollen in dem zweigeschossigen Bau nicht nur öffentliche Toiletten unterkommen, sondern auch Platz für die Öffentlichkeit entstehen, wie etwa ein Kursraum für die Volkshochschule und eine größere Halle für Ausstellungen, kulturelle Veranstaltungen oder private Feiern. Außerdem ist vorgesehen, den historischen Gerberkeller in den Neubau zu integrieren und komplett zu sanieren. Nicht zuletzt, weil es damit für das Vorhaben auch Fördergelder aus Städtebauprogrammen geben könnte.
Parallel dazu soll auch die, dem Grundstück gegenüberliegende, Gerberwiese eine Aufwertung erfahren. Sie führe schließlich ein stiefmütterliches Dasein und würde kaum genutzt. Dort könnte nach den Vorstellungen des Ortsoberhauptes ein Kneipp-Tretbecken entstehen, aber auch Bewegungsgeräte für Senioren aufgestellt werden.


Das Ortsbild leidet

"Ich überlege schon lange, was wir mit dem Areal an der Unteren Marktstraße anfangen", sagt Bug. Seit fünf Jahren liegt die Fläche brach, wird überwiegend als Parkplatz genutzt. Früher stand an der Stelle das Baywa-Gebäude. Im Herbst 2010 wurde es von der Gemeinde abgerissen, die Haus und Grundstück kurze Zeit zuvor für einen Euro ersteigert hatte. "Schließlich war die alte Baywa stark einsturzgefährdet", erklärt der Bürgermeister den schnellen Abriss. Konkrete Pläne, was an der Stelle entstehen soll, gab es damals weder bei ihm noch im Gemeinderat. "Wir wollten nichts übers Knie brechen."
Vor zwei Jahren etwa begann das Gremium, sich erneut mit dem Grundstück zu befassen. Denn nicht nur das Ortsbild Burkardroths leidet unter der Baulücke, sondern auch die Gemeindekasse. Jedes Jahr muss die Statik der Wand hinter der Brache untersucht werden, die das Abrutschen des Hanges verhindern soll. "Das kostet uns jährlich etwa 1000 Euro", so Bug.


Infozentrum, Ladestation

Schließlich fasste der Gemeinderat den Beschluss, ein Architekturbüro mit der Überplanung der Fläche zu beauftragen. Den Zuschlag erhielten Johannes Hahn und Kollegen aus Bad Kissingen. Erste Entwürfe wurden in den vergangenen Wochen bereits von den Gemeinderäten besprochen. Deren Favoriten wurden jetzt den rund 20 anwesenden Vereinsvertretern vorgestellt.
Im Großen und Ganzen kam der Entwurf des Bad Kissinger Architekturbüros bei ihnen gut an. "Dass wir Toiletten brauchen, steht außer Frage", so der Tenor. Zudem gab es etliche interessante Vorschläge, wie der Neubau genutzt werden könnte, unter anderem als Infozentrum für Wanderer, Radfahrer und Touristen. Parallel dazu sollte nach den Vorstellungen der Vereinsvertreter eine Ladestation für E-Bikes integriert werden und auch ein Jugendraum.
Dennoch stellten die Anwesenden die kontinuierliche Nutzung des geplanten Gebäudes infrage. Schließlich habe jeder Verein bis auf wenige Ausnahmen seine eigenen Räume.
Auch hinsichtlich der Unterhaltung des Gebäudes gab es Diskussionen. Letztlich war man sich einig, dass die Gemeinde dafür aufkommen müsse.
"Noch steht ja nichts fest", sagte Bug zum Abschluss. Er wolle als nächstes gemeinsam mit dem Gemeinderat einen Förderantrag stellen, um zu erfahren, wie das Vorhaben an der Unteren Marktstraße finanziell von der Regierung Unterfranken unterstützt wird. Auch werde er die Vorschläge der Vereinsvertreter entsprechend weitergeben. Trotzdem gab er den Anwesenden mit auf den Weg: "Es ist uns allen bewusst, dass sich an dem Platz etwas ändern muss."