Wieder eine Voruntersuchung weniger. Arbeiter füllen das Loch wieder auf und verlegen die Steinplatten, die sie zuvor von der Stelle weggenommen hatten. Am Abend ist alles wie vorher. Derzeit finden an mehreren Stellen in der Fußgängerzone Schürfgrabungen statt. Das städtische Bauamt lässt so den Boden und die Gründung der dort stehenden Häusern untersuchen. Das Ganze ist Teil der Vorbereitungen für die anstehende Altstadtsanierung.

Die Standsicherheit der oftmals historischen Fundamente bereitet Tiefbauchef Thomas Hornung einiges Kopfzerbrechen. "Wir versuchen die Planung so hinzubekommen, dass wir keine Eingriffe in die Gebäude benötigen", erklärt er. Viele Bauwerke, beispielsweise in der Grabengasse, sind nicht unterkellert. Gerade bei diesen bestehe das Risiko, dass sie sich in Richtung Straße hinsenken, sobald selbige aufgegraben wird. Um Schäden zu minimieren, müssen die Gebäude abgestützt werden. "Bohrpfähle sollen gewährleisten, dass sich die Setzungen minimieren", sagt Hornung. Ganz ausschließen lasse sich das allerdings nicht.


Beratungen am September

Wo Hauseigentümer es melden können, wenn sich ihr Gebäude setzt, wie Schäden dokumentiert und reguliert werden, darum geht es unter anderem auch in den Beratungsgesprächen, die die Stadt anbietet. Auch das gehört zur Vorbereitung fürdas Projekt Neue Altstadt. Solche Gespräche wurden bislang allerdings nur in der Wein- und Grabengasse geführt. Aufgrund des zwischenzeitlichen Personalengpasses im Bauamt wurden sie vorerst auf Eis gelegt. Ab September soll es damit weitergehen. Hornung: "Wir wollen sicherstellen, dass immer die gleichen Personen als Ansprechpartner für die Eigentümer da sind."

Das Projektteam für die Neue Altstadt ist inzwischen bis auf eine Stelle komplett besetzt, die neuen Mitarbeiter arbeiten sich aktuell ein. "Es geht jetzt darum, den Projektfluss wieder zum Laufen zu kriegen", sagt er. Immerhin sei die technische Planung in vielen Bereichen gut vorangeschritten. Sie soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. "Da bin ich siegessicher, dass wir das schaffen", berichtete der Tiefbauchef vor kurzem im Stadtrat.


Notwendigkeit wird akzeptiert

Einmal pro Quartal wird das Gremium über den aktuellen Sachstand informiert. Zuletzt gab es Nachfragen, ob der Zeitplan tatsächlich gehalten werden kann oder ob sich der Baubeginn erneut verzögert. Ein Fragezeichen setzt Hornung hinter die Eigentümergespräche.Um das Prozedere zu beschleunigen sollen sie zu einem Treffen zusammengefasst werden. Ursprünglich waren zwei angesetzt.

Derzeit werden Termine mit den verbleibenden mehr als 100 Hausbesitzern vereinbart. "Wir haben als Schwerpunkte die Gassen vorneweg, dann kommen die Plätze", sagt der Ingenieur. Eine feste Reihenfolge gibt es nicht, dafür ist die Terminfindung mit den Eigentümern zu schwierig.

Die Teilnahme ist freiwillig und laut Hornung hat sich bisher niemand geweigert. Die Gespräche bieten Vorteile sowohl für die Stadt als auch für die Privatleute. Letztere würden kostenlos und neutral beraten, das Bauamt wiederum brauche Absprachen mit den Hausbesitzern für die eigene Planung. Beispielsweise müssen Werbetafeln von Fassaden abmontiert werden, um Baufahrzeuge nicht zu behindern. In den Gesprächen wird geklärt, wer das wann übernimmt. Wie der Tiefbauchef berichtet, waren die Rückmeldungen der Eigentümer bisher überraschend positiv. "Es wurde bemängelt, dass wir in Verzug sind. Die Notwendigkeit der Baumaßnahme wird aber nicht in Frage gestellt."


Im Überblick: Infos zur Sanierung der Bad Kissinger Altstadt

Heilwasser Bauarbeiten im Untergrund wirken sich auf die unter der Stadt liegenden Heilquellen aus. Im schlimmsten Fall könnte sich die Mineralisierung des Heilwassers verändern oder die Brunnen trocken fallen.

Kanal Die Kanäle sowie viele Hausanschlüsse zur Grundstücksentwässerung sind undicht. In Nebengassen werden neue Kanalrohre über den alten verlegt. Die großen Hauptkanäle werden mittels eines Innenschlauches saniert.

Kosten Die Stadt veranschlagt für das komplette Projekt Neue Altstadt Kosten in Höhe von 25,25 Millionen Euro. 12,1 Millionen Euro sind für die Erneuerung der Straßen und 13,15 Millionen Euro für die Kanalsanierung vorgesehen. Die Regierung von Unterfranken hat bislang 1,21 Millionen Euro Förderung über das Programm Soziale Stadt zugesagt.

Zeitplan Die Planung soll bis Ende des Jahres abgeschlossen sein. Im Anschluss folgt das Genehmigungsverfahren, Im ersten Halbjahr 2018 werden die Arbeiten ausgeschrieben, voraussichtlich im zweiten Halbjahr folgt der Baustart.