Wenige Minuten vor der der offiziellen Einführungsfeier steht Detlef Elsner an der Bushaltestelle vor der Schule, passt nebenbei mit auf, dass die Kinder die gerade ankommenden Busse beachten und muss auch einmal schimpfen, als ein Kind nicht aufpasst. Da hat er bereits vier Stunden Unterricht hinter sich. Der normale Schulstress.

Seine Stellvertreterin, Petra Mesarosch, ist noch schlechter dran. Sie ist krank geschrieben, hat ihre Stimme verloren und hätte eigentlich zuhause bleiben müssen. Doch für die Einführungsfeier kommt sie vorbei an ihrer Wirkungsstätte.

"Tolles Kollegium"

Zwei Monate Schulunterricht an der Freiherr-von-Lutz-Grundschule hat Detlef Elsner inzwischen hinter sich. Kann man da schon etwas sagen? "Ein tolles Kollegium", meint er. Es habe alles gut angefangen, er werde unterstützt, man nehme ihm vieles ab, die Kollegen seien erfahren und routiniert. Und weil er gerade beim Positiven ist, hebt er auch noch die schöne Schule mit der sehr guten Ausstattung hervor. "Wir haben alles, was man sich wünschen kann."

Eigentlich ist Detlef Elsner ausgebildeter Grundschullehrer, hat aber an seiner letzten Wirkungsstätte in Bischofsheim an einer Mittelschule gelehrt. Er ist froh, dass er jetzt an einer Grundschule unterrichten kann.
Und Gelegenheit dazu hat er genug. 19 Wochenstunden steht er von den Schülern. Ein Vollzeitlehrer unterrichtet etwa 27 bis 28 Stunden in der Woche. Detlef Elsner muss ja so ganz nebenbei auch noch die Schule leiten und will auch ein wenig gestalten. "Meine Arbeitstage sind lang", gibt er unumwunden zu. Viel Arbeit nimmt er mit nach Hause, da kann er sie sich besser einteilen. Der neue Schulleiter hat auch schon etwas gelernt. "Am Anfang war ich der Meinung, dass ich alles selbst machen muss. Jetzt bin ich froh, dass die Kollegen mir viel Arbeit abnehmen."

Kluge Worte des Sohnes

Jetzt wird es aber wirklich Zeit: Zahlreiche Gäste haben sich im Eingangsbereich versammelt. Die Begrüßung muss der Schulleiter wegen seiner stimmlosen Kollegin nun allein übernehmen. "Ein Schulleiter muss flexibel sein", habe sein Sohn vor ein paar Tagen zu ihm gesagt, erzählt er. Und Detlef Elsner gibt ihm Recht. Dann nutzt er die Gelegenheit, der Stadt zu danken, die Umbauten im Sekretariat ermöglicht hat.

Schulamtsdirektor Josef Hammerl geht kurz auf den Werdegang der beiden Schulleiter ein. Beide stammen aus Lehrerfamilien, Petra Mesarosch wurde in Hammelburg geboren, hat mehrere Jahre im Landkreis unterrichtet, zuletzt in Münnerstadt. Der Oberfranke Detlef Elsner, der in seiner Heimat keine Stelle bekommen hat, musste sich zwischen Oberbayern, Aschaffenburg und der Rhön entscheiden. Er habe die richtige Wahl getroffen, sagte Hammerl, der selbst einmal vor so einer Entscheidung stand. Detlef Elsner zeichne ein großes Maß an Bescheidenheit und Hilfsbereitschaft aus, Petra Mesarosch sei sehr sorgfältig und und gewissenhaft im Umgang mit allen Dingen des Berufes. Und beide seien seien sehr qualifizierte und anerkannte Beratungslehrer.

Der Schulamtsdirektor ging auch auf die heutigen Herausforderungen im Lehrerberuf ein und auf einen Schwerpunkt, den die beiden Schulleiter genannt hatten: die Teamarbeit. Er sprach ihnen sein vollstes Vertrauen aus.

Von Leitplanken und Kreativität

Die Einführungsfeier wurde umrahmt von mehreren kreativen Auftritten der Kinder. Das sei ein Grund, dass er Personalratsvorsitzender sei, meinte Wolfgang Wittmann. "Dann wird man zu solchen Veranstaltungen eingeladen", scherzte er. Dann zählte er auf, was ein Schulleiter können müsse: Führung mit Fingerspitzengefühl. "Er gibt die Leitplanken vor und lässt Raum für Kreativität."

Ein wenig neidvoll schaute Bürgermeister Helmut Blank (CSU) auf die Einführunsgfeier. Bei seiner Amtseinführung habe niemand einen Tanz auf dem Marktplatz aufgeführt. Als Team könne man Probleme lösen, als Einzelkämpfen stehe man vor unheimlichen Problemen, fand er.

Die zahlreichen Vorführungen und Grußworte sah auch Anneliese Albert, die bis Juli Rektorin der Grundschule war. Wie fühlt sie sich dabei? "Wunderbar, ich fühle mich als Gast", sagt sie.