Das hätte noch schlimmer kommen können. Zwar ist der Sinnberg-Kindergarten nach dem Hagel-Chaos nicht mehr nutzbar - wirtschaftlicher Totalschaden. Doch sei es viel wichtiger, dass keinem Kind etwas passiert ist, sagte Erzieherin Karin Sauermann.

Sie und Marianne Mutz fegen die Überreste einer durchweichten Rigips-Decke zusammen, während die anderen Damen des Teams das Notquartier nebenan einrichten. Leiterin Stephi Wieghardt ist überzeugt, dass ab Mittwoch die rund 100 Mädchen und Jungen wieder (fast) ganz normal betreut werden können.

Für gut fünf Wochen kann man im benachbarten Sommerhaus des Kliegl-Kindergartens unterkommen, die katholische Pfarrgemeinde hat sofort ihre Hilfe angeboten. Dann ist das Ausweichquartier in der Salinenstraße 10 fertig hergerichtet. Das wird genutzt, bis in eineinhalb Jahren der geplante Neubau des Kindergartens fertig ist. Oberbürgermeister Kay Blankenburg (SPD) hat Regierungspräsident Paul Beinhofer auf die gestellten Förderanträge hingewiesen. Ihre Bearbeitung sei nun noch dringlicher als bisher.

Der Freitag hatte so gut begonnen das Kindergartenfest stand unter dem Motto "Umzug". Es ist laut Karin Sauermann super verlaufen, "dann kam aber die Bescherung".

Eine Putzfrau habe bei ihr angerufen und gesagt, "es tropft". Das ist in dem 41 Jahre alten Gebäude mit seinem Flachdach so ungewöhnlich nicht. Seit 20 Jahren sei das mehr oder weniger undicht, so Karin Sauermann.
Sie sei dann doch in den Kindergarten gefahren "und habe mir die Misere angeschaut". "Wie aus einer Dusche" sei das Wasser gelaufen. Mehr als 20 Zentimeter hoch seien Hagelkörner auf dem Dach gelegen, das dieser Belastung nicht widerstanden hat. Das Wasser hat mehrere Räume total verwüstet. Dann hat Karin Scheuermann die Feuerwehr gerufen, die das Dach von der Eislast befreit hat. Ein Statiker hat sich die Sache angesehen und gleich gesagt, das Gebäude sei so nicht mehr nutzbar. Das sei "zu gefährlich".

Karin Sauermann: "Es hätte doch noch fünfeinhalb Wochen halten können, dann wären wir sowieso umgezogen."

Eltern hätten am Samstag geholfen, die Möbel in Sicherheit und in das Notquartier zu bringen. Es wurde angeboten, bis Mittwoch eine "Notgruppe" einzurichten, sagte Stephi Wieghardt. Davon hat am Montag niemand Gebrauch gemacht, für heute liegen Anmeldungen vor.

Der Sinnberg-Kindergarten ist für 100 Kinder zugelassen. Zwölf Mitarbeiter kümmern sich um sie. Davon sind drei Voll- und neun Teilzeitkräfte.

Bis Ende 2013 soll an gleicher Stelle ein neuer Sinnberg-Kindergarten entstehen. Geplant ist eine Anlage mit drei Flügeln für Kindergarten, Hort und Krippe. Sie soll 129 Plätze haben und 2,3 Millionen Euro erfordern. 60 bis 75 Prozent davon sollen von der Regierung von Unterfranken kommen. Den Rest muss die Stadt und Theresienspitalstiftung aufbringen. Das Diakonische Werk Schweinfurt übernimmt die Abbruchkosten. Die Theresienspitalstiftung wurde 1839 von Königin Therese gegründet. Sie verfügt über ein Kapital von 4,25 Millionen Euro. ed