"Mit 90 Jahren, nach 30 Jahren ehrenamtlich geleisteter Arbeit, steht es einem ohne jeden Zweifel zu, sich zurückzuziehen", dieses Fazit zog Oerlenbachs Bürgermeister Franz Kuhn, als er dem scheidenden Leiter des Ebenhäuser Heimatmuseums Bernhard Wahler ein Präsent und eine Urkunde überreichte.

Nach 30 Jahren hat sich der inzwischen 90-jährige Bernhard Wahler schweren Herzens dazu entschlossen, endgültig von seinem Steckenpferd Heimatmuseum Abschied zu nehmen und das Projekt in jüngere Hände zu legen.

Wohin mit dem Material des Festzugs?

Entstanden ist das Heimatmuseum, als man sich nach der 1200-Jahr-Feier Ebenhausens 1988 mit der Frage konfrontiert sah, was mit dem für den historischen Festzug gesammelten Material geschehen sollte. Wohin mit dem Werkzeug, den Möbeln, den Maschinen und Gerätschaften, mit denen die Festwagen ausgestattet waren? Die Gründung eines Museums lag nahe, und der Faschingsclub FCSH Ebenhausen nahm sich mit Bernhard Wahler an der Spitze der ganzen Sache an.

Mitten im Dorf, direkt am Kirchplatz, besaß die Gemeinde ein Haus, das als Heimat für das neue Museum geradezu prädestiniert war. "Es war die alte Dorfschmiede, in der mein Großvater Dionys Zwirlein Schmied war, und mein Onkel Hieronymus Zwirlein war der letzte Dorfschmied von Ebenhausen", erinnert sich Bernhard Wahler mit Stolz. In dem Gebäude waren nach dem Zweiten Weltkrieg im Erdgeschoss eine Elektriker-Werkstatt sowie die Milchsammelstelle untergebracht. Im Obergeschoss befanden sich Wohnungen, später hat der Männergesangverein hier geprobt.

In ein Museum verwandelt

1988 wurde das Haus aus dem Dornröschenschlaf geweckt und in ein Museum verwandelt. Schon 1990 konnte das Heimatmuseum Ebenhausen eröffnet werden, das sich zunächst nur mit den Themenfeldern Dorfschmiede, Dorfschreinerei und Dorfschusterwerkstatt sowie alltäglichen Einrichtungsgegenständen und Hausrat aus vergangenen Zeiten widmete. Zehn Jahre später, nach der Renovierung des Gebäudes, konnte auch das Obergeschoss genutzt werden, wo sich zum Beispiel das "Armin-Metz-Zimmer" befindet. Die im ersten Stock gezeigte Ausstellung setzt sich mit der Ebenhäuser Geschichte auseinander und zeigt zudem eine komplette Wohnung aus der Zeit um 1920 bis 1930.

Geschichte der Eisenbahn

In einem weiteren Teil wird die Geschichte der Eisenbahn beleuchtet. "Ausgestattet ist das Museum zumeist mit Leihgaben von Bürgern, die später größtenteils zu Schenkungen wurden", weiß der langjährige Leiter des Museums.

Angegliedert an das Heimatmuseum, das sich als ländlich-bäuerliches und handwerkliches Museum versteht, ist neben dem alten Backhäuschen in der direkten Nachbarschaft und der Museumsscheune am Schlossplatz, mit landwirtschaftlichen Großgeräten, seit 2011 das John-Bauer-Museum, das Einblick in das Leben und Wirken des schwedischen Malers und Illustrators John Bauer gibt. Dessen Vater stammt aus Ebenhausen.

Gemeinde der neue Träger

Nachdem sich mit Bernhard Wahler auch der Faschingsclub aus der Verantwortung für das Heimatmuseum zurückgezogen hat, befindet sich das Museum nun in der Trägerschaft der Gemeinde. Unter der neuen Leitung von Albrecht Schreck, der schon seit vielen Jahren Mitarbeiter im ehrenamtlichen Museumsteam ist, hat das Heimatmuseum Ebenhausen zusammen mit dem John-Bauer-Museum jeden ersten Sonntag im Monat, 13 bis 16 Uhr, geöffnet. Führungen für Gruppen und Schulklassen können individuell mit der Museumsleitung vereinbart werden. Kontakt entweder über die Gemeinde Oerlenbach, Tel.: 09725/710 118, oder direkt über Albrecht Schreck, Tel.: 09725/6364. Mit ihm zusammen im Team engagieren sich außerdem Peter Deisinger und Tanja Brand, die auch für das John-Bauer-Museum zuständig ist. Über weitere Helfer und Mitstreiter würde sich das Museumsteam sehr freuen.